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Würselen: Turbulenter Streit ums Erbe beim Würselener Volkstheater

Würselen : Turbulenter Streit ums Erbe beim Würselener Volkstheater

Als sich im Weiterbildungskolleg an der Friedrichstraße der Vorhang zum Lustspiel „Erve es menschlich“ aus der Feder von Erfried Smija, in Mundart gesetzt von Gisela und Hans Schröder, gehoben hatte, war zwei Stunden lang beim Würselener Volkstheater Lachen Trumpf.

Die Akteure, denen die Rollen auf den Leib geschrieben schienen, übertrafen sich beim Streit über das Erbe des Romanschriftstellers Heinrich Bach. Vor allem bei den deftigen Sprüchen blieb kein Auge trockenvor Lachen. Davon blieben Bürgermeister Arno Nelles, die Gründerin des Volkstheaters, Marianne Thelen, und der Präsident des Komitees Würselener Karneval, Hans Sinken, auch nicht verschont.

Besagter Romanschriftsteller hat in seinem Testament verfügt, dass sein Erbe nur der Hinterbliebenen erhalten soll, der das harmonischste Familienleben führt und am Besten sein Anwesen pflegt. Um das herauszufinden, bestellt Notar Ludwig Weber (Harald Fortmann), der den Nachlass im feinsten Hochdeutsch verwaltet, die Familien Lisbett und Hubeät Fempholz (Gisela und Hans Schröder) sowie Nelli und Bernades Eckstea (Hiltrud und Hans-Georg Queck) ins Haus des vermeintlich Verstorbenen ein.

Die Familien sollen zwei Wochen lang unter Beweis stellen, dass sie die Bedingungen erfüllten. Auch eine Frau Müller (Nadine Schröder), die weder verwandt ist, noch sich sonst einen Reim darauf machen kann, warum sie zur „Testaments-Eröffnung“ des Schriftstellers eingeladen ist, erscheint zum Erstaunen der Verwandten. Und schließlich ist da noch Haustfaktotum Drickes (Heinz Schmidt), der als Schiedsrichter fungieren und Anweisungen für auszuführende Arbeiten geben soll.

Da fliegen die Fetzen

Als sich die streitenden Eheleute widersetzen, kommandiert er diese kurzerhand ab. Die Konkurrenten versuchen zwar, ihre Pflichten zu erfüllen. Da sie sich fortwährend in die Quere kommen, sind Dispute an der Tagesordnung. Bisweilen fliegen die Fetzen. Ob der Eskalation der Lage wundert es nicht, dass Drickes und Notar Weber das eine oder andere Mal überfordert sind. Alles steht auf Kampf.

Will doch keine der beiden Parteien der Erbschaft entsagen. Da inszeniert Drickes einen wundersamen nächtlichen Spuk: Die kratzbürstigen Frauen verlassen mit ihren „besseren Hälften“ fluchtartig das Haus. Frau Müller allein erfährt des Rätsels Lösung, nämlich dass sich hinter Drickes der Erblasser Heinrich Bach verbirgt. Der ist mit seinem Erbschaftstestlauf auf der Suche nach einem mitreißenden Stoff für einen neuen Roman.

Dass er ihn gefunden hat, davon konnten sich Zuschauer gründlich überzeugen. Geerbt wurde am Ende zwar nicht, aber Frau Müller bekam eine Anstellung als Haushälterin. Ein Kommentar aus dem Publikum: „Dat wor schönn, dat hat rechtig jot jedooe!“

Als Souffleuse fungierten Ulla Schneiders und Karin Queck. Den Rahmen für das zweistündige Spektakel bildete eine aufwendige, an Details reiche Kulisse.

Zum Silberjubiläum gratulierte Vorsitzende Gisela Schröder dann noch dem Aktiven Sven Schröder und dem heute inaktiven Mitglied Anja Timmers.

Wer die Aufführungen in Würselen versäumt hat, kann Samstag und Sonntag, 11. und 12. November, 19.30 Uhr bzw. 18 Uhr in Stolberg im Kulturzentrum Frankental in den Genuss des Theater-Spektakels kommen.

(ehg)