Stadt Würselen versteigert Fundsachen

Von Ring bis Rollator : Fundsachen kommen in Würselen unter den Hammer

Normalerweise ist eine Kommune wie Würselen gehalten, möglichst günstig Leistungen einzukaufen, um mit dem Geld der Bürgerschaft sparsam umzugehen. Aber es geht auch schon mal aus gutem Grund andersherum: Wer jetzt bei der Versteigerung von Fundsachen im Rathaus zum Zuge kommen wollte, muss schon das höchste Gebot von allen abgeben.

188 Gegenstände kamen unter den Hammer, rund 50 Interessierte beteiligten sich an der Auktion. Um das Ende vorwegzunehmen: Auktionator Klaus Hellinger ist nach rund 75 Minuten mit seinem Programm durch und mit dem Ergebnis sehr zufrieden. „Wir haben nicht gedacht, dass wir so viel verkaufen würden.“

Und Lob gibt es für die rund 50 Bieter obendrauf: „Das war sehr geordnet. Mit dem Ablauf kann man zufrieden sein“, sagt der Mann des Zuschlags, der ansonsten Leiter des Steueramts der Stadt Würselen ist und als „Vollstrecker“ Erfahrung mit Zwangsversteigerungen etwa von Häusern hat. 1695 Euro werden unterm Strich eingenommen, wovon nur ein Teil in die Stadtkasse fließt, denn aus dem Erlös soll für den Bereich Jugend gespendet werden.

Mit Akribie vorbereitet

Viel Mühe haben sich die Mitarbeiter des Ordnungsamtes gemacht. Die Versteigerung ist akribisch vorbereitet. Jedes einzelne Exponat vom Ring über die Sonnenbrille bis hin zum Fahrrad ist begutachtet, bewertet, nummeriert und fotografiert worden, um per Beamer im großen Sitzungssaal Stück für Stück präsentiert zu werden. Zuvor haben Interessierte rund eine Stunde lang die ausgestellten Fundsachen direkt in Augenschein nehmen und unter Aufsicht auch anfassen können. Kolleginnen der Stadtkasse sorgen für die korrekte Abwicklung der Bezahlung, inklusive Registrierung der Personalien der Käufer und Ausstellung der Quittungen.

„Das ist ein immenser Aufwand“, lobt die Leiterin des Ordnungsamtes, Karina Bremen, den Einsatz der Kollegen. „Deshalb kann man das auch nicht jedes Jahr machen.“ Zudem müssen erst einmal genügend Fundsachen zusammenkommen und lange genug aufbewahrt werden, um überhaupt veräußert werden zu dürfen, wenn sich der Besitzer nicht ermitteln lässt oder sich nicht beim Fundamt meldet (siehe Info). „Von den rund 120 Fundsachen im vergangenen Jahr waren allein rund 80 Schlüssel“, sagt Ordnungsamtsmitarbeiter Andreas Cremer. Und die eignen sich eben nicht zur Versteigerung. Da muss man halt ein paar Jahre warten, bis genügend Verwertbares zusammenkommt.

Wer gemäß gängigem Klischee erwartet hat, dass vor allem vergessene Regenschirme das Angebot dominieren, sieht sich getäuscht. Gerade mal zwei Knirpse und zwei Stockschirme werden vorgeführt, ergänzt durch drei herrenlose Gehstöcke. Wie mag es wohl dem unbekannten Besitzer des Rollators gehen? Wurde das Teil nach einer Familienfeier im Lokal vergessen oder der Nutzer etwa Opfer eines Schwächeanfalls und ins Krankenhaus geschafft, wobei sein Fortbewegungsmittel zurückblieb? Der Rollator findet jedenfalls kein neues Heim. So ergeht es auch der Stuttgarter Erklärungsbibel. Dagegen geht das Holzlabyrinth über den Tisch genau wie auch eine Reihe von Uhren und Ringen. Überhaupt ist Schmuck gefragt, ob echter oder der mit dem Zusatz Mode.

Ungewöhnliche Dinge wie etwa ein Holzlabyrinth oder eine Bibel waren unter den Fundsachen. Das Wort des Herrn blieb liegen, das Spiel wurde versteigert. Foto: Karl Stüber

Manches bleibt liegen

Nur zurückhaltend reagiert die Bietergemeinschaft auf das breite Angebot von Handys, Smartphones und Tablets. Der Grund: Neben dem Preis fallen noch Gebühren für das fachmännische Entsperren und Löschen der Daten an, wozu die Stadt Würselen vor Abgabe der Geräte verpflichtet ist, wie Mitarbeiter Cremer erläutert. Aus Gründen des Datenschutzes darf dies nur durch eine zertifizierte Firma erfolgen. Anteilig entstehen noch Versandkosten. Da wären im Extremfall nochmals bis zu 40 Euro zusätzlich zu berappen. Einige elektronische Kommunikationsmittel lassen sich ohnehin nur noch als Ersatzteillager ausschlachten.

Jeder Teilnehmer hat im Vorfeld eine der durchnummerierten Karten bekommen, die er nur hochhalten muss, um ein Gebot abzugeben. Hellinger hat mit scharfem Auge jede Bewegung im Publikum im Blick. Geboten wird in der Regel in Ein-Euro-Schritten. Wertvolleres wird in Fünfer-Rhythmus unter die Leute gebracht. Bisweilen ergeben sich regelrechte Bieterduelle zwischen zwei oder drei Interessenten, so etwa bei einer Actionkamera. Dagegen bleibt eine alte analoge Spiegelreflexkamera nebst Objektiven aus DDR-Produktion ein Ladenhüter. 30 Euro Mindestgebot stehen im Raum. Ein Interessent will nur 15 Euro geben. Das geht während der Versteigerung nicht, sagt der Auktionator. Das Liegengebliebene wird nach Rücksprache mit dem Rechtsamt in den freien Verkauf gehen, erfährt der Bieter. Er möge sich im Nachhinein beim Ordnungsamt melden.

 Und der Autor dieser Zeile macht natürlich auch mit. Es ist die Erste Auktion seines schon recht langen Lebens. Mit vor lauter Aufregung feuchter Hand hält er dreimal das Schild mit der Nummer 213 hoch. Die Ausbeute - zwei Uhren und ein Ring - sollen später daheim bei der Gattin gut ankommen. Ersteigern ist eben viel spannender als einkaufen, zumal wenn es um Schnäppchen geht.