Herzogenrath: Unterstützung für Hochwasseropfer kommt auch aus Merkstein

Herzogenrath: Unterstützung für Hochwasseropfer kommt auch aus Merkstein

An der Elbe bewegt sich der Hochwasserscheitel aktuell sehr langsam, der Fluss hatte zuletzt noch gedroht, wieder anzuschwellen. Doch die dramatische Lage von Mitte Juni wird nicht mehr prognostiziert. Fest steht jetzt jedoch, dass die Hochwasserkatastrophe im Süden und Osten Deutschlands für die Versicherer teurer als die Elbeflut vor elf Jahren wird.

Der deutsche Branchenverband GDV schätzt die versicherten Schäden auf fast zwei Milliarden Euro, so eine jetzt veröffentlichte erste Bilanz. Der Grund: Die Menschen in den gefährdeten Gebieten haben ihre Häuser verstärkt mit Policen versehen. 2002 hatten die Versicherer 1,8 Milliarden Euro an Kunden ausgezahlt.

Stärker als vor elf Jahren sei auch die Hilfsbereitschaft der Bürger gewesen, berichten Betroffene immer wieder. Hilfe kam aus der ganzen Republik, unter anderem aus Merkstein. „Schreckliche Bilder, verzweifelte Menschen ... niemand konnte sich den Bildern der Hochwasserkatastrophe entziehen, auch ich nicht“, berichtet Marlen Rohnen. „Ich wollte helfen, doch wie? Geld spenden, ohne zu wissen, wo genau es ankommt? Nein, ich wollte selbst aktiv werden.“

Auf einer Internetplattform erfuhr sie, dass die Schwester einer Freundin im betroffenen Gebiet in Grimma lebt. „Das war wie ein Wink des Schicksals — eine Ansprechpartnerin vor Ort.“ Ohne weiter zu überlegen griff Marlen Rohnen zum Telefon und erkundigte sich, was benötigt werde und wo man helfen könne. „Den Menschen fehlte es zum Teil an allem, was man braucht: Kleidung, Haushaltswaren, Decken. Ich bot meine Hilfe an und rief zum Helfen auf. Ich wandte mich an meine Kooperationspartnerin Maria Pavlovic.“

Zwölf-Tonner beladen

Sofort startete sie mit ihrem Team in ihrem Friseursalon Spendenaufrufe im Schaufenster und verteilte Plakate an weitere Geschäfte in Merkstein. „Auch meine Freundin Nadja Neyzen sowie meine Kundin Marion Bautz richteten Sammellager für die Spenden zu Hause ein.“

Eine örtliche Spedition verkündete, den Transport auf eigene Kosten zu übernehmen. Bei Marlen Rohnen häuften sich die Sachgüter. Ein zentrales Sammellager stellte die Familie Ricardo Alvarez am Boscheler Berg zur Verfügung, so dass der Lkw endlich anrollen konnte. Zu den zahlreichen Sachspenden kam eine Spendensumme von 624,20 Euro, die dem Kindergarten in Grimma zur Verfügung gestellt wurden. Die städtische Tageseinrichtung für Kinder aus der Stettiner Straße in Aachen hat eine Patenschaft für diese Kita übernommen. Dank vieler helfender Hände konnten die Paletten bepackt und der Zwölftonner beladen werden. Rohnen: „Abschließend bleibt die Devise: Jeder kann helfen, denn auch viele Krümel ergeben einen Laib Brot.“

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