Herzogenrath: Stolz sein auf das bisher schon Aufgebaute

Herzogenrath: Stolz sein auf das bisher schon Aufgebaute

Zum Feiern gab es einen guten Grund: 20 Jahre Förderverein Arbeit, Umwelt und Kultur in der Region Aachen. Aber der Geburtstag war von Hiobsbotschaften überschattet.

Die Finanzierung für das Projekt, in dem 54 Arbeitslosengeld-II-Empfänger und 20 weitere Arbeitnehmer beschäftigt werden, wackelt. Wilfried Hammers, Vorsitzender des Fördervereins, ist enttäuscht.

Finanzielle Mittel kommen aus dem Solidaritätsfonds des Bistums Aachen, über die Schreinermeisterstelle der AWA und die Arge, die personalbezogene Mittel bereitstellt und einen Teil der Mieten trägt „Doch was nützt es, wenn wir die Menschen halten können, aber kein Geld mehr für die Miete aufbringen können”, fragt Hammers.

Bisher musste der Verein, der vor 20 Jahren nur aus Ehrenamtlichen bestand, noch keine Kündigung aussprechen. „Wir warten ab, ob sich über und mit der Politik noch eine Lösung findet, um einen Crash zu vermeiden”, erklärt Vorstandsmitglied Hans-Michael Peinkofer. Dennoch sei die Situation für die Angestellten kaum tragbar.

Die Verträge wurden in den vergangenen Wochen jeweils nur für den Folgemonat verlängert. Das ist zum einen eine große Ungewissheit, zum anderen - und das sei noch schlimmer - müssten sich Arbeitslosengeld-II-Bezieher sechs Wochen vor Ende der Tätigkeit bei der Arge melden. „Das ist auf diese Weise ja gar nicht mehr möglich”, ärgert sich Hammers. Als er die Initiative ins Leben rief, hoffte er, dass sich die Arbeitsmarktsituation bessern und der Verein bald überflüssig würde. „Leider hat das nicht geklappt”, sagt er.

Im Gegenteil: Die Institution werde heute mehr denn je gebraucht. Deswegen das Geburtstags-Motto „Immer noch gebraucht”. Das weiß auch Bürgermeister Christoph von den Driesch: „Ohne das ehrenamtliche und soziale Engagement des Vereins würde es den Betroffenen in unserer Stadt noch schlechter gehen.”

Ganz klar müssten mehr Arbeitsplätze, auch für Ältere, geschaffen werden. Doch immerhin sei die Recyclingbörse ein wichtiger Meilenstein, der Menschen aus der Isolation und der Arbeitslosigkeit hole. Eine hohe Auszeichnung für die ehrenamtliche Arbeit erhielt der Förderverein von Weihbischof Dr. Johannes Bündgens. Mit Renate Müller vom Diözesanrat verlieh er die Urkunde „Lebendige Schätze im Bistum”. Bündgens lobte die Solidarität, das persönliche Engagement und den Wert der Gemeinschaft. Vor allem in einer strukturschwachen Region wie dem Bistum Aachen mit mehr Arbeitslosen als im Landesdurchschnitt sei derartige Wertschätzung wichtig.

Sammelvolumen in Tivoliformat

Stolz sein auf das, was die Vereinsmitglieder aufgebaut haben, können sie: Vor einem Jahr war das Gebrauchtwarenkaufhaus an der Kirchrather Straße zu Recycling- und Bauteilebörse an Schmied- und Jüderstraße hinzugekommen. „Wir haben so viele Güter gesammelt, dass wir den neuen Tivoli zuschütten und oben einen Deckel drauf packen könnten”, verdeutlicht Hammers.