Alsdorf: Und der Hausmeister schaltet die Pausenklingel ab

Alsdorf: Und der Hausmeister schaltet die Pausenklingel ab

Ostfriesland muss warten. In Alsdorf-Begau hat Georg Tillmanns vor seinem Urlaub noch einiges zu erledigen. Während sich Schüler und Lehrer der Grundschule über sechs Wochen Sommerferien freuen, muss der Hausmeister die Zeit der leergefegten Räume und Korridore nutzen, um den Laden auf Vordermann zu bringen.

Ferienzeit bedeutet für den 57-Jährigen: die Chance, alle die Dinge zu erledigen, für die ihm während des Schulbetriebs die Zeit oder die Möglichkeiten fehlen. „Ich kann nicht einfach mal so in einem Flur eine Wand streichen”, sagt er.

Denn dazu müsste er ein Gerüst aufbauen, und das wäre schlicht zu gefährlich, wenn die Kinder durch die Flure flitzen. Auch sein Werkzeug müsste er aus Sicherheitsgründen jedesmal wegpacken, wenn die Pausenglocke ertönt. Jetzt ist das anders.

Georg Tillmanns ist ja allein. Wobei: So allein nun auch wieder nicht. Hier und da klingeln mal Eltern, deren Kinder etwas in Klassenzimmern vergessen hatten. Auch Handwerker klopfen täglich an. Arbeiten der Fremdfirmen zu koordinieren, ist während der ersten drei Ferienwochen sogar seine Hauptaufgabe.

Derzeit ist eine Firma zugange, die Dachrinnen erneuert und die Verkleidung der Balken überprüft. In den Fluren arbeiten Maler, demnächst kommen Heizungsmonteure. Denen zeigt der gelernte Elektriker, wo was zu tun ist.

Mittlerweile kennt er jeden Winkel der Schule, die er seit zwei Jahren betreut. „Meine Schule”, nennt er sie. Vielleicht auch, weil er früher schon mal hier war: „Das hier ist meine alte Grundschule”, sagt der Mann, der damals wie heute in Begau lebt.

Auch seine Tochter Nadine hat in dieser Schule Lesen und Schreiben gelernt. „Da hänge ich also besonders dran”, sagt er. „Hat sich schon viel verändert, das wirkt heute irgendwie alles größer.”

Blank gewetzt

Wobei einiges durchaus beim alten geblieben ist. Womöglich gibt es sogar seinen alten Stuhl noch in dem Gebäude. Denn einige der Möbelstücke, die er zu Ferienbeginn auf die Pulte in die Flure gestellt hat, sind schon ganz schön - sagen wir mal - bewährt.

„Der hier könnte noch aus den 60er Jahren sein”, hebt Tillmanns einen Stuhl hoch, dessen Sitzfläche von Schülerhosenböden abgewetzt worden ist. Er lächelt.

In der Woche vor Schulbeginn wird er viel Arbeit haben. Dann muss er nämlich alle Stühle wieder an ihren Platz stellen, nachdem eine Firma das Gebäude gründlich gereinigt hat.

Ans Herz gewachsen

Die Pausenklingel hat er abgestellt. „Muss ja nicht sein, während der Ferien.” Doch der Rhytmus ist irgendwie der alte. Morgens kommt er in das Gebäude („Ich bin schon froh, dass es dort keine Hausmeisterwohnung gibt. Ein wenig Abstand tut schon mal gut”), gegen 17 Uhr verlässt er es wieder.

Dazwischen wechselt er Leuchtstoffröhren, mäht den Rasen, fegt das Laub, das der Wind dieser Tage zuhauf von den vielen Bäumen auf das Schulgelände bläst.

Auch zur Gießkanne greift er regelmäßig. Die Blumen aus allen Klassenzimmern haben die Lehrer auf Bänke in der Pausenhalle drapiert. Dort sieht es aus wie in einer grünen Oase.

Ob ihm die Schüler fehlen, wenn er über den leeren Schulhof geht. „Eigentlich nicht.” Er überlegt: „Oder doch, ein bisschen.” Denn obwohl es „so einige Rabauken” gebe, seien sie ihm ans Herz gewachsen. „Ich kenne viele der Kinder beim Namen”, sagt er, „man sieht sich ja doch oft. Die Schüler kommen häufig zu mir, wenn sie etwas verloren oder sich auf dem Schulhof verletzt haben”.

Als Hausmeister ist er ein gefragter Mann. „Ich muss dem Schulleiter immer Bescheid geben, wenn ich mal kurz nicht im Gebäude bin.” Bald wird er weg sein. Zwei Wochen im deutschen Norden. Dann schauen Mitarbeiter des Industrie- und Gewerbeparks Alsdorf (IGA) im Gebäude nach dem rechten.

Und Georg Tillmanns kann entspannen. Dabei vielleicht - hier und da - auch mal an daheim denken.

„Mitunter frage ich mich im Urlaub dann schon: Wie geht es jetzt wohl meiner Schule gerade?”