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Nordkreis: Transporteure sehen Chancen im Osten

Nordkreis : Transporteure sehen Chancen im Osten

„Wir sind dabei, die Verlagerung unseres Unternehmens nach Belgien oder in die Niederlande zu planen!” Ursula Vüllbeck, Prokuristin bei der Würselener Firma Josef Offergeld Nah- und Fernverkehr, will 2005 den Exodus ins Ausland, weil „das gesamte Umfeld” am Standort Deutschland für ihr 20-Mitarbeiter-Unternehmen „nicht gut” ist.

„Nicht gut” heißt: „Die Ökosteuer belastet das gesamte System, die Spritpreise müssen dringend harmonisiert werden.” Um die Kosten des Transportunternehmens zu schmälern, „tanken wir schon immer in Holland”. Ob das Ausweichen gen Westen ausreicht, um den Herausforderungen durch die Erweiterung der EU gen Osten gerecht zu werden? „Ich habe keine Angst.”

Im Gegensatz zu Michael Rogowski, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Das deutsche Transportgewerbe stehe angesichts der EU-Erweiterung wegen „fehlender Kostenharmonisierung und unter dem Druck der Ökosteuerlast vor der Existenzfrage”, fürchtet der BDI-Chef.

Niedrigere Lohnkosten

Grund sind neben niedrigeren Steuersätzen in den zehn Ländern, die am 1. Mai der EU beigetreten sind, die oft wesentlich niedrigeren Lohnkosten. Preisunterbietungen durch osteuropäische Unternehmen von bis zu 30 Prozent und erhöhten Wettbewerbs- und Abwanderungsdruck auf deutsche Fuhrunternehmer fürchten Güterverkehr-Experten.

„Besonders hart trifft es Unternehmen mit einem großen Fuhrpark”, präzisiert Franz-Josef Jakobs, Prokurist bei der GBS Internationale Spedition in Würselen. Weil sein Unternehmen aber keine eigenen Fahrzeuge auf den Straßen hat, sieht er angesichts der europäischen Öffnung nach Osten „auch Chancen”: „Wenn die speditionelle Leistung stimmt, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit garantiert werden können”, berge der Osten für das hiesige Transportgewerbe auch Wachstumspotenzial. „Von fallenden Preisen gehe ich erst einmal nicht aus.”

Mehr Chancen als Risiken?

Bietet die EU-Osterweiterung also unterm Strich mehr Chancen als Risiken? Fakt ist, dass die Bevölkerung in der EU seit Anfang Mai von etwa 375 auf rund 450 Millionen Einwohner gewachsen ist. Studien über den grenzüberschreitenden Verkehr, der nun ohne Wartezeiten und viel unbürokratischer fließen kann, prognostizieren für das Jahr 2015 ein gegenüber 1997 drei- bis vierfach höheres Transportaufkommen. Neue Wachstumsmärkte, auf denen Transport- und Logistikleistungen gefragt sind, tun sich auf.

So sieht es auch die Spedition Dachser, die in ihrer Alsdorfer Niederlassung 115 Mitarbeiter beschäftigt: „Die Chancen, sich neue Märkte zu erschließen, übersteigen etwaige Risiken klar”, betont Dachser-Sprecher Wolfgang Haase. Die Niederlassung Alsdorf sei nahtlos an die osteuropäischen Länder angeschlossen und damit „für die erwarteten hohen Wachstumsraten gut gerüstet”. Was daran liege, dass „wir nicht mit eigenen Fahrzeugen operieren”.

Bereits vor der EU-Osterweiterung habe Dachser Frachtführer aus den neuen EU-Staaten eingesetzt, „und nur im Ausnahmefall deutsche Unternehmer”. Das Interesse der Kunden der Alsdorfer Filiale an den Osteuropaverkehren sei „spürbar größer” geworden, „was sich in einer Vielzahl von Anfragen bemerkbar macht”, so Haase.

Wesentlich unkomplizierter

Auch das Logistikunternehmen DHL mit seiner Niederlassung in Würselen (vormals Danzas), in der 120 Mitarbeiter im gewerblichen und kaufmännischen Bereich tätig sind, blickt positiv in die Zukunft: Das Unternehmen verfüge in den Ländern Osteuropas bereits „über eine ausgezeichnete Marktposition, die wir in den kommenden Jahren konsequent ausbauen wollen”, so Firmensprecher Uwe Bensien. Der Wegfall von Zollbeschränkungen, -gebühren und -formalitäten bedeute geringere Kosten, mehr Flexibilität und kürzere Laufzeiten. Für die Kunden der Würselener Niederlassung werde der Versand wesentlich unkomplizierter, betont Bensien.