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Kohlscheid: "Spurensuche" machte Schüler betroffen

Kohlscheid : "Spurensuche" machte Schüler betroffen

Die Zeitzeugen Heinz Kolberg und Werner Landscheidt beleuchten in der Erich-Kästner-Hauptschule dunkle deutsche Geschichte.

Ungewöhnliche Ruhe herrscht im Unterrichtsraum, obwohl die 26 Schülerinnen und Schüler der 10b das Klassenzimmer bis auf den letzten Platz füllen. Die Jugendlichen sind still, ihre Mienen ernst. Was ihnen Heinz Kolberg und Werner Landscheidt vom Lehrerpult aus erzählen, macht betroffen, ja irritiert manchmal.

Kolberg, 82 Jahre alt, und Landscheidt, 74, berichten nichts Gutes: Von Krieg ist die Rede, von Nationalsozialismus, von Tod und Grauen. Kolberg und Landscheidt schildern den Schülern der Kohlscheider Erich-Kästner-Hauptschule ihre Erfahrungen mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte. „Um greifbare, authentische Spuren der Vergangenheit aufzuzeigen”, sagt der Herzogenrather Sozialpädagoge Ralf Pütz, Initiator des Projektes „Spurensuche - auf den Spuren das Nationalsozialismus in Herzogenrath”.

Seit 1994 bringt die „Spurensuche” an Haupt- und Realschule mit ungewöhnlichen Methoden die Wurzeln des heutige Rechtsextremismus ans Tageslicht: Ob Stadtrundgänge zu Häusern früherer jüdischer Bürger, Exkursionen zu Gedenkstätten oder Ausstellungsbesuche - das Projekt soll „den Nationalsozialismus abwechslungsreich thematisieren und von verschiedenen Seiten aus beleuchten”, präzisiert Ralf Pütz, der die „Spurensuche” in enger Absprache mit den jeweiligen Klassenlehrern realisiert.

So auch in der 10b, die die beiden Aachener Heinz Kolberg und Werner Landscheidt zu Gast hat. In der 10b, die das „Spurensuche”-Projekt als freiwilliges Angebot zusätzlich zum normalen Unterricht wahrnimmt und Kolberg und Landscheid im „Zeitzeugen-Interview” befragen kann.

Was nicht immer leicht fällt, denn die offenen und ungeschönten Worte der beiden Kriegsteilnehmer beeindrucken: Von „in der Jugend eingepflanzter Kriegsbegeisterung und Menschenverachtung” spricht Heinz Kolberg, vom „Tod als Begleiter”, von Kommunistenverfolgung und Judenerschießung, davon, „ein schlimmer Mensch, ein Mörder” beim Russlandfeldzug gewesen zu sein. Werner Landscheidt, bei Kriegsbeginn 1939 zehn Jahre alt, schildert den Hauptschülern das „den eingeimpften Hass gegen andere Völker”, das „Marschieren und Antreten” bei Jungvolk und Hitlerjugend, den Kriegsdienst beim Schanzen- und Festungsbau,„Sachen, die man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann”.

Viele Schüler der 10b starren betreten durch den Raum ob der eindringlichen Zeitzeugen-Aussagen, stellen vorsichtig Fragen: Was waren damals Ihre Gefühle? Wie konnte es zu Nazi-Zeit und Krieg kommen? Warum gibt es heutzutage wieder Rassismus in Deutschland?

Es werden nicht die letzten offenen Fragen gewesen sein. Im Sommer machen die Hauptschüler eine einwöchige Projekt-Abschlussfahrt. Sie führt nach Weimar, in die KZ-Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Auch dort wird es still, werden die Mienen ernst sein.