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Herzogenrath: Triumphaler Abschluss der 200-Jahrfeier

Herzogenrath : Triumphaler Abschluss der 200-Jahrfeier

Es gibt zwei Momente im Kirchenjahr der Pfarre St. Katharina Kohlscheid, bei denen die Bänke schon eine halbe Stunde vor Beginn des Anlasses keinen Besucher mehr fassen: die Feier der Heiligen Nacht und das Konzert des Kirchenchors St. Katharina zum Patronatsfest.

Diese Beobachtung von Pastoralreferent Mijo Repar traf auch auf die Aufführung der „Cäcilienmesse” von Charles Gounod (1818-1893) unter der Leitung von Chordirektor ADC Heinz Dickmeis zu.

Zunächst von Palestrina beeinflusst, gewann Gounod durch die Bekanntschaft einer faszinierenden Frau (Pauline Viardot) und der Musik Hector Berlioz eine romantische Weltläufigkeit, die sich nicht nur in der Oper „Margarethe”, sondern auch in seinen Kirchenkompositionen niederschlug.

Mit der Sankt Cäcilia - Patronin der Kirchenchöre - gewidmeten „Messe Solennelle” hatte Heinz Dickmeis ein Werk ausgewäht, das dem Zuhörer eine wohlklingende Verbindung von weltlicher Kantabilität und koloristischer Orchesterbehandlung bescherte.

Rund 150 Mitwirkende bereiteten den Kirchenbesuchern eine erhebende Stunde: der Kirchenchor und der Junge Chor St. Katharina, das weitgehend aus Amateuren bestehende und auf hohem Niveau spielende „Symfonie Orkest” aus Kerkrade sowie die Solisten Heidi Gottschalk (Sopran), Franz Grünweller (Tenor) und Ralf Oschmann (Bass).

Heinz Dickmeis und seine große Schar erfassten den musikalischen Gestus der einzelnen Messteile: vom schlicht-demütigen Kyrie bis hin zum zunächst von verhaltener Freude erfüllten und durch das pompös-triumphale „Laudamus te” gesteigerten Gloria.

Die Ausdrucksweite des Credo reichte vom kraftvollen Bekenntnis zur Größe Gottes über das verhauchende Geheimnis der Menschwerdung Christi („Et incarnatus est”), dem dreimaligen Aufschrei der Passion bis hin zu den, Zuversicht auf ewiges Leben umspielenden, mystischen Harfenklängen.

Das Solisten-Terzett fügte sich nahtlos in die gute Gesamtleistung ein. Bass Ralf Oschmann meisterte seine ihm kurzfristig übertragene Aufgabe, nachdem Klaus Nolte krankheitsbedingt ausgefallen war; Heidi Gottschalk entfaltete gleich beim Larghetto des Gloria ihr schönes Solo über dem zurückhaltend singenden Begleitchor. Ein besonderes Lob verdient Tenor Franz Grünweller.

Wer die Darbietungen des Kohlscheider auf den Konzert- und Kirchenbühnen des Nordkreises im letzten Vierteljahrhundert verfolgt hat, ist immer noch von seinem schlanken und hellen Tenor angetan. Sein selbst nach mehrmaligen Gounod-Aufführungen vom Beobachter mit Spannung erwartetes „Sanctus”-Solo hätte auch guten jüngeren Tenöre Ehre gemacht. Eigentlich schade, dass Franz Grünweller die Zahl seiner Auftritte im Nordkreis gestrafft hat: Manche Oratorien-Aufführung könnte von seiner Stimme und seiner Erfahrung profitieren.

Mit dem getragenen und schon in weihnachtliche Stimmung einführenden Andante Pastorale von Josef Rheinberger hatten Yvonne Schabrum (Oboe) und Gabi Kraneburg (Orgel) die musikalische Feierstunde eröffnet, ehe das homogene „Ave Maria”-Duett von Jeannette Klee (Sopran) und Nicole Gregoire (Alt) zur Cäcilienmesse überleitete. Langanhaltender Beifall und erfüllte Zugabe-Wünsche beendeten ein Konzert, das den Festzyklus zum 200-jährigen Bestehen der Pfarre St. Katharina würdig abschloss.