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Würselen: „Stolpersteine” erinnern an Juden

Würselen : „Stolpersteine” erinnern an Juden

Mit zwei, drei Schlägen ist es nicht getan. Gunter Demnig muss sich redlich mühen und kräftig klopfen, um mit Hammer und Meißel die ineinander verzahnten Pflastersteine zu lockern. „Ich hasse dieses Knochenpflaster”, lässt der 50-Jährige die Umstehenden wissen, „damit dauert es immer lange.”

Doch seine Zuschauer sind geduldig. Sie haben schließlich einige Monate auf diesen Moment gewartet. Auf die „Stolpersteine” des Kölner Künstlers, die an jüdische Würselener Bürger erinnern sollen, die dem Nazi-Regime zum Opfer gefallen sind.

Es werden nicht viele Worte gesprochen während der gut 15 Minuten, die Gunter Demnig am Samstag auf dem Bürgersteig vor dem Haus Elchenrather Straße 43 kniend arbeitet. Konzentrierte Stille herrscht dort, wo bis 1941 Otto Hirsch wohnte, der in Auschwitz den Tod fand. Seine Frau Else Hirsch sprang auf dem Weg in das Konzentrationslager mit ihren beiden Töchtern in den Rhein.

Dass die drei ertrunken sind, hat der Künstler in die Messingoberfläche ihrer Gedenksteine eingraviert. Zwei Pflastersteine hebt er aus dem Gehweg und füllt die Lücke mit seinen küstlerischen Arbeiten. Es sind die ersten in Würselen. Zwei weitere lässt er in den Gehweg vor dem Haus Wilhemstraße 5 ein, von wo Emma und Jakob Voss 1942 zum Sterben abgeholt wurden.

Es sollen nicht die letzten „Stolpersteine” sein. Der im Januar 2006 gegründete „Arbeitskreis gegen das Vergessen” hat sich zum Ziel gesetzt, an die Schicksale der Würselener Juden zu erinnern. Die Namen von 41 Bürgern haben die Mitglieder im Kulturarchiv der Stadt, auf Geburts- oder Sterbeurkunden entdeckt. Einige hatten sich dem NS-Regime durch Flucht entziehen können, 22 starben unter dem Hakenkreuz.