Alsdorf: Springmäuse schütteln Publikum durch

Alsdorf: Springmäuse schütteln Publikum durch

Das wissen die Leute in Alsdorf und der Region: wenn man so richtig lachen will, besucht man am besten eine Aufführung des Improvisationstheaters Springmaus. Der Saal der Stadthalle war jedenfalls voll, und die vier jungen Männer, die da auf der Bühne ihr „Unwesen“ trieben, waren so ulkig, dass die Heiterkeit nur so durch den Raum waberte.

Als heilige vier Könige kamen die Springmäuse herein und holten auch gleich einen Mann aus dem Publikum auf die Bühne: „Peer von Herzogenrath“. Er durfte auf einem Lammfell ausgekleideten Sessel Platz nehmen und wurde in eine königliche Geschichte hineingezogen. Die Zuschauer gaben die Stichworte. Eine Geschichte mit „Strapsen“ sollte es sein. Ob das zu Weihnachten passte? Na klar. Es waren ja grüne Strapse, um die sich ein Weihnachtslied rankte.

Erotik und Operette

Klar, dass die Springmäuse auch fließend madagassisch sprechen, wie sie in einem flotten Dialog unter Beweis stellten. Denn jemand aus dem Publikum hatte den Schauplatz „Madagaskar“ gefordert. Ein Fast-food-Restaurant und ein Bergbaustollen der Zeche Anna wurden ebenfalls mühelos in die Story eingebaut. Diese spielten die Vier in den verschiedensten Genres, ganz wie vom Publikum gefordert: als Erotikfilm, als Western, Stummfilm, Operette, Horror- und Science-Fiction-Film.

Die passenden Geräusche und Klänge hatten die vier Schauspieler ebenfalls im Gepäck. Das Publikum lachte sich kringelig. Es gab ein Interview-Gespräch von zweien der Schauspieler — und das Beste daran war der „Gebärdensprachen-Übersetzer“, der das Ganze pantomimisch umsetzte. Es gabt kein Halten mehr, wenn der vormachte, wie ein Puter mit Äpfeln gefüllt wird. Die Springmäuse hatten außerdem alle Musikgenres auf dem Kasten, mit denen sie ein Lied „Fast Christmas — schnelle Weihnacht“ umsetzten. Reggae, Heavy Metal, schnulziger Schlager, alles kein Problem. Und wieder wurden Personen aus dem Publikum hinzugezogen, einmal als Marionettenspieler mit lebenden Puppen, dann als ganz normaler Bürger. Norbert aus Stolberg wurde über sein Leben und seine Familie ausgefragt. Wie mag er sich die Augen gerieben haben, als alles, was er gesagt hatte, sich später in ein Familiendrama mit allem Drum und Dran, Zwist und Versöhnung, verwandelte. Immer wenn es besonders rührselig wurde, kam unweigerlich ein lakonischer Kommentar wie „Wissen Sie, wie lange ich gebraucht habe, um einen musikalischen Ambosskäufer aus Stolberg zu finden?“ Die Comedy-Truppe aus Köln gibt es seit 30 Jahren in wechselnder Besetzung. Mit dem Programm „Merry Christmaus“ eroberten vier von ihnen einmal mehr die Herzen ihrer Gäste: Gilly Alfeo, Norbert Frieling, Marvin Meinold und Ben Hartwig. Der Trick waren die immer wiederkehrenden Versatzstücke, Themen und Begriffe, die das Publikum lieferte. Genial, fanden an dem Abend auch die Zuschauer, als sie vom Lachen durchgerüttelt die Stadthalle verließen.

(jk)