Herzogenrath: Suche nach echtem Sound: Musikhören ist Herbert Kevers Leidenschaft

Herzogenrath: Suche nach echtem Sound: Musikhören ist Herbert Kevers Leidenschaft

„In my secret life“ tönt es durch das Treppenhaus des Klösterchens. Leonard Cohen live in concert? Mitnichten. Herbert Kever hat im ersten Obergeschoss sein Refugium, ausgestattet mit einem Ohrensessel und vor allem feinem, teils selbst gebautem Hifi-Equipment, um auch die Granden unter den Singer/Songwritern im unverfälschten Sound wiedergeben zu können. Musikhören ist Kevers Leidenschaft.

Der 61-jährige Verwaltungsangestellte legt hohe Maßstäbe an und gibt sich mit nebenher dudelnder Berieselung keinesfalls zufrieden. Um ein Bewusstsein zu wecken für Möglichkeiten des Musikhörens im schnelllebigen 21. Jahrhundert lädt er jetzt zur Ausstellung: nicht nur, um seine Sammlung an Hifi-Geräten zu präsentieren ...

Warum haben Sie ein Zimmer im Klösterchen gemietet? Ist es Ihnen zu Hause zu unruhig?

Kever: Hier kann ich die Musik auch mal aufdrehen, dann, wenn sonst keiner mehr im Hause ist. In meinem Sessel zu sitzen, Musik zu hören, an nichts anderes denken zu müssen — das ist für mich Stressabbau pur.

Was hören Sie dann so?

Kever: Querbeet! Alles! Es gibt nichts, was ich nicht höre.

Und am liebsten?

Kever: New-Age, Rock, Pop und ein bisschen Klassik. Jazz eher nicht, auch nicht diese französischen Liedermacher.

Wie kommt man dazu, Hifi-Anlagen zu sammeln?

Kever: Die Leidenschaft hat in meiner Jugend begonnen, als ich mein erstes Schallplattengerät bekam.

So eines mit Lautsprecher im Deckel?

Kever: Ja, genau. Stones, die Beatles und die ganzen Flower-Power-Sachen habe ich damals gehört.

Da reichte Ihnen der einfache Plattenspieler bald nicht mehr aus?

Kever: Richtig. Der Sound musste besser werden. Also habe ich angefangen, selbst Musikboxen zu bauen. Den Sound eines Livekonzerts auf eine Hifi-Anlage zu bringen, das war mein Ziel.

Und was kommt dem Live-Sound am nächsten?

Kever: Röhrenverstärker — die bilden neben dem guten Sound auch ein lineares Bild von einem Orchesteraufbau ab. Das heißt, wenn eine Triangel bei der Aufnahme auf der linken Seite geschlagen wird, ist sie bei der Wiedergabe auch links zu hören.

Nun braucht es Know-how, um Hifi-Anlagen zu bauen…

Kever: Ich baue ja nicht die ganzen Anlagen, sondern nur die Lautsprecher. Dabei kommt mir meine Ausbildung zum Möbelschreiner zupass. Alles andere habe ich aus Fachbüchern und heute aus dem Internet. Das könnte eigentlich jeder. Und das muss nicht teuer sein.

Setzen Sie beim Sound auch auf das gute alte Vinyl?

Kever: Ja, aber nicht ausschließlich. Ich habe rund 1000 Vinylplatten und 2000 CDs.

Und wie viele Musikdateien?

Kever: Keine.

Warum nicht?

Kever: Weil die nicht klingen!

Das hängt doch vom Endgerät ab?

Kever: Nicht unbedingt. Musikdateien werden stark komprimiert, dabei gehen zwangsläufig Klanginformationen verloren. Ich lege aber Wert auf den Originalsound. Andere mögen das vielleicht anders sehen.

In früheren Jahrhunderten bedurfte es eines Orchesters, wenn man ein Konzert hören wollte. Heute kann man Mozart immer und überall hören. Das ist doch ein Vorteil?

Kever: Für mich nicht. Natürlich höre ich auch im Auto Musik. Doch noch lieber setzte ich mich hin und lausche ganz bewusst den Klängen nach. So wie andere ein Buch lesen oder Fernsehen gucken. Nur dass mir Musik viel mehr bringt, als ein Fernsehprogramm.

Aber dass Musik generell reproduzierbar ist, ist schon okay?

Kever: Ja, natürlich. Jeder soll seine Lieblingsmusik hören können, wann er möchte.

So ist es ja wohl auch eine soziale Errungenschaft, dass Musik „aus der Konserve“ kommen kann, ein Konzertgenuss nicht mehr wie in früheren Jahrhunderten einer reichen Oberschicht vorbehalten ist?

Kever: Auf alle Fälle. Sonst wäre ich nicht zu meinem Hobby gekommen. Als Jugendlicher hat man ja ein eher kleines Budget. Und da musste man schon lange sparen, ein sehr guter Verstärker kostete damals 1000 bis 1500 D-Mark, das war viel Geld. Aber die funktionieren heute noch.

Was ist das älteste Teil Ihrer Sammlung?

Kever: Ein etwa 35 Jahre alter McLaren-Verstärker mit Glasabdeckung. Da kann man auch sehen, wie exakt das Innenleben verarbeitet ist.

Sie können also mit den richtigen Tipps aufwarten?

Kever: Fragen sind bei meiner Ausstellung ausdrücklich erwünscht. Ein Tipp schon vorab: Man sollte beim Kauf eines Geräts grundsätzlich nach dem eigenen Gehör gehen und nicht nur auf technischen Angaben achten. Jeder Geschmack ist anders. Bei meiner Ausstellung kann ich gerne Unterschiede demonstrieren. Wer möchte, kann seine Lieblings-CD mitbringen und auf einem meiner Geräte abspielen: Ich bin sicher, er hört Dinge, die er bisher noch nicht kannte!

Das ist eine Herausforderung.

Kever: Der ich mich gerne stelle.

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