Nordkreis: Streik im Nordkreis: Wenige Busse, aber kaum Stress

Nordkreis : Streik im Nordkreis: Wenige Busse, aber kaum Stress

Sorgt der Warnstreik im öffentlichen Dienst im Nordkreis für Chaos? Offenbar nicht. Beispiel Alsdorf: Ruhig geht es am Mittwoch um 7.40 Uhr am Busbahnhof zu. Nur wenige Busse sind unterwegs. Der beizeiten angekündigte Streik zeigt zwar Wirkung, aber die Bevölkerung scheint gut vorbereitet zu sein.

Auf der Anzeigetafel am Annagelände informiert die Aseag die wenigen Reisenden darüber, dass der reguläre Linienverkehr nicht zu gewährleisten ist. Mehr sei auf aseag.de zu finden. Dennoch rollen auch Busse im typischen Rot dieses Verkehrsunternehmens. Ein freundlicher Busfahrer der Linie 28 klärt auf: Die Fahrzeuge werden von Subunternehmern „beschickt“.

Am Busbahnhof in Alsdorf verkehrten am Mittwoch nur wenige Busse — in der Regel von Subunternehmen der Aseag. Foto: Karl Stüber

Solche Fahrer sind von dem Streik ausgenommen. Auch Schulbusse halten wie gewohnt. Die Schüler laufen zum nahen Kultur- und Bildungszentrum, in dem Gymnasium und Realschule untergebracht sind. Dort herrscht reger Anlieferungsverkehr. Neben Schulbussen halten viele Privatwagen — auch auf der langen Busspur. Hektik kommt nicht auf. Sichtlich cool stoppt ein Oberstufenschüler das Cabrio seiner Mutter, die vom Beifahrersitz auf den Fahrersitz wechselt.

Sohnemann verabschiedet sich zum Unterricht. Zeit zu Stellungnahmen zum Streik haben die eiligen Eltern aber nicht. Die Arbeit wartet. Aber zwei Rentner unterhalten sich. Das sei ja blöd mit dem Streik, sagt der eine. Der andere wirft ein, dass sein Gesprächspartner froh sein soll, dass die Gewerkschaften Druck machen, um den Lohn für die Beschäftigten zu steigern.

Nach der Entwicklung des Lohnniveaus richte sich die Höhe der Rente. Der Senior hat den Durchblick — die beiden wollen ihre Namen leider nicht nennen. Schade. Das ist bei Verkehrshelferin Claudia Scheeren anders. Die „Schülerlotsin“ sorgt dafür, dass Kinder und begleitende Eltern auf dem Weg zur Grundschule Annapark unbeschadet die Straße queren können. Nein, mehr Verkehr als sonst habe sie nicht feststellen können. Logisch: Grundschulen sind nach dem Prinzip „Kurze Beine, kurz Wege“ übers Stadtgebiet verteilt. Da kommen die meisten zur Fuß.

Vereinzelt Gruppen offen

Städtische Kindertageseinrichtungen mussten entscheiden, ob sie komplett schließen oder vereinzelt Gruppen offen halten konnten. Zum Beispiel im Familienzentrum Heidegarten in Würselen. Hier kann nur ein Teil der Kinder versorgt werden. „Normalerweise kommen täglich um die 100 Kinder zu uns, heute sind es nur 20“, erklärt die stellvertretende Leiterin Heidi Moers. Sie hat mit ihrem Team beschlossen, zwei Gruppen offen zu lassen: Eine kleinere mit sechs Unter-Drei-Jährigen und eine für die übrigen Kinder.

Die Kleinsten müssten sich so nicht an eine andere Betreuungsperson und neue Spielgefährten gewöhnen, sondern würden nur mit den anderen zu Mittag essen. „Bei den Älteren ist das aber überhaupt kein Problem“, sagt Moers, „es kennen sich alle. Wir sind wie eine große Familie.“ Vom pädagogischen Personal — ein 19-köpfiges Team — haben sieben ihre Arbeit niedergelegt, zwei Kolleginnen sind erkrankt und zwei im Urlaub. Die Eltern hätten den Streik mit Verständnis aufgenommen: „Solange es sich nur um einen Tag handelt, ist das kein Problem“, stellt Moers fest. „Bisher bekommen wir die Ausfälle gut aufgefangen.“

In der Stadtverwaltung Würselen ist die Lage zur Mittagszeit entspannt.„Der Streik ist relativ geräuschlos an uns vorüber gegangen“, berichtet Stadtsprecher Bernd Schaffrath. Von den rund 400 Beschäftigten hätten ungefähr zwei Dutzend Mitarbeiter den Dienst nicht angetreten. Melde- und Ordnungsamt hätten nur vereinzelt Ausfälle.

Auch in Baesweiler bleibt es ruhig. „Die Verwaltung ist voll besetzt“, sagt Bürgermeister-Referentin Birgit Kremer-Hodok. Ähnlich sieht es in Alsdorf aus: Hier muss die Stadt nur auf fünf Bedienstete aus dem Eigenbetrieb Technische Dienste verzichten, so Pressesprecherin Marion Wingen. Die Kernverwaltung der Stadt Herzogenrath bleibt ebenfalls größtenteils verschont, sagt Bürgermeister Christoph von den Driesch.

Das Straßenverkehrsamt der Städteregion meldet indes deutliche Engpässe bei der Zulassung. Pressesprecher Holger Berend sagt, dass ab 15.30 Uhr keine neuen Wartemarken mehr vergeben wurden, da die Wartezeit bereits über drei Stunden betrug.

Paul Heesel, Sprecher der Aseag, bestätigt, dass alle eigenen Busse im Depot geblieben sind. Die privaten Auftragsunternehmen hätten ihre Fahrten meist pünktlich antreten können. Verdi-Gewerkschaftssekretär Martin Krupp zeigt sich „sehr zufrieden“. Aus dem Nordkreis seien rund 150 Streikende zur Demo nach Aachen gekommen.