1. Lokales
  2. Nordkreis

Nordkreis: Start in den Sommer fällt recht grau aus

Nordkreis : Start in den Sommer fällt recht grau aus

Haben Sie ihn bemerkt, den gestrigen Sommeranfang? Falls nicht, trösten Sie sich: Er hatte sich ganz geschickt getarnt.

Hinter dicken Wolken blieb die Sonne versteckt, bloß zur Mittagszeit ließ sie sich für ein paar Minütchen blicken. Vielleicht waren die spärlichen Strahlen ja ein kleiner Wink. Vielleicht kommt ja doch noch mehr.

Das zumindest hoffen viele, die von sommerlichen Temperaturen profitieren und deren Kassen beim vorjährigen Rekordsommer besonders laut klingelten. „Wir hatten bislang leider nur ein paar gute Tage.” Susanne Calvi, Juniorchefin der gleichnamigen Herzogenrather Eisdiele, ist nicht besonders angetan vom derzeitigen Klima. „Sonst haben wir um diese Jahreszeit längst alle Hände voll zu tun.” Eis ist derzeit zwar nicht der Renner, dafür läuft heißer Kaffee besser als gewohnt.

„7/8-Hosen und Flip-Flops haben sich im vergangenen Jahr rasant verkauft.” In diesem liegt die an sich recht leichte Sommergarderobe bleischwer in den Regalen des Alsdorfer Sportartikelhändlers Karl-Bernd Stollwerk. Häufig tritt er in diesen Tagen aus dem Laden und blickt gen Himmel: Wann endlich kommt der Wetterumschwung?

Wohl nicht so bald, leider. „Bis zum Wochenende bleibt es auf jeden Fall unbeständig.” Jürgen Laufer weiß, wovon er spricht. Seit 25 Jahren arbeitet er für die Aachener Station des Deutschen Wetterdienstes. Und hat schon weit feuchtere Sommerauftakte erlebt als dieses nasse Zwischenspiel. „Wir sind einfach noch zu verwöhnt vom tollen Wetter im vergangenen Jahr.”

Noch ganz prächtig

Auch wenn sich Grillkohle derzeit nicht wie geschnitten Brot verkauft - den Sommer will Laufer keineswegs abschreiben: „Der kann sich noch ganz prächtig entwickeln. Und dann sind die paar Wolken zu Beginn ganz schnell wieder vergessen.”

Dann heißt es auch endlich wieder: auf ins Freibad! Die Liegewiesen am Merksteiner Pool waren am Montagmittag komplett verwaist, nicht ein Mutiger wagte den Sprung ins Wasser. Doch draußen auf einem nassen Badehandtuch zu liegen - das ist nun mal keine schöne Vorstellung.

Um fünf Uhr sind die Blätter sowieso feucht

„Wir sind größtenteils noch gut dabei”, sagt der Baesweiler Landwirt Gerd Koch. Damit meint der 33-Jährige die Entwicklung der Getreidefelder. Der Weizen blüht so, wie sonst auch, die Zuckerrüben gedeihen ebenfalls. Doch die Kartoffeln sind nicht hart im Nehmen, wenn es um Feuchtigkeit geht. „Der Fäulnisdruck wächst täglich”, sorgt sich der Landwirt. Er könnte spritzen. Ein Mittel gegen die derzeit rasch keimenden Pilze auf die Pflanzen bringen. Bloß: „Das wäscht der Regen ja gleich wieder ab!” Ihn persönlich ficht die Nässe nicht an, seine Arbeit macht sie nicht schwerer. Wenn er mit seinen Helfern Erdbeeren pflücken geht, ist es gerade mal fünf Uhr Morgens. Da liegt ohnehin noch reichlich Tau auf den Blättern, deshalb gehören Gummistiefel und Regencape wie sonst auch zur Grundausstattung.

Den Erdbeeren indes bekommt das Klima nicht. Kälte und Regen - das ist schlecht. Die Früchte wachsen deutlich langsamer, werden dabei zwar saftig, aber nicht ganz so süß und dunkelrot. Damit sie nicht faulen, wird derzeit alle drei Tage gepflückt, normalerweise wäre das um diese Jahreszeit nur alle vier Tage nötig. Die Kundschaft im hofeigenen Laden stört das hellere Aussehen der Erdbeeren indes nicht. Koch: „Die sehen ja auch, dass es regnet.”

Rita Bäringhausen war am Montag im Garten-Center und hat frisches Grün für ihren Garten gekauft. Die Alsdorferin ist zuversichtlich: „Klar wird das Wetter schöner. Ich habe meiner Tochter kürzlich einen neuen Liegestuhl geschenkt, der muss sich ja schließlich bezahlt machen!”

Besitzer von Solarien

Es gibt auch Leute, die sich über ein wenig Regen hier und da sogar richtig freuen können. Regenschirmverkäufer natürlich. Aber auch Besitzer von Solarien. Das „Summer Sun”-Studio in Merkstein betreibt Walter Hermanns. Dort sind die in der Natur fehlenden UV-Strahlen gegen Geld zu haben. „Die Bude wird uns zwar noch nicht eingerannt”, sagt Hermanns, „aber bei schlechter Witterung treibt es die Leute eher in die Sonnenstudios.” Und dann klappt es trotz dunkler Wolkenfront auch mit der Bräune.