Baesweiler: Streusalz, Stiere, Schuhe: Jürgen Beckers läuft zur Hochform auf

Baesweiler: Streusalz, Stiere, Schuhe: Jürgen Beckers läuft zur Hochform auf

Tante Hilde „sein” Mann ist so einer. Ein Westfälinger. Allein die nur im Aachener Grenzland existente Wortschöpfung macht ihn schon zum Exoten. Wenn da nicht noch etwas wäre, was Onkel Erwin so einzigartig erscheinen lässt.

„Dat is enne andere Schlach, wie man hier bei uns sagt”, erklärt Jürgen B. Hausmann. „Die Omma lästerte immer, da fährt dat Hilde 400 Kilometer nach Minden, um so nen Tuppes kennenzulernen.” „De Familisch” ist die zentrale Umgebung, in der sich der Kabarettist gerne umsieht. Sie ist mitten ins „Frühjahrsspecial” gepflanzt, das Jürgen Beckers in Baesweiler ein ausverkauftes Haus brachte.

Alsdorf im Visier

Wenn der Hausmann Baesweiler besucht, kommt das Volk wie selbstverständlich vorbei. Er spricht ihm nuanciert aus der Seele. Und mit der veränderten räumlichen Anordnung der Bühne in der Alten Scheune des Kulturzentrums Burg Baesweiler kam das noch etwas intimer herüber.

Frühjahrsspecial: Das beinhaltet natürlich, den gerade abgerückten strengen Winter nochmals aufleben zu lassen. Beckers zeigt´s schon mittels seiner Mitbringsel - einen Schneeschieber und ein Salzpack hat er bei sich. Das gibt ihm die Möglichkeit, die obligatorische Breitseite an seine Heimatstadt Alsdorf zu verpulvern. In Erinnerung an Streusalzknappheit lästert er: „Alsdorf hatte bereits kein Salz mehr, da hatte es noch gar nicht gefroren.”

Der gebürtige Alsdorfer beschreibt die Nachbarn, die die Schneeschippe erst gar nicht in die Hand nehmen oder wettert gegen modernes Raubrittertum: „Nix gegen Maria Schell, aber die Ölkonzerne sind alle Verbrecher”, nimmt er sich die Energiepreise zur Brust.

Besucher im Griff

Ein Liedchen als Abgesang auf den Winter gefällig? Jürgen hats. Frei nach Lolita oder Freddy Quinn („Seemann, lass das Träumen”) intoniert er „Schneemann ich muss räumen” und hechtet weiter zum „Pisselskroam”: Der Kampf mit der verschweißten Umverpackung einer CD findet großen Gefallen beim Publikum. Auf einmal steht Beckers, begleitet von Musikus Harry Claßen, mitten in einer imaginären Küche. Er durchsucht sie und findet - die Eckbank. „Stauraum für Pröll”, stellt er fest und hat die über 200 Besucher fest im Griff. Die müssen nicht lange auf die nächste Pointe warten. „Die Durchreiche von der Küche zum Wohnzimmer fand ich immer toll. Da hat jeder sein eigenes Büdchen im Wohnzimmer.”

Ein Höhepunkt seines neuen „Specials” ist der Spaziergang am „verkaufsoffenen Sonntag”. Das Publikum fühlt es regelrecht nach, wenn Beckers sagt, „man geht ja mit dem Vorsatz da spazieren, hoffentlich treff ich keinen!”. Er hat Mitleid mit der Gemahlin, die klagt: „Mit die Schuh kann ich wohl nicht weit jehen.” Es geht weiter mit eigens aufgestellten Bauernregeln („Stehn überm Kuhstall dunkle Wolken, hat der Bauer wohl den Stier gemolken”) bis zur humoristischen Aufarbeitung des Themas Angela Merkel.

Nach dreimonatiger Pause in Baesweiler präsentierte sich Jürgen Beckers in Hochform. Das empfand auch Kulturamtsleiter Wolfgang Ohler so. „Wir sehen das natürlich gerne, wenn die Leute restlos begeistert nach Hause gehen. Das war einer seiner besten Auftritte im Rahmen der Kultur-nach-Acht-Reihe überhaupt.”