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SV Hoengen und SV Hertha Mariadorf klagen gegen die Stadt Alsdorf

Sportvereine klagen : Ein Stammplatz für die Rechtsvertreter

Die juristischen Auseinandersetzungen zwischen dem SV Hoengen, SV Hertha Mariadorf und der Stadt gehen in eine weitere Runde, weil die Vereine sich ungerecht behandelt fühlen.

Es ist eine Geschichte ohne Ende und Klärung, die bereits einen respektablen Bart vorzuweisen hat. Es ist außerdem eine Geschichte, die einer Partei auf den Nägeln zu brennen scheint, über die eine andere aber nur noch die Augen rollt. Die Rede ist von der Auseinandersetzung zwischen den Sportvereinen SV Hoengen und SV Hertha Mariadorf auf der einen und der Stadt Alsdorf auf der anderen Seite – eine Auseinandersetzung, die seit Jahren vor allem juristisch erfolgt.

Die Sportvereine beklagen eine aus ihrer Sicht himmelschreiend ungerechte Behandlung durch die Stadt. Im Rathaus scheint man einfach nur noch genervt. Im Rahmen eines großen Artikels im Jahr 2016 – schon damals war ein Gang vor Gericht Anlass gewesen – hatte Bürgermeister Alfred Sonders gesagt, von den Protagonisten auf Vereinsseite werde „jedes Problem skandalisiert“. Das findet er nach wie vor. Außerdem hatte er Gesprächsbereitschaft signalisiert. Das wiederum hat sich geändert. Auf ein Entgegenkommen der Stadt brauchen die beiden Vereine nicht mehr zu hoffen: „Wir machen nur noch, wozu wir rechtlich verpflichtet sind.“

Wenig Begeisterung

Jörg Kollednigg, Vorsitzender des SV Hertha Mariadorf, vor dem Sportplatz Broicher Siedlung. Foto: Thomas Vogel

Bei der Ungerechtigkeit, die Karl-Heinz Dahmen, Vorsitzender des Hoengener Sportvereins, und Jörg Kollednigg, Vorsitzender von Hertha Mariadorf, beklagen, geht es um Geld und Kilometer, wenn man so will. Nachdem die Vereine sich in den vergangenen Jahren durch die Instanzen bis zum Oberverwaltungsgericht Münster klagten, um ihren Sportplatz an der Blumenrather Straße behalten zu können, außer Niederlagen aber nichts herumkam, mussten sie auf andere Plätze umziehen. Die Stadt wies zu: Die Hertha sitzt inzwischen an der Osterfeldstraße, wo auch der SV Broicher Siedlung spielt. Der SV Hoengen residiert „Am Klött“, wo außerdem der SV Blau-Weiß Alsdorf seinen Standort hat.

Die beiden Plätze lösen bei den Vereinsvorderen aber wenig Begeisterung hervor. Inzwischen haben beide Vereine eine Spielgemeinschaft gegründet, um genug Spieler zu haben und den Spielbetrieb aufrecht erhalten zu können – sie trainieren und spielen „Am Klött“. Das darf trotz abweichender Zuweisung auch die Hertha, solange die Spielgemeinschaft besteht. Nun würde sie aber gerne ganz dorthin ziehen, weil man ja, wie Kollednigg sagt, eigentlich gar nicht in der Broicher Siedlung spielen wolle. Das Vereinsheim, das die Stadt dem Verein für 60.000 Euro an den Platz dort gestellt hat, ebenso wie ein Container, in dem die Sportler ihre Sachen lagern können, könne die Stadt doch zum „Klött“ verlagern. „Wir sind die ganze Zeit ‚Am Klött‘“, sagt Kollednigg, „weil wir in der Broicher Siedlung nicht einmal einen Schlüssel zum Flutlichtraum haben.“ Die Replik aus dem Rathaus auf eine gleichlautende Forderung des Vereins: Die Hertha wird „Am Klött“ kein Vereinsheim bekommen, sie haben eines an der Broicher Siedlung. Den Spielbetrieb könnten sie jederzeit gerne wieder dorthin verlegen.

