Alsdorf: Theater-Dinner in der Stadthalle übertrifft alle Erwartungen

Alsdorf: Theater-Dinner in der Stadthalle übertrifft alle Erwartungen

Der nicht vorhandene Vorhang war schon seit über einer Stunde gefallen, die Utensilien längst im Transporter verstaut. Die Jazz-Combo „BlueNote5“ hatte sich links neben der kleinen Bühne eingerichtet und man bekam den Eindruck, dass sie noch ewig so weiterspielen könnten.

Die Gäste saßen an runden Tischen, tranken und unterhielten sich angeregt in gedämpfter Lautstärke. Ausgerechnet ein Herr, der laut eigener Aussage „mit Jazz überhaupt nichts anfangen konnte“, gehörte zu den letzten, die am späten Abend den Heimweg antraten.

Als sich Erdmann-Josef Löven (Kulturgemeinde Alsdorf) und René Blache vor einigen Wochen mit unserer Zeitung trafen, um ihr Konzept eines neuen, abendfüllenden Theater-Programms vorzustellen, war die Anspannung noch groß. Wie wird eine solche „Soirée“ in Alsdorf angenommen? Rechnet sich der Aufwand eines Theater-Dinners inklusive Catering? Was präsentiert man den Gästen zur Premiere?

Die Wahl des Stücks fiel auf einen etwa 45-minütigen Auszug von Machiavellis „Mandragola“ in der Version von Andrea Royé. Die Renaissance-Komödie wurde bewusst nicht auf der großen Bühne der Stadthalle inszeniert, sondern in den Tagungsräumen im Obergeschoss. Beleuchtete Deckenbespannung, indirektes Licht und eine geborgene Atmosphäre erzeugten ein familiäres Erlebnis. Blanché und Kollegen agierten fast in Griffweite, während die Gäste das umfangreiche italienische Dinner zu sich nahmen.

Für Blanché und seine Schüler Maximilian Fraer, Miriam Piel, Florian Schmitz, Julia Tabea Hollmeier, Mario Lützsch und Roman Visser ging an diesem Abend ein echter Marathon zu Ende. Bereits im Verlauf des Tages hatten sie ihr Stück drei mal im Schlosskeller Jülich bei einer Ehrenamtsveranstaltung aufgeführt. „Natürlich ist so etwas sehr anstrengend. Aber für unsere Premiere in Alsdorf haben wir nochmals sämtliche Kräfte mobilisiert. Wir haben uns unheimlich darauf gefreut“, erzählte uns Blanché.

Voll eingeschlagen

Nicht nur die zahlreichen Gäste, die zuletzt sprichwörtlich „hinausgefegt“ werden mussten, waren sich einig, dass die Premiere der „Soirée“ vollends eingeschlagen hatte. Die Krux lag laut Löven unter anderem in der abwechslungsreichen Programmgestaltung. Als die Schauspieler ihren verdienten Applaus entgegennahmen, traten die „BlueNote5“ an ihre Stelle und verteilten musikalische Leckereien. Frontmann Tim Schroif (Piano) ist Stammgästen des „Literaischen Frühstücks“ (ebenfalls von Löven und Blanché organisiert) natürlich ein Begriff.

Die Vorbereitungen auf den großen Abend verliefen verhältnismäßig ruhig, auch wenn zahlreiche Gäste erst kurzfristig eine Karte kauften — in der letzten Woche sprang die Zahl der Buchungen von 26 auf 47. „Wir mussten schlussendlich sogar noch ein paar Stühle hinzustellen, sogar am Tag der Aufführung erreichten uns noch einige Anrufe“, erzählte Löven.

Für die nächste Soirée, die für die dunkle Jahreszeit angesetzt werden soll, wünscht sich Löven einen frühzeitigeren Kartenkauf: „Wir können keine Abendkasse einrichten, da das Catering vorab bestellt werden muss.“ Sollte es jedoch allein bei solchen Problemen bleiben, können die Veranstalter damit leben, sagte Löven schmunzelnd und sichtlich erleichtert.

Für die zweite Soirée werden sich Löven und Blanché die nötige Zeit lassen, damit das Ensemble ein passendes, neues Stück vorbereiten kann. Auch bei der Schauspielschule ist nichts in Stein gemeißelt. Einige Akteure standen beim Theater-Dinner das letzte Mal für das Ensemble auf der Bühne, da sie ihren Abschluss zwischenzeitlich erreicht haben.

So wird die Soirée, das neue Highlight in der Alsdorfer Theaterlandschaft, fortwährend neue Gesichter präsentieren.

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