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Rhein-Maas-Krankenhaus : Sprechstunden und Beratung zum Thema Herzinfarkt

Rhein-Maas-Krankenhaus : Sprechstunden und Beratung zum Thema Herzinfarkt

Bei welchen Beschwerden müssen Mann und Frau an einen Herzinfarkt denken und schnell handeln? Na klar, bei starken Schmerzen im Brustraum, die auch noch in den linken Arm oder die linke Schulter ausstrahlen, meinen ein jeder und eine jede zu wissen. Dennoch sind nicht alle Symptome immer so klar zu deuten.

So eindeutig sind die Symptome oft eben nicht — und gerade bei Frauen sind sie nicht selten anders als bei Männern, warnt Professor Dr. Michael Becker, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Nephrologie und internistische Intensivmedizin des Rhein-Maas Klinikums in Würselen (RMK). Frauen klagen bei einem Herzinfarkt eher über heftige Kurzatmigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder auch über starke Beschwerden im Oberbauch. Die Zuordnung zu einem Herzinfarkt fällt dann den Patientinnen und dem behandelnden Arzt schwer. Häufig werden zunächst vermeintliche Muskel-Schmerzen oder Magen-Darm-Infektionen behandelt — wichtige Zeit geht verloren.

Auch Angelika Haack hatte ihre Beschwerden falsch einge- und vor allem unterschätzt, wie sie erzählt. Sie erlitt im Mai 2018 einen Herzinfarkt. Bei einer Feier war sie noch gut drauf. Danach aber befiel sie Unwohlsein. Sie bekam Beklemmungen und Beschwerden im Brustbereich. Ihr wurde übel. Naja, das hat ja ein jeder mal, dachte sie. Zumal sie ihren Mann nicht stören wollte, der ihr zuletzt angesichts ihrer Knieprobleme beigestanden hatte und mal Ruhe brauchte. Sie wartete ab. Ein Tag ging so verloren. „Irgendwas war nicht in Ordnung“, erkannte sie. Letztlich suchte sie das Krankenhaus auf — das RMK. Da war der Befund schnell klar: Herzinfarkt. Letztlich hat sie alles gut überstanden.

Problembewusstsein schaffen

Es hätte aber auch anders ausgehen können, betont Becker. „Weil gerade Frauen glauben, Andere oder auch einen Notarzt wegen ihrer Symptome zu belästigen, rufen sie im Falle eines Herzinfarkts die eigentlich schnellstmöglich erforderliche Hilfe häufig erst sehr spät.“ Dies ist ein Grund, der diese Erkrankung für Frauen so gefährlich macht. Sie erleiden daher erschreckender Weise häufig einen schweren Infarkt mit einer schlechteren Genesungsprognose als Männer. Hier setzt Becker an und bietet ab Montag, 1. Oktober, eine spezielle Sprechstunde an (siehe Info). ,,Den Kampf für ein früheres Erkennen und Behandeln dieses Krankheitsbildes möchte die erste Frauen-Herz-Ambulanz aufnehmen und ihren Anteil zu einem besseren Überleben der betroffenen Patientinnen beisteuern“, so der Professor, der seit 1. Juli die Kardiologie im RMK leitet.

„Wir wollen zudem in der Öffentlichkeit mehr Problembewusstsein schaffen, damit gerade in Sachen Herzinfarkt Frauen mehr auf sich achten und auf sie geachtet wird.“ Dazu sollen unter anderem Fortbildungsveranstaltungen für niedergelassene Ärzte angeboten werden.

Übrigens: Das nächste Forum Medizin, welches das Rhein-Maas Klinikum und unsere Zeitung mit Unterstützung der Stadt Würselen vorbereiten, befasst sich ebenfalls mit Herzerkrankungen (siehe Info).

Das ganzheitlich konzipierte Angebot der Frauen-Herz-Ambulanz am Rhein-Maas Klinikum richtet sich laut Klinikleiter an diejenigen Frauen, die von ihrem Internisten oder Hausarzt beispielsweise zum Herzultraschall oder zum Herzkatheter ins Krankenhaus überwiesen wurden. Aber auch an die, die das Gefühl haben, dass der Aspekt ,,Frausein“ bei ihrer Behandlung bisher zu wenig berücksichtigt wurde.

Unspezifische Beschwerden

Das können Frauen sein, die bereits einen Befund — wie einen Infarkt oder eine bekannte Herzinsuffizienz — haben, aber auch Frauen, die bisher als gesund galten und in Sorge sind, dass deren unspezifische Beschwerden und Probleme bislang nicht richtig zugeordnet wurden.

Auch Dr. Katrin Kersten, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie in der Praxis für Kardiologie im Medizinischen Versorgungszentrum Stolberg (MVZ), betont als Expertin für Herz-Schwäche (Herzinsuffizienz), wie wichtig es ist, die fraulichen Spezifika bezüglich Herzinfarkt deutlicher zu machen, um Leben zu retten. Entsprechend appelliert sie an die niedergelassene Kollegenschaft.

Dabei gibt es ein weiteres Problem zu beachten: Untersuchungsergebnisse bei Frauen weisen nicht die gleiche Eineindeutigkeit wie Befunde bei Männern auf. Frauenherzen sind in der Regel deutlich kleiner als die der Männer. Die für Männerherzen ausgelegten Raster bei der Untersuchung mit bildgebenden Verfahren führen so bei Frauen zu weniger exakten Ergebnissen. Zudem beeinflusst das natürliche Fettgewebe in der weiblichen Brust die Genauigkeit dieser Form der Untersuchung, so Becker.

Die Kombