Baesweiler: Umbau des Baesweiler Hallenbads wird teurer und verzögert sich

Baesweiler : Umbau des Baesweiler Hallenbads wird teurer und verzögert sich

Die Rohbauarbeiten der Kernsanierung samt Anbau des Hallenbads an der Parkstraße sind im Wesentlichen abgeschlossen. Und dabei ist durchgeschlagen, was Bürgermeister Dr. Willi Linkens im Gespräch mit unserer Zeitung vor einiger Zeit bereits ankündigte: Aufgrund der EU-Niedrigzins-Politik und voller Auftragsbücher im Handwerk wird es für Kommunen immer schwieriger, Bauprojekte zeitnah zu realisieren.

„Alles hat angezogen, der Bau von Einfamilienhäusern, Mietwohnungen, Sozialwohnungen, dazu kommen Fördermittel wie ,Gute Schule‘ sowie die kommunale Investitionsförderung“, zählt er im Gespräch mit unserer Zeitung auf. Die Folge: „Die Zahl der Angebote für die ausgeschriebenen Gewerke ist sehr gering, teilweise meldet sich überhaupt nur ein Bieter.“ Die Preisvorstellungen indes seien teilweise „total überhöht“. Bei manch anderem Gebot indes sei man überrascht gewesen, dass es noch zu den Vorstellungen passte. Für Kommunen bleibt in solchen Fällen die Wahl, entweder — bis zu einem gewissen Grad — Preiserhöhungen oder aber deutliche zeitliche Verzögerungen hinzunehmen.

Alles in allem zeichnet sich für die Hallenbadsanierung eine 20-prozentige Kostensteigerung ab. Linkens: „Bei den bisher vergebenen Aufträgen und kalkulierten Ergebnissen der noch folgenden Ausschreibungen gehen wir von Netto-Baukosten von etwa 7,3 Millionen Euro aus.“ Die teilweise nicht vorsteuerabzugsberechtigt seien, so dass man mit brutto rund 7,533 Millionen Euro rechnen müsse.

„Und eine der Ausschreibungen, das Gewerk Dachdecker, haben wir bereits zweimal zurückgezogen“, hatte Linkens auch dies für den Fall angekündigt, dass Angebote exorbitant über dem liegen, was die Verwaltung als annehmbar errechnet hat.

Schon zweimal zurückgezogen

Weswegen der Dachaufbau jetzt überplant wird: Für die bisher vorgesehene Metallkonstruktion, wie sie sich an mehreren Objekten in der Stadt bewährt habe, gebe es nur wenige Anbieter, was den Preis in die Höhe treibe. So soll das Hallenbad nun ein herkömmliches Flachdach bekommen, Details wie Statik und Dämmung müssen dazu neu berechnet werden, wie die Technische Dezernentin Iris Tomczak-Pestel beim Ortstermin erläutert.

In rund drei Wochen soll die neue Ausschreibung rausgehen, „eine Verzögerung, die jeder Steuerzahler verstehen wird“, ist Linkens sicher. „Denn das ist besser, als einen sechstelligen Kostensteigerungsbetrag zu akzeptieren.“ Zumal für die Schwimmer mit dem Lehrschwimmbecken an der Gren-gracht eine Ausweichmöglichkeit angeboten wird. Dass die umgewandelte Ausschreibung, die einen erheblich größeren Bieterkreis anspreche, in wirtschaftlich vertretbaren Größenordnungen vergeben werden kann, davon geht der Bürgermeister hoffnungsvoll aus.

Der Rohbau lässt derweil schon deutlich erkennen, wie das Schwimmbad samt Anbau mit dem neuem Nichtschwimmerbecken einmal aussehen wird. Letzteres habe die „Füllprobe“ schon bestens bestanden, wie Ralf Peters, Leiter Gebäudemanagement bei der Stadt Baesweiler, darlegt. Mit einer Größe von 126 Quadratmetern soll das neue kleine Becken Schulen sowie Vereinen und Institutionen für Training respektive Angebote wie Wassergymnastik zur Verfügung stehen. Der Nutzungsplan wird in Kooperation mit allen Beteiligten erarbeitet, sagt Tomczak-Pestel, „jeder soll zu seinem Recht kommen“.

Ein Familienbereich mit Planschbecken, Wickel- und Sanitärraum ergänzt das Angebot im Anbau, von dem aus man durch ein Fenster ins Freie blicken kann. Die Betonarbeiten sind auch im großen Becken mit seinen fünf 25-Meter-Bahnen beendet, dessen Boden eine neue Form bekommen hat. Der bisherige wartungs- und daher auch kostenintensive Hubboden ist einer aufbetonierten Schräge gewichen. Jetzt wird noch eine Edelstahlwanne eingesetzt, die auch einen besseren Schutz vor Chlorwasser bietet als die bisherigen Fliesen.

Sandgestrahlt in neuem Glanz präsentiert sich die Wendeltreppe zur blauen Wasserrutsche hinauf. Letztere war vor sechs Jahren erst erneuert worden und muss jetzt nur noch gesäubert und gewartet werden.

Komplett neu eingebaut werden indes Lüftung, Heizung und Wasseraufbereitung, für die unter dem Neubau ausreichend Platz ist. Die energetische Sanierung, so erklärt der Bürgermeister, ermögliche es, dass trotz des Anbaus in Zukunft nicht mehr Energie eingesetzt werden muss. 80 bis 90 Prozent der Wärme werde ohnehin schon seit 2006 durch die naheliegende Biogasanlage gedeckt. Die betreibenden Landwirte seien froh, dass die Wärmeenergie mit der höheren Einspeisevergütung ganzjährig abgenommen werde. „Eine Win-win-Situation“, freut sich die Dezernentin.

Völlig erneuert wird auch die Umkleidesituation: Zehn Unisex-Umkleiden sowie zwei barrierefreie Umkleiden samt Duschzone werden im Erdgeschoss eingerichtet, dazu gibt es 197 Spinde. Im Obergeschoss sind zwei Umkleidebereiche für Schulen und Vereine vorgesehen.

Die entsprechenden Ausschreibungen stehen neben dem Dach sowie unter anderem Putz und Trockenbau sowie spezifische Schlosserarbeiten in den Bädern noch aus.

Neu wird auch ein Kassenautomat am Eingang sein, der im Vorfeld politisch nicht unumstritten war. Doch einer einmaligen Anschaffung von rund 50 000 Euro stehen Personalkosteneinsparungen von 130 000 Euro jährlich gegenüber, rechnet Linkens vor. Zumal diese Umstellung im Zahlungsverkehr ohne Kündigungen vollzogen werden könne, da die beiden Mitarbeiterinnen bis zur vorläufigen Schließung der Schwimmhalle etwas über ihren Rentenbeginn hinaus gearbeitet hätten. „Und mit einem Automaten wird jeder schnell umzugehen lernen“, so Linkens.

Noch vor den Sommerferien 2019 soll alles fertig sein, so die Hoffnung. Parallel erfolgen die Planungen für die Außenanlagen samt Wasserspielplatz. Erste Pläne dazu werden nach den Sommerferien dem Fachausschuss vorgestellt.

Linkens verweist auf die Fördergelder: 50 Prozent aus dem Programm „Integriertes Stadtentwicklungskonzept“ fürs Hallenbad und 70 Prozent aus dem Programm „Stadtgrün“ für den Außenbereich. „Ohne das wäre das alles nicht möglich“, sagt Tomczak-Pestel. „Und das ist ein Grund, dafür auch einmal Danke zu sagen“, ergänzt Linkens.

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