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Alsdorf: „Stadtrat behindert die nötigen Visionen”

Alsdorf : „Stadtrat behindert die nötigen Visionen”

Bei seinem nüchterne Fakten auflistenden und um optimistische Aufbruchsstimmung bemühten Vortrag vor der Kolpingsfamilie Alsdorf ließ der scheidende Bürgermeister Wolfgang Schwake auch mit persönlichen Bemerkungen aufhorchen.

So antwortete er auf die Frage, welche wichtigen Dinge er als Erinnerung aus Alsdorf in seine (alt-)neue westfälische Heimat mitnehme: „Erstens: Ich habe Erfahrungen gesammelt, die ich sonst nicht gemacht hätte in meinem Leben. Zweitens: Die Alsdorfer wissen auch in schlechten Zeiten zu feiern.”

Eine besondere Art zu feiern lernte Schwake übrigens in seiner Alsdorfer Zeit auch dank der KG Prinzengarde der Kolpingsfamilie kennen: den rheinischen Karneval. Der Ordensträger der Prinzengarde fühlte sich regelrecht in den „karnevalistischen Bann” gezogen. „Und das will etwas heißen bei einem Ostwestfalen”, stellte Schwake der ansteckenden Fröhlichkeit der Alsdorfer wie der eigenen närrischen Lernfähigkeit ein gutes Zeugnis aus.

Die Alsdorfer („als Menschen”) lobte der Bürgermeister über den grünen Klee: „Sie leben vor allem in den Vereinen Werte wie Vertrauen, aber auch Geselligkeit. Die Menschen sind das höchste Gut dieser Stadt.”

Bei so viel Harmonie, schon angelegt im Vortragstitel „Kein Blick zurück im Zorn”, versuchte Schwake harsche Kritik an möglichen „Problemgruppen” seiner Alsdorfer Vergangenheit bei sich selbst erst gar nicht aufkommen zu lassen: „Ich habe mich immer um ein gutes Verhältnis zu den Mitarbeitern bemüht, die auch Menschen sind.”

Und, damit kein falsches Bild über sein Politikverständnis in einer Kommune entstehe, fügte Schwake energisch hinzu: „Das muss ich hier einmal sagen: Selbstverständlich ist auch der Rat wichtig im Leben einer Stadt.”

So ganz im Reinen mit der Arbeit dieses Gremiums war deren Sitzungsleiter dann offenbar doch nicht. Wichtige „Visionen” würden im Rat oft blockiert mit dem Hinweis auf die fehlende finanzielle Machbarkeit, auch mit Blick auf die Reaktion der Kommunalaufsicht.

Dabei könne man durch Geschick und Diplomatie im Umgang mit diesen Behörden „durchaus Korridore schaffen, um Gelder bereitzustellen”. Man müsse gute Ideen zunächst einfach vorantreiben „und dann nach Lösungen suchen, wenn sich Schwierigkeiten ergeben”.

Wie konnte es überhaupt zum Zerwürfnis zwischen dem Christdemokraten Wolfgang Schwake und jener CDU kommen, die ihn nach Alsdorf gelockt und im Bürgermeister-Wahlkampf als besten Mann für diese Stadt angepriesen habe?

Schwakes Antwort auf diese aus dem Publikum gestellte Frage: Er selbst habe seine in Zusammenarbeit mit der CDU entworfenen Ziele nie aufgegeben - wohl aber die CDU selbst. Und zwar durch die „vor der Wahl nicht vorgesehene Zusammenarbeit mit der SPD”.

Und weil jene Zusammenarbeit ja über die Kommunalwahl 2004 fortgesetzt werden soll, habe er sich entschlossen, nicht wieder für das Amt des Bürgermeisters in Alsdorf zu kandidieren.

Welchen Ratschlag er seinem Nachfolger mit auf den Weg geben wolle, kam die abschließende Frage aus der Versammlung. „Das ist so, als würden Sie Rudi Völler diese Frage stellen”, konterte Schwake - und der schmunzelnde Westfale hatte die rheinischen Lacher auf seiner Seite.