Aber auch mit dem Platz „Am Klött“ haben die Männer ein Problem. Mehrere, um ganz genau zu sein – und dabei soll an dieser Stelle noch nicht einmal die Rede von Dingen wie dem Weg vom Platz zu den Toiletten sein, der nach Dahmens Dafürhalten zu lang und zu unbeleuchtet ist. Es geht um den Zustand und einen Vergleich, der 2015 bereits zwischen dem SV Union Mariadorf-Hoengen – damals waren beide Vereine für eine zeitlang unter diesem Namen fusioniert – und der Stadt Alsdorf geschlossen worden war. Dahmen und Kollednigg sagen, die Stadt halte sich an einige der Vereinbarungen nicht, die darin festgehalten worden seien.

„Null Sportförderung“

Gemeint sind etwa Arbeiten rund um den Platz, die Vereine mit eigenem Platz in der Regel auch selbst übernehmen und dafür einen finanziellen Obolus von der Stadt erhalten. Weil die Hoengener aber keinen eigenen Platz mehr haben, brauchen sie diese Arbeiten nicht mehr zu machen und bekommen entsprechend auch die Sportförderung nicht. Nun werde sich um den Zustand des Platzes und der Umgebung aber nicht adäquat gekümmert, sagt Dahmen und verweist etwa auf eine Bandenwerbung, die verbogen absteht oder auf Disteln, die unter einer Bank am Spielfeldrand gedeihen. Außerdem bekomme „die Stadt die Problematik mit Jugendlichen nicht in den Griff, die ihren Unrat liegen lassen“. Ständig müsse man Müll und sogar Glasscherben entsorgen. Dahmen: „Die ganze Anlage befindet sich in einem desolaten, ungepflegten Zustand.“ Und mit diesen Arbeiten, die man eben doch leiste, sei es ein Unding, keine Sportförderung zu erhalten. „Wir reden von null Sportförderung. Null!“, sagt Dahmen entrüstet.

Sonders bleibt gelassen und erklärt auf Anfrage, die Arbeiten würden sehr wohl durchgeführt vom ansässigen Verein Blau-Weiß und von der Stadt. Natürlich stehe niemand 24 Stunden lang neben dem Platz. Selbst einmal eine Flasche aufzusammeln sei doch auch nicht zu viel verlangt. Das ist in dem Vergleich im Übrigen so auch festgehalten. Und was bauliche Mängel angeht: Ein Anruf im Sportamt genüge und man kümmere sich. Den Eindruck, den man bei der Stadt mit der Zeit gewonnen hatte, bei dem Anliegen gehe es vordergründig ums Geld und nicht um die Sicherung des Spielbetriebs und Trainings, sei der Gegenseite durchaus mitgeteilt worden.

Das Ende der Punkte, über die Dahmen und Kollednigg sich beschweren, in denen sie sich ungerecht behandelt fühlen und die sie gerne geändert sähen, ist damit lange nicht erreicht. Dass man es nun weiter habe zum Spielort, habe sich etwa in sinkenden Einnahmen bemerkbar gemacht. Senioren, die sich die Spiele an der Blumenrather Straße noch angesehen hätten, kämen nun nicht mehr, um Fußball zu schauen und auch mal ein Bier zu trinken. „An den Haaren herbeigezogener Unsinn“ sei das, sagt Sonders. Wenn über 200 Kinder und Jugendliche aus Kellersberg und vom Jugendsportverein Alsdorf zum neuen Sportplatz Energeticon fahren könnten, dann könnten das auch eine handvoll Erwachsene, die aus Hoengen zum Sportplatz „Am Klött“ oder in die Broicher Siedlung wollen.

Für Sonders jedenfalls ist die Zeit der Gespräche und direkten Verhandlungen vorbei. „Wir sind diesen beiden Vereinen bis an die Schmerzgrenze entgegengekommen, dass uns andere Vereine schon fragen: Wie weit wollt ihr mit denen noch gehen?“ Dahmen und Kollednigg betonen, dass ihnen eine außergerichtliche Einigung am liebsten wäre und sie Bürgermeister Alfred Sonders mit ihren Beschwerden „nicht ins Kreuz treten wollen“. Dennoch wollen sie nun erst einmal „überprüfen und feststellen lassen“, inwieweit die Stadt sich an einige der Vereinbarungen in dem gerichtlichen Vergleich nicht hält – und haben deshalb Klage eingereicht.