Alsdorf: Stadt Alsdorf hat wieder ein Bergwerk

Alsdorf: Stadt Alsdorf hat wieder ein Bergwerk

Irgendwie war es wie in alten Zeiten: Denn am Freitag hat auf dem Anna-Gelände ein „vollständig neues Bergwerk” nach zweimonatigem Testbetrieb offiziell seinen Berieb aufgenommen.

Mathanna heißt das Grubenfeld, Achim Wörsdörfer der Mann, der die Schürfrechte besitzt.

Dr. Rolf Petri, Leiter des Bergamts Düren, war es, der diese bergrechtliche Feinheit herausstellte. Nicht aber für Kohle, sondern zur Förderung von Kohlenwasserstoffen und den damit verbundenen Gasen hatte das Landesoberbergamt schon 1990 die Bewilligung ausgesprochen.

Projektausführende sind im Schulterschluss die in Duisburg ansässige Firma A-Tec und die Willicher Pro-2-Anlagentechnik GmbH. Bedeutete das stark methanhaltige explosive Grubengas einst große Gefahr für die Bergleute, so ist es dank moderner Technik heute zur Grundlage umweltfreundlicher Energiegewinnung geworden.

Das stellte auch Bürgermeister Wolfgang Schwake heraus, der allen Beteiligten für die kooperative und zügige Abwicklung der Formalitäten dankte. Erst jüngst habe die Hochwasserkatastrophe an der Elbe noch gezeigt, wie wichtig zukunftsweisende Wege auf dem Energiesektor seien.

Klimaschädliche Emissionen, die 100.000 Tonnen CO2 entsprechen, werden durch das Mathanna-Projekt der Erdatmosphäre jährlich erspart. Als effizienteste Maßnahme in Sachen CO2-Reduzierung stellte Dr. Frank-Michael Baumann, Geschäftsführer der im NRW-Wirtschaftsministerium angesiedelten „Landesinitiative Zukunftsenergien”, die Nutzung des Grubengases denn auch heraus.

Und verwies auf das rege technologische Interesse: Immerhin 39 grubengasbewilligte Felder hat er in NRW mittlerweile gezählt, die bereits ein Investitionsvolumen von 50 Millionen Euro überschreiten.

Mit Stolz verwies er auch auf die Arbeitsgruppe Grubengas unter Leitung von Professor Dr. Axel Preuße, Inhaber des Lehrstuhls für Markscheidewesen an der RWTH Aachen, die die gesamte Grubengasindustrie sowie Behörden und Ministerien an einen Tisch gebracht hat.

Die technische Entwicklung, die Schaffung positiver Rahmenbedingungen, aber besonders auch die Stärkung der Exportchancen für deutsche Grubengas-Verwerter sind die Ziele. Und hier weiß Baumann schon von großem Interesse aus der Ukraine und Sibirien zu berichten. Mit so genannten „revolvierenden” Fonds puffert das Wirtschaftsministerium das finanzielle Risiko für Investoren ab.

„Anna” ist die einzige ehemalige Zeche im Aachener Revier, auf der Grubengas-Verstromung noch möglich ist. Aber auch hier ist das Grundwasser schon wieder auf 420 Meter Teufe gestiegen.

Nach spätestens zwei Jahren also werden die markanten blauen Container hinter der Waschkaue an der Herzogenrather Straße - die eine Verdichterstation, in der das Gas abgesaugt wird, zwei Motorenmodule und zwei Transformatoren beinhalten - wieder abtransportiert, um an einem neuen Standort zum Klimaschutz beizutragen...

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