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Alsdorf: Tote 36-Jährige hinterlässt acht Kinder

Alsdorf : Tote 36-Jährige hinterlässt acht Kinder

Er läuft fröhlich durch die Wohnung und ruft immer wieder „Opa, Opa”. Dass seine Mutter tot ist, weiß der zweijährige Jean-Pierre nicht. Am Mittwoch wurde die Bewohnerin der Sozialen-Wohnungsbau-Siedlung in Busch leblos aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft ist noch bei den Ermittlungen.

Genaueres kann sie vermutlich erst am Donnerstag mitteilen. „Wir gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Kapitalverbrechen aus”, sagte am Mittwoch Oberstaatsanwalt Robert Deller gegenüber den „Nachrichten”.

Sozialer Brennpunkt

Dass diese Häuser der Gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft Alsdorf ein sozialer Brennpunkt sind, ist kaum zu übersehen. „Hier ist jeder dem anderen nicht grün”, sagt ein Nachbar von Veronika L. Die hohen Fenster des Appartements 21G sind notdürftig mit Tüchern verhängt. Dahinter brennt Licht. Aus der Nebenwohnung sind laute Geräusche aus einem Fernseher zu vernehmen. So ein großes Polizeiaufgebot, das inzwischen schon wieder weg ist, hat kaum einer der Anwohner hier je gesehen.

Aber die Hüter der Ordnung müssen gelegentlich nach dem Rechten sehen. Kurz vor Weihnachten, zum Beispiel. Veronika L.’s Nachbar sieht, wie die Frau draußen von einem Mann gewürgt wird und geht dazwischen. Prügelgeräusche hat die Familie Klink durch die Wände des öfteren vernommen.

Neuer Freund

Zuletzt habe sie einen neuen Freund gehabt, hat ein anderer Nachbar festgestellt. Suizid-Absichten habe sie geäußert, meist im Suff. Weil man ihr die Kinder teilweise weggenommen habe, teilweise habe wegnehmen wollen. Veronika L. war mit ihren 36 Jahren Mutter von acht Kindern. Nach der Geburt sei sie direkt ins Heim gekommen, sagt ihre in Eschweiler lebende Pflegemutter, die Veronika kennen lernte und dann zu betreuen begann, als diese 15 war. Eins von mehreren Pflegekindern. „Sie war unser Sorgenkind, die anderen sind gut geraten.”

Der Vater von Jean-Pierre, Leonhard-Peter Körfer, wohnt in der gleichen Siedlung, einen Block weiter. Verheiratet war er mit der Hausfrau Veronika L. nicht. Seit einiger Zeit kämpfe er um das Sorgerecht für den Zweijährigen, sagt er und ärgert sich, dass er aus der 77-Quadratmeter-Wohnung - genauso groß wie die der Toten - nicht rauskommt. Der EBV würde ihm, dem arbeitslosen Ex-Bergmann, keine vermieten. Dabei sei man jetzt zu Fünft, er, Jean-Pierre, seine neue Partnerin und deren zwei Kinder.

Der neue Freund, vor dessen Zugriffen Nachbar Klink Veronika L. noch bewahrt hat, soll seit drei Tagen wieder ein- und ausgegangen sein. Er wird Mitte bis Ende 30 geschätzt. Ihn hatte Veronika L. in Süchteln kennen gelernt, wo sie - wie er - „auf Entzug” war.

Warte, dass etwas passiert

Einige der Nachbarn warteten am Mittwochnachmittag darauf, dass etwas passiert. Andere kommen nicht aus der Wohnung. Einer macht den Hausmeister darauf aufmerksam, dass seine Außenleuchte „nicht brennt”. Da muss Hausmeister Peter Rütten lächeln: „Nicht leuchtet”, verbessert er die Diktion des jungen Bewohners.

So richtig überrascht über das Geschehene scheint hier niemand zu sein.