Würselen/Aachen: Typisierungsaktion: Welle der Hilfsbereitschaft beeindruckt

Würselen/Aachen : Typisierungsaktion: Welle der Hilfsbereitschaft beeindruckt

Eigentlich wollte Nathalie Hüllenkremer am Samstag nur ins Fitnessstudio. Doch als sie im Radio von der Hilfsaktion für Norbert Lynen hörte, entschied sich die 27-Jährige spontan zum Mitmachen. „Ich würde mich auch freuen, wenn jemand mir helfen will“, sagte die sympathische Frau aus Haaren und ließ sich von Silvana Schwarz ein wenig Blut abnehmen.

„Danach bitte zwei Minuten lang gut drücken“, sagte Silvana Schwarz noch, ehe sich Nathalie Hüllenkremer auf den Weg nach draußen machte.

Ein kleiner Pieks von Helferin Silvana Schwarz (Bild links) macht auch Nathalie Hüllenkremer zur spontanen Spenderin bei der Typisierungsaktion in Würselen: Nina Scheeren (r.) hat mit ihrer Stammzellenspende schon einer Frau im Kampf gegen den Blutkrebs geholfen, in Würselen erklärt sie auch Ralf Jopen das Prozedere. Foto: Markus Bienwald

Insgesamt 918 hilfsbereiten Menschen wurden am Samstag die zur Typisierung notwendigen vier Milliliter Blut abgenommen. Eine große Zahl also, die einen ebenso großen Apparat im Würselener Gymnasium in Gang setzte. So waren auf dem Weg dorthin Schilder zu sehen, um die erwarteten Verkehrsströme in die passenden Bahnen zu leiten.

Verkehrskadetten halfen schließlich jedem, der sich mit dem Auto auf den Weg zur Typisierungsaktion machte, einen passenden Parkplatz zu finden. Aber auch im Gymnasium selbst war alles von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) bestens vorbereitet.

So waren 120 Freiwillige den ganzen Tag über im Einsatz, um die Menschen zu registrieren, ihnen das erforderliche Blut abzunehmen und so möglicherweise einen passenden Spender für den an Blutkrebs erkrankten Norbert Lynen zu finden. Dessen Sohn Jan war natürlich auch an diesem Tag im Einsatz, um dem Ansturm der Hilfsbereiten Herr zu werden. „Das geht einem sehr nahe“, sagte Jan Lynen, der in der Nacht zuvor nach eigenen Angaben nur wenig Schlaf hatte. Und er war ein ums andere Mal den Tränen nahe, als er sah, dass so viele Menschen helfen wollten. „Es ist vor allem das kompromisslose Engagement von Menschen, die helfen wollen, das mich beeindruckt“, sagte er.

Wie das ist mit dem Helfen geht , weiß Nina Scheeren nur zu genau. Die 23-jährige Zahnmedizinische Fachassistentin hat sich vor zwei Jahren bei einer ähnlichen Aktion in Stolberg typisieren lassen. „Ich habe mitgemacht, weil ich dachte, was passiert, wenn ich in der Situation bin, ich die Erkrankte bin“, erzählte sie. Dem kleinen Pieks folgte die große Hilfe, denn am 12. Januar war es so weit, dass Nina helfen durfte.

„Ich weiß nur, dass durch meine Spende eine 45-jährige Frau aus Ungarn leben kann“, sagt sie. Wer genau die Dame ist, der sie geholfen hat, weiß sie noch nicht, denn es herrscht eine zweijährige Sperrfrist für die persönlichen Daten der Patientin. „Ich will sie aber auf jeden Fall mal treffen“, ist Nina sicher. Und dass sie an diesem Tag in die große Gruppe der Freiwilligen eintaucht, das war für sie selbstverständlich, denn nicht nur mit der Typisierung, die irgendwann einmal große Hilfe leisten kann, wird geholfen, sondern auch durch den freiwilligen Einsatz. Damit Menschen wie Norbert Lynen weiterleben können.

(mabie)
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