Nordkreis: Städte sehen Biotonnen-Pflicht gelassen

Nordkreis: Städte sehen Biotonnen-Pflicht gelassen

Gelassen sieht man bei der Regioentsorgung die Biotonnen-Pflicht, die ab 2015 auch alle Kommunen im Nordkreis betrifft. „Es ist ein Stück gelebte Tradition“, sagt Stephanie Pfeiffer von der Regioentsorgung dazu, schließlich sind seit 2008 auch Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath und Würselen bei der regionalen Biotonnenentsorgung dabei.

Unterschiede wird es aber nach wie vor bei der Umrechnung der Entsorgungskosten und der einzelnen Bereitstellung in den Städten geben, denn dafür sind immer noch die Kommunen selbst zuständig.

Bei der Stadt Alsdorf macht die aufkommende Pflicht für das nächste Jahr noch keine Pferde scheu. „Wir können jetzt noch nicht kalkulieren, weil die Abfallgebühren erst mit den Vorbereitungen für die Haushaltsaufstellung im Herbst ansteht“, sagt Stephan Maaßen von der Stadt Alsdorf.

Verschiedene Faktoren

Die finanziellen Planungen hängen von vielen verschiedenen Faktoren ab: Personalaufwand, erzielbare Preise für verwertbare Abfälle — beispielsweise Altpapier — oder auch Zahl der Einwohner. Für die Stadt Würselen, die seit 1997 Erfahrungen mit der Biotonne sammeln konnte, gilt wie andernorts auch, dass man sich der verpflichtenden Biotonne nur entziehen kann, wenn eine Eigenkompostierung beantragt wird.

Diese Kompostierung, so teilt Bernd Schaffrath, Sprecher der Stadt Würselen, mit, kann dann erfolgen, wenn man fachlich und technisch in der Lage ist, alle auf dem Grundstück anfallenden, kompostierbaren Stoffe ordnungsgemäß und schadlos so zu behandeln, dass eine Beeinträchtigung des Wohls der Allgemeinheit nicht entsteht.

„Die Möglichkeit der Eigenkompostierung wird wohl auch nicht durch die Pflichttonne beeinträchtigt“, betont Schaffrath. Geänderte Gebührensatzungen oder eine Aufklärungskampagne zur Biotonne sieht er als nicht nötig an, „denn die Gebührenkalkulation gibt es seit Einführung der Biotonne“.

Anforderungen erfüllt

In Baesweiler geht die Stadt davon aus, dass mit den vorhandenen 120-Liter-Biotonnen, der Möglichkeit der Eigenkompostierung und den beiden am Recyclinghof der Regioentsorgung in der Stadt Baesweiler aufgestellten 770-Liter-Abfallbehältern die Anforderungen erfüllt sind. Und wie sieht es beim Deckungsgrad der doch eher ländlich geprägten Stadt aus?

„Der liegt bei uns bei circa 37 Prozent“, sagt Andreas Hartrampf von der Verwaltung. Er geht davon aus, dass auch nach der Einführung der Biotonnenpflicht die vorhandenen, etablierten Entsorgungsmöglichkeiten ausreichen. „Über die Biotonne und die vier Mal im Jahr angebotenen Straßensammlung von Grünschnitt sowie die Abgabemöglichkeiten von Grünschnitt und Bioabfall am Recyclinghof der Regioentsorgung wird bereits ein hoher Grad der Getrennterfassung von Bioabfall und Grünschnitt in Baesweiler erreicht“, schließt er.

Auch in Herzogenrath gibt es die Biotonne schon seit geraumer Zeit. Für die Biotonne kann die Stadtverwaltung mit dem Technischen Beigeordneten Ragnar Migenda keine genauen Quoten nennen. Sicher ist er aber, dass sich finanziell nichts ändern wird, denn „es wird schon eine Gebühr von jährlich 30 Euro für die 120-Liter-Biotonne erhoben”, sagt Migenda.

Zwar sei dies nicht kostendeckend, könne aber über die anfallenden Abgaben für die graue Restmülltonne quersubventioniert werden. Seitens der Stadt sieht Migenda keine Handlungsbedarf hinsichtlich der Biotonnen-Einführung.

Fehlbefüllung

Ein anderes Problem macht da dem Entsorger derzeit viel mehr zu schaffen: Fehlwürfe oder bewusste Fehlbefüllungen der Biotonnen. „Die Qualität des Materials, das auch zur Stromgewinnung über mit Bioabfällen erzeugtes Methan dient, hat nachgelassen“, unterstreicht Stephanie Pfeiffer.

Ein Grund dafür sind die vielfach eingesetzten Plastiktüten, die im Biomüll nichts zu suchen haben. „Das ist für uns ein massives Problem“, erklärt Pfeiffer weiter, „denn manchmal kommt es vor, dass ganze Lkw-Ladungen beispielsweise durch das Einbringen von Restmüll unbrauchbar werden.“

Dieser verunreinigte Bioabfall muss dann kostenintensiv verbrannt werden, was sich natürlich auch nachteilig auf die Gebührenkalkulation auswirkt. Im Idealfall kommt aber, da blickt Stephanie Pfeiffer optimistisch in die Zukunft, mehr Biomüll bei der Regioentsorgung an, wird in die Vergärungsanlage gebracht und erzeugt so aus Abfällen gewonnenes Methan, das problemlos verstromt werden kann.

(mabie)
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