Herzogenrath: Umbauarbeiten im Stadion Oststraße dauern wohl bis 2020 an

Herzogenrath: Umbauarbeiten im Stadion Oststraße dauern wohl bis 2020 an

Die Infos zur Zeitplanung im Bau- und Verkehrsausschuss am Dienstagabend ließen die ohnehin herrschende Ernüchterung in Erschrecken mutieren: Erst im März 2020, so legte es der Experte des beauftragten Fachbüros dar, sei mit Fertigstellung der Umbauarbeiten im Stadion Oststraße zu rechnen.

Vor allem der nötigen europaweiten Ausschreibung wegen, die den Zeitplan um rund fünf Monate nach hinten schiebe. „Das kann bedeuten, dass wir Spiele und Training über ein Jahr lang auf andere Plätze verteilen müssen“, sagt Jörg Michiels, Vorsitzender des Kohlscheider Ballspiel-Clubs (KBC/rund 500 Mitglieder) im Gespräch mit unserer Zeitung. „Neben dem riesigen organisatorischen Aufwand kann es für einen Verein wie unseren sogar existenzgefährdend sein, wenn man ein Jahr lang kein Heimspiel ausrichten kann.“

Wird es genügend Trainingsmöglichkeiten im Stadion geben? Das fragen sich (v.l.) Karl-Heinz Tinnemann (DJK Elmar Kohlscheid), Ludwig Bergstein (Stadtsportverband) und Jörg Michiels (KBC). Foto: Beatrix Oprée

Neben fehlenden Einnahmen werde das Vereinsleben auf ein Minimum reduziert. „Ein Jahr ist gravierend“, weist Michiels auch auf die wichtige Jugendarbeit hin: „Da müssen Vereine in Sachen Infrastruktur etwas bieten können.“ Inwieweit das Stadion während der Bauphase genutzt werden kann, ist daher eine der brennendsten Fragen.

Der Reihe nach: Bekanntlich soll Kohlscheids City verkehrlich entlastet werden — durch den Bau der 450 Meter langen Markttangente. Die wird von der Einmündung Süd-/Kaiserstraße bis zur Oststraße führen — und zwar quer über den KBC-Sportplatz am Langenberg hinweg. Ende 2018/Anfang 2019 soll Baubeginn sein. „In der Einwohnerversammlung neulich zum Thema Verkehrsführung in Kohlscheid hörte sich alles noch so positiv an“, erinnert sich Michiels, dass die Frage nach dem Ersatz für den Langenberg-Platz positiv beantwortet worden war.

Das Stadion Oststraße müsse vorher so ertüchtigt sein, dass man den Langenberg fallen lassen könne, hatte Bürgermeister Christoph von den Driesch (CDU) den Sportlern unter den rund 300 Anwesenden versichert. Die Vereinsvertreter sind sich da jetzt aber nicht mehr so sicher. Dass aber die Politik durchaus auf ihrer Seite stehe, das haben sie aus der jüngsten Ausschusssitzung auch mitgenommen.

Denn auch die vorgelegten Pläne zur „Ertüchtigung“ des Stadions haben nicht zu Begeisterung geführt, was keinesfalls am beauftragten Büro, sondern vielmehr an den vorgefundenen Gegebenheiten liegt. An der Oststraße trainieren nicht nur die Kicker des KBC, sondern auch die Leichtathleten der DJK Elmar Kohlscheid (rund 580 Mitglieder, davon 250 Kinder und Jugendliche).

Zwei Hochsprungfelder und eine Stabhochsprunganlage stehen den Athleten zur Verfügung, „und zwar neben dem Hauptspielfeld und auf Tartan“, wie Karl-Heinz Tinnemann, Leiter der Leichtathletik-Abteilung, erklärt. „So können wir jederzeit wetterunabhängig trainieren, auch bei gleichzeitigem intensiven Fußballtraining.“ Diese Situation, so die Forderung der Sportler, „muss auf alle Fälle so bleiben.“

Der sportliche Erfolg verleiht dem Nachdruck: „Im Nordrhein-Gebiet ist die DJK im Hochsprung immer vorne dabei“, sagt Tinnemann. Zurzeit stellt sie in der Jugend einen Nordrhein-Meister und eine Vize-Meisterin: „Das wäre nicht möglich, wenn ich nicht so ein intensives Training anbieten könnte.“

Insgesamt vier Stadion-Varianten haben die Dürener Landschaftsarchitekten Reepel ausgearbeitet: 1) einen Kunstrasenplatz gemäß Fifa-Anforderungen inmitten einer Asche-Umlaufbahn (Gesamtkosten 1.918.000 Euro); 2) einen Kunstrasenplatz mit Umlaufbahn in Tartanbauweise (2.107.000 Euro); 3a) einen Kunstrasenplatz mit angegliedertem Kunstrasen-Kleinspielfeld (2.355.000 Euro/von allen favorisiert) und 3b) einen Kunstrasenplatz mit Naturrasen-Kleinspielfeld (2.282.000 Euro).

Als buchstäblich platzraubend hat sich bei den Planungen die Notwendigkeit der fachgerechten Platzentwässerung herausgestellt, die über einen unterirdisch angelegten großflächigeren Pufferspeicher (Rigole) am Nord-West-Ende des Stadions erfolgen soll (siehe Plan). Weshalb das auch von der Politik geforderte zusätzliche Kleinspielfeld, das einen parallelen Trainingsbetrieb beider Vereine und Raum für Schulsport sicherstellen soll, kleiner ausfällt, als angedacht.

Schon für den KBC alleine, mit seinen immerhin 17 Mannschaften, wird es nach dem Wegfall des Langenbergs eng, wie Ludwig Bergstein, stellvertretender Vorsitzender des Stadtsportverbands, dem Ausschuss anhand von Zahlen deutlich machte: Je 7140 Quadratmeter sind das jetzige Spielfeld an der Oststraße und der künftig wegfallende Platz am Langenberg groß. 5865 Quadratmeter soll der neue Kunstrasenplatz betragen.

„Das bedeutet einen Wegfall von 8424 Quadratmetern Fläche“, so Bergstein. Seine Forderung an die Politiker: „Der Trainingsplatz muss auf alle Fälle größer werden, sonst bedeutet das einen Wegfall der Trainingsmöglichkeiten für den KBC von 50 Prozent!“ Von „D-Jugend-Größe“ ist die Rede, das heißt 65x45 Meter (statt der jetzt eingeplanten 40x35 Meter netto).

„Wenn wir als Vereine mit den Planern direkt hätten sprechen können, hätten wir schon bestimmte Ideen einbringen und Dinge klären können“, setzen die Beteiligten jetzt Hoffnung auf ein noch vor Ostern anberaumtes Gespräch. Und auch im Ausschuss wurde deutlich, dass die Politiker sich parteiübergreifend bereits Gedanken darüber gemacht haben, wie man den Platzverlust auffangen kann.

Der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda gibt sich in Sachen Zeitplanung indes schon mal zuversichtlich: „Ich halte es für realistisch, dass wir im Oktober 2019 fertig sind“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Alles hänge natürlich davon ab, wann der Bewilligungsbescheid für den Bau der Markttangente letztlich erteilt wird. Die Ertüchtigung des Stadions werde dann Hand in Hand erfolgen.