Alsdorf: Streit um Zirkus-Winterlager: Tross zieht auf benachbarte Wiese um

Alsdorf: Streit um Zirkus-Winterlager: Tross zieht auf benachbarte Wiese um

Da kamen die frostigen Temperaturen gerade recht: „Jetzt ist der Boden angefroren und einigermaßen hart, so dass wir mit unseren Wagen nicht sofort festfahren“, erklärt Seniorchef Ludwig Neigert. Anderthalb Tage haben die Leute vom Circus Amany geschuftet, um vom städtischen Areal an der Prämienstraße wieder abzuziehen.

Sie kamen damit einer einstweiligen Verfügung nach, die die Stadt Alsdorf gegen die Artistenfamilie erwirkt hat. Die hatte zwecks Winterquartier und Weihnachtszirkus einen Mietvertrag mit dem angrenzenden Unternehmen Plum abgeschlossen. Bei den Grundstücksgrenzen unweit des alten Bahnhofs gab es jedoch Unklarheit, so dass der Richter dem Zirkus letztlich mit Blick auf sein aufgeschlagenes Winterquartier „verbotene Eigenmacht“ attestierte und die Stadt daraufhin die Räumung ihres Grundstücks ankündigte. Es sei denn, die Zirkusleute ergriffen von selbst Initiative.

Bis dato scheiterte dies jedoch am zu weichen Untergrund auf dem Ersatzareal, das die Firma Plum Amany zur Verfügung gestellt hat, nur wenige Meter weiter an der Prämienstraße, neben einem leerstehenden alten Doppelhaus.

Am Freitag jedoch konnte Sohn Timo Neigert Wagen für Wagen mit der Zugmaschine in millimetergenauer Kleinarbeit hintereinander rückwärts auf die neu zugewiesene Wiese rollen, ohne dabei hoffnungslos einzusinken. Am Vortag bereits waren die rund 20 Tiere mitsamt ihrem Zelt dorthin umgezogen, die nun schon wieder auf weichem Stroh standen.

Für die beiden größten Wohnwagen indes gibt es keinen Platz auf der Wiese, sie müssen bei einem Bauern untergebracht werden. Strom und Wasser beziehen die Neigerts von Plum respektive durch ein angemietetes Standrohr von Enwor.

„So, jetzt noch ein paar Paletten vor die Wagen gelegt, und es wird schon gehen“, sagt Ludwig Neigert schließlich im Nachmittag, mit sorgenvollem Blick in den wolkenverhangenen Himmel, aus dem es schon wieder regnet. Wie zum Trost stellt er fest: „Jetzt gibt‘s Mittagessen: Spiegeleier mit Speck!“

Für dieses Jahr scheint das Kapitel Winterquartier abgeschlossen zu sein. Wohl auch zur Zufriedenheit der Stadtverwaltung. In der sich am Freitag allerdings niemand mehr fand, der dies offiziell bestätigen durfte. Doch die generelle Not, in den Kommunen geeignete Standorte für ihre Gastspiele zu finden, wird die Familie Neigert ins neue Jahr begleiten.

Und weil der Winterzirkus und die eingeplanten Einnahmen nun ausfallen, steht die Artistenfamilie für Gastauftritte aller Art, vor allem in Schulen und Kindergärten, zur Verfügung. Auch Spenden und Platzvorschläge sind willkommen, Kontakt: Telefon 0163/5913422.

Mehr von Aachener Zeitung