Würselen: Stolperstein erinnert an tragische Geschichte

Würselen: Stolperstein erinnert an tragische Geschichte

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist”, sagt der Kölner Künstler Gunther Demnig. Er hat eine ganz eigene Art gefunden, gegen das Vergessen derer anzugehen, die Opfer des Nationalsozialismus geworden sind. Er lässt vor dem letzten bekannten Wohnort einen Pflasterstein mit einer Gedenkplatte aus Messing in den Bürgersteig ein.

Darauf sind Name, Geburtsjahr, Schicksal und - wenn bekannt - Sterbeort und Sterbejahr dieses Menschen vermerkt. In Würselen erinnern bereits 27 Stolpersteine an die Opfer. Damit hatte der Arbeitskreis „Kein Vergessen” allen ihnen bekannten Würselenern, die im Dritten Reich verfolgt wurden, ein Denkmal gesetzt.

Nun ist noch ein 28. Stein dazugekommen, vor dem Haus Grindelstraße 23 in Bardenberg. Dort lebte bis 1941 Leonhard Kessels und bis vor einigen Jahren auch seine Nichte Gerda Greven. Sie initiierte und stiftete den Stolperstein für ihren Onkel. Neben ihr waren von der Familie noch zwei Neffen von Leonhard Kessels, Wilhelm und Karl Müller, bei der Verlegung anwesend.

Karl Müller war damals neun Jahre alt und erinnert sich noch gut an den Onkel: Es sei gut, dass seiner Geschichte nun gedacht werde. Außerdem waren, trotz beißender Winterkälte, mehrere Mitglieder des Arbeitskreises, Bürgermeister Arno Nelles und einige Anwohner gekommen. Routiniert und sehr respektvoll setzte Gunther Demnig den Stein ins Pflaster ein.

Die Geschichte von Leonhard Kessels ist eine besonders tragische, die zeigt, welches Unrechtssystem damals in Deutschland herrschte. Der 30 Jahre junge Bardenberger war kein Jude, sondern nur jemand, der eine falsche Bemerkung zur falschen Zeit am falschen Ort machte. Er hatte lediglich 1941 einen Freund in Uniform in etwas saloppem Ton angesprochen „Hast du nun auch dat Jöppche an?”

Dafür wurde er verhaftet und ins KZ Sachsenhausen deportiert, „wo der bis dahin gesunde junge Mann angeblich im November 1941 an Herzschwäche starb”, erklärte Jürgen Hohlfeld vom Arbeitskreis. Der Brief, mit dem man das seiner Familie mitgeteilt habe, erschüttere zutiefst.

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