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Herzogenrath: Tank-Touristen lassen die Kassen klingeln

Herzogenrath : Tank-Touristen lassen die Kassen klingeln

Tankwart Lohmann-Vreuls „Service Station” ist bescheiden - klein kann man fast sagen. „Aber ich habe keinen Grund zum Klagen”, sagt der Niederländer.

Seine Tankstelle liegt an der Meuserstraat im niederländischen Haanrade. Seine Kundschaft: hauptsächlich Deutsche. Auffallend an seiner Tankstation ist nur, dass von seinen vier Säulen zwei Diesel-Kraftstoff „ausspucken”.

Und während in Deutschland Kunden und Tankstellen-Pächter beim Blick auf die Preissäulen gleichermaßen aufheulen, sieht Lohmann-Vreuls der Preisentwicklung mit gelassener niederländischer Ruhe zu. Kostet bei ihm der Liter Diesel 85 Cent, müssen die Autofahrer beim Kollegen aus Deutschland 92 Cent berappen.

Nur bei Super- und Normalbenzin sieht das anders aus. Da lohnt sich ein kurzer Stopp in Deutschland für den niederländischen Grenzlandbewohner, um über zehn Cent pro Liter zu sparen. „Aber vom Diesel kann ich ganz gut leben”, meint Lohmann-Vreuls. Muss er auch. Denn: Was bei seinen deutschen Kollegen den Hauptumsatz ausmacht, ist in den Niederlanden untersagt. Der Verkauf von alkoholischen Getränken, vom hochprozentigen Schnaps, den Alco-Pops bis zum Bier ist an niederländischen Tankstellen verboten.

Robert Esser, Pächter von gleich zwei Tankstellen - in Herzogenrath und Straß -, ist darüber nicht besonders traurig. In Straß sind 90 Prozent seiner Kunden Holländer, in Herzogenrath immerhin 60 Prozent. „Und die kommen nicht nur zum Tanken”, erzählt Esser. Zugegeben, seit Januar, der letzten Phase der Öko-Steuer-Reform, seien auch bei ihm die Umsätze im so genannten Convenience-Bereich rückläufig gewesen.

Schuld daran seien auch die hohen Spritpreise: „Kunden, die tanken, kaufen auch im Ladenbereich. Aber wenn der Sprit zu teuer ist, dann kommen die Leute nicht oder haben kein Geld mehr, um beim Tanken zusätzlich noch ein Eis oder ein Bier mitzunehmen.” Aber inzwischen ist er mit seinem Shop-Umsatz wieder zufrieden. „An Diesel verkaufe ich rund 1500 Liter täglich. Das ist nichts im Vergleich zu anderen Regionen. Aber dafür kommen halt die Holländer zum Benzintanken. Oder abends zum Kauf ihres Feierabendbieres”, erkennt Esser einen Vorteil in der Grenznähe.