Städteregion prüft, ob beim Neubau auf Naturschutz geachtet wird

Bauvorhaben : Ist das geplante Seniorenheim mit Käfern vereinbar?

Wie geht es mit dem auf einem Gelände im Bereich Stegerhüttestraße/Schugangsgasse geplanten Seniorenheim weiter?

Kann die Stadt Baesweiler das Areal bebauen lassen, um Geld der Stadtkasse zuzuführen und den Bedarf an Plätzen gemäß „Kommunaler Pflegeplanung nach dem Alten- und Pflegegesetz“ in Baesweiler zu decken, obwohl dort nachweislich schützenswerte Tiere wie der Hirschkäfer eine im Altkreis einzigartige Population haben?

Klare Einschätzung der Technischen Dezernentin Iris Tomczak-Pestel bei allen Vorbehalten angesichts einer erst noch frühen Phase im Aufstellungsverfahren des entsprechenden Bebauungsplans: Mit Blick auf den Naturschutz sei das Projekt nicht gefährdet, weil die Stadt Baesweiler in Absprache mit der Unteren Landschaftsbehörde der Städteregion Aachen alles tun werde, um den Lebensraum des Hirschkäfers zu schützen und „Lebensraumverbesserungsmaßnahmen“ vorzunehmen. Dies sei auch Ergebnis mehrerer gemeinsamer Ortstermine.

Anwohner kritisieren Vorgehen

Was bisher geschah: Im Oktober rückten Mitarbeiter des städtischen Bauhofs an, um mit schwerem Gerät (Schaufellader, Bagger, Traktor mit Anhänger sowie Schneidewerkzeug) am Rande einer Wiese im Bereich Stegerhüttestraße/Schugangsgasse zu roden. Unterholz wurde beseitigt und vor allem eine große Hainbuche massiv zurückgeschnitten, was Anwohner dokumentierten, die auch unsere Zeitung informierten. Klar war, dass die Stadt gerne ihre Fläche dort von einem Investor aus Köln mit einem Seniorenpflegeheim mit 86 Plätzen, 16 altengerechten Wohnungen und 29 Parkplätzen bebauen lassen will. Das Projekt wurde im Rathaus vorgestellt. Ein massiver Gebäudekomplex würde mitten im Grüngürtel am Rande des Friedhofes entstehen.

Dagegen wenden sich Anwohner, die argwöhnen, dass die Stadt Baesweiler, obwohl noch kein gültiger Bebauungsplan und erst recht keine Baugenehmigung vorliegen, mit der Rodungsaktion vollendete Tatsachen schaffen wollten, obwohl oder weil dort schützenswerte Tiere wie Hirschkäfer, Spechte und Fledermäuse ihre Lebensräume haben. Die Stadt wies diesen Vorwurf entschieden zurück. Allerdings handelte sie sich mit ihrer Aktion einen kräftigen Rüffel der Unteren Landschaftsbehörde der Städteregion ein, die vor allem den Rückschnitt der Hainbuche als „nicht zulässig“ bezeichnete. Dies sei nicht mit der Behörde abgestimmt gewesen.

Aufsichtsbehörde prüft

Zwischenzeitlich fand unter anderem ein Ortstermin statt, an dem Vertreter der Unteren Landschaftsbehörde der Städteregion, Tomczak-Pestel, sowie Christan Molls, Biologiestudent an der RWTH Aache und ausgewiesener Kenner der dortigen Hirschkäferpopulation und anderer zu schützender Tiere, teilnahmen.

Könnte der Stadt Baesweiler drohen, dass die Städteregion das von der voreiligen Rodung betroffene Gebiet umfassend unter Schutz stellt? Es geht mittlerweile nicht mehr nur um Hirschkäfer, Grünspechte und verschiedene Fledermausarten. Mittlerweile liegen der Städteregion Erkenntnisse vor, dass dort auch weitere seltene Käferarten leben, die auf Altholz angewiesen sind. Dazu gehören der Balkenschröter, diverse Sorten des Bockkäfers und der Rosenkäfer. Derzeit wird dies alles intensiv geprüft. Es zeichnet sich dabei offenbar ein Kompromiss ab, bei dem Belange des Naturschutzes gewahrt würden, aber dennoch das Seniorenheim in diesem Bereich gebaut werden könnte.

Holger Benend von der Pressestelle der Städteregion Aachen bestätigte auf Anfrage, dass es diesen Termin gegeben habe. Und weiter: „Dabei wurden detaillierte Erkenntnisse über die Hirschkäfer-Population ausgetauscht. Als Ergebnis ist festzuhalten, dass dort nach wie vor Heckenstreifen und Bäume als ’geschützte Landschaftsbestandteile’ unter besonderem Schutz stehen, die für die Hirschkäfer wichtig sind.“ Die Stadt Baesweiler habe dabei zugesichert, dass der geschützte Baumbestand erhalten bleibt. Pressesprecher Benend fährt fort: „Im Rahmen des weiteren Verfahrens ist unser Ziel, Maßnahmen festzulegen, damit die dortige Hirschkäferpopulation nicht beeinträchtigt, sondern dauerhaft erhalten wird. Zu diesem Ziel hat sich auch die Stadt Baesweiler bekannt.“

Dezernentin Tomczak-Pestel bekräftigte gegenüber unserer Zeitung, dass das gesamte Areal im Fokus stehe. Dabei ginge es nicht nur darum, den Bestand der Hirschkäfer an der bekannten Stelle rings um die Hainbuche zu sichern, sondern an weiteren Stellen Totholz zu platzieren, das für den Bestand solcher Käfer wichtig ist. „Wir wollen in Abstimmung mit der Städteregion Lebensraumverbesserungsmaßnahmen für den Hirschkäfer ergreifen.“

Im Rahmen des weiteren Verfahrens zum Aufstellen des Bebauungsplans würden nun die Belange verschiendester Behörden und Einrichtungen berücksichtigt. Zudem würde auch in zwei Durchgängen die Öffentlichkeit, also die Bürgerschaft mit ihren Bedenken und Anregungen gehört und in die Überlegungen einbezogen, betonte Tomczak-Pestel. Hinzu kämen noch Gutachten.

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