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Herzogenrath: Südsee-Flair im Garten der Burg

Herzogenrath : Südsee-Flair im Garten der Burg

Passt man einen Moment nicht auf, dann könnte man annehmen, man liegt an einem weißen Sandstrand irgendwo in der Südsee. Dieses Gefühl vermittelt die Gruppe „Ipukarea” von den Cook Islands.

Nur das Wetter, das wenig zur Südsee-Stimmung passte, holte die Zuschauer im Burggarten der Burg Rode am Samstagabend wieder zurück in die Realität. Die Musik- und Tanzgruppe aus dem südlichen Pazifik sorgte bei ihren Zuhörern mit Trommeln, Gesang, Tanz und ihrer traditionellen Kleidung für eine gehörige Portion Fernweh.

„Ipukarea”, das heißt übersetzt „Heimatland”. Für die Maori ist das Mehr als nur ein Wort, es ist für sie ein Gefühl. Davon will die Gruppe ihren Zuschauern möglichst viel vermitteln. „Wir sind stolz, unsere Kultur mit den Leuten zu teilen, die so etwas noch nie zuvor gesehen haben”, sagt Teata Ruapuna. Als sogenannte „Mama” unterstützt sie die Tänzerinnen und hilft ihnen mit ihren Kostümen.

Die Maori spielten Lieder aus der Zeit vor der Missionierung durch die Europäer - damals war Kannibalismus auf den Cook Islands noch an der Tagesordnung. Sie führten aber auch eine kurze Bibelszene auf. Oder präsentierten einen furchteinflößenden Kriegstanz. Dazu spielten sie auf Holztrommeln, Trommeln aus Haihaut und der Ukulele.

Die Instrumente sind alle handgemacht und haben für die Maori einen hohen Stellenwert. Früher dienten sie der Kommunikation zwischen den kleinen Inseln des Cook Archipels, seitdem werden sie von Generation zu Generation weitergegeben. Nicht nur die Instrumente, die für den typischen Rhythmus der Südsee sorgten, waren authentisch. Auch die Kleidung der Tänzer und Sänger entsprach der Maori-Tradition.

Die Mitglieder der Gruppe „Ipukarea” von der kleinen Insel Tongareva waren mit Palmblättern und Kokosnüssen bekleidet. Während die Trommler für den richtigen Südsee-Rhythmus sorgten, zeigten die Tänzerinnen ihren legendären Hüftschwung. „Unglaublich, wie die mit den Hüften wackeln. Die haben Muskeln, wo die europäischen Mädchen sicher keine haben”, so Andreas Bien.

Bien war der Initiator des Auftritts. Er hat eineinhalb Jahre auf den Cook Islands gelebt und dort seine Frau kennengelernt. Die Gruppe war nach Deutschland gekommen, um den Geburtstag von Andreas Bien zu feiern. Das war für den Merksteiner Anlass, ein Konzert auf Burg Rode zu organisieren: „Nur alleine für meinen Geburtstag wäre das ja zu schade gewesen. Es sollten auch alle anderen etwas davon haben, dass die Gruppe hier ist. Denn um so etwas zu sehen, muss man normalerweise einmal um die halbe Welt fliegen.”

Die Tradition weitergeben

Für die Gruppe „Ipukarea” ist die Tour nach Europa der „Höhepunkt ihrer Bandgeschichte”. Dafür haben sie eineinhalb Jahre geprobt und mit verschiedenen Auftritten Geld gesammelt. Jetzt freuen sie sich, ein - für ihre Verhältnisse - so ungewöhnliches Land wie Deutschland zu sehen. Teata Ruapuna: „Es ist hier sehr interessant. Alles ist anders als bei uns. Hier ist alles so grün. Deutschland ist ein sehr historischer Ort. Wir lernen hier sehr viel auf unserer Tour.”

In ihrer Heimat im südlichen Pazifik bestehe der Tag aus Sonnenschein, Fischen, draußen Sitzen, Gitarrespielen und Tanzen. Diese Tradition wollen die Maori an ihre folgenden Generationen weitergeben. Aber nicht nur die nächste Generation auf Tongareva soll diese Kultur kennenlernen: „Wir freuen uns, die Kultur auch hier präsentieren zu können.” Ungewöhnlich findet Teata Ruapuna das deutsche Wetter: „Der Sommer ist hier sehr kalt. Aber uns wird heiß, wenn wir auf der Bühne stehen.”

Bis kurz vor Mitternacht ließ „Ipukarea” die Zuschauer im Burggarten noch in Südseeträumen schwelgen. Bevor es am übernächsten Wochenende auf die Heimreise zu den Cook Islands geht, tritt das Ensemble am kommenden Wochenende noch einmal in Cornwall auf einem Südsee-Festival auf. Nach den ungewöhnlichen Erfahrungen in Europa können die Maori danach wieder dem Fischen, Singen und Tanzen in der Südseesonne nachgehen.