Würselen: Traditionelles Fahnenschwenken: Beste Werbung für Jungenspiele

Würselen: Traditionelles Fahnenschwenken: Beste Werbung für Jungenspiele

Demonstrativ hatte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Würselener Jungenspiele, Hans Maassen, seinen Schirm zu Hause gelassen, um den Wettergott nicht unnötig herauszufordern.

Doch so ganz ging seine Rechnung beim traditionellen Fahnenschwenken am Sonntagmorgen der Großkirmes vor der Kulisse des ehrwürdigen „Doms” nicht auf. Mitten in das farbenprächtige Spektakel, bei dem die Fahnenschwenker aus den sieben Spielen ob des böigen Windes ihr ganzes Können aufbieten mussten, platzte ein kurzer Schauer.

Auch bei der Rückkehr in die Zelte zu einem zünftigen Frühschoppen - einige durstige Kehlen hatten schon den Nachdurst an den Ständen am Markt gestillt - kamen die „Spellsleute” nicht trockenen Fußes über die Runden. Welch ein Jammer! Dabei stand doch auf dem Kalender „Sommeranfang”!

Positive Zwischenbilanz

Mit 15 Minuten Verspätung hieß AWJ-Vorsitzender die lieben Gäste aus nah und fern, die sich ob des Wetters nur zögerlich eingestellt hatten, zum ersten Höhepunkt der großen Kirmes 2009 willkommen. Sein besonderer Gruß galt dem Europaabgeordneten Martin Schulz und Staatssekretär Achim Großmann, der sich am Abend zuvor auf „Preck” schon unters feiernde Kirmesvolk gemischt hatte.

Herzlich begrüßt wurden aber auch die aus Thüringen mit ihrem Ortsbürgermeister Kurt Seifferth angereisten Freunde vom Heimat- und Trachtenverein Weitersroda, die auf Einladung des AWJ-Ehrenvorsitzenden Wilhelm Kriescher wiederum dem Jungenspiel Markt-Preck ihre Aufwartung machten.

Ein letztes Mal waltete Bürgermeister Werner Breuer am Ende seiner zehnjährigen Zeit seines Amtes. Während AWJ-Vorsitzender Maassen die Spitzen der Spiele mit Handschlag begrüßte, gab es von ihm für die holde Weiblichkeit ein Bützchen in Ehren. Die Bürger, aber auch den auswärtigen Gästen rief er zu: „Besucht unsere Jungenspiele auf den Zelten. Sie haben es verdient!”

Was ihn und den AWJ-Vorsitzenden freute: Die Zwischenbilanz nach zwei Kirmestagen war weitgehend positiv ausgefallen. Vor allem hatte es keinerlei Zwischenfälle gegeben. Und dem Jugendschutz beim Ausschank von Alkohol war auch entsprochen worden. Auf drei Zelten hatten sie sich selbst ein Bild machen können.

Den Anfang machte beim einstündigen farbenprächtigen Schauspiel das Scherberger Königsspiel. Rolf Paffen und seine Mannen ließen ihre luftigen Tücher synchron nach Walzerklängen durch die Beine und um den Hals wandern. Mehrere Formationen schickte das Morsbach-Siedler Königsspiel ins Rennen. Nach Dixieland-Klängen zogen seine Fahnenschwenker eine flotte Show ab, beeinträchtigt durch den böigen Wind. Viele jungen Fahnenschwenker bot das Königsspiel Schweilbach-Teut anlässlich seines 25-jährigen Bestehens seit der Neugründung auf. Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Ansonsten ging es bei ihnen wieder hoch hinaus. Mit Marschmusik unterlegt, eiferten ihnen die Akteure von Markt-Preck nach, wobei auch hier der stattliche Nachwuchs ins Auge sprang. Blaue Flecken taten sich am Himmel auf. „Wenn es das für heute war, dann wollen wir schweigen”, machte sich Zweckoptimismus unter den „Spellsleuten” breit.

Temperamentvolle Schau

Einen Farbtupfer der besonderen Art setzten sie die Fahnenschwenker von Oppen-Haal mit ihren blau-weiß-roten Tüchern. Mit ihnen „interpretierten” sie die „Super jeile Zitt” der Kölner Gruppe „Brings”, erst verhalten, dann aber auch temperamentvoll. Im „Schlepptau” hatten sie die Fahnenschwenkergruppe St. Jöris. Inzwischen hatte sich das Scherberger Königsspiel schon die Kaiserstraße hinauf verabschiedet. Immerhin war es schon seit acht Uhr unterwegs. Ungestört lief die Demonstration jugendlicher Lebensfreude vor dem „Dom” weiter. Die Bissener Fahnenschwenker zelebrierten auf Piff ihres „Chefs” Hans-Josef Bülles synchrone Kunst in alle vier Himmelsrichtungen, auch mit zwei Fahnen gleichzeitig. Eine Überraschung hielten sie noch für den Festzug am Nachmittag in petto. Einen gefälligen Schlusspunkt setzten die Akteure des Königsspiels Elchenrath. Jürgen Markus kam mit seinem Hit von dem neuen Leben, das heute anfängt, bei ihnen zu Ehren. Trotz der widrigen Umstände hatte das Fahnenschwenken Appetit auf mehr gemacht, der durch den Festzug am Nachmittag reichlich gestillt wurde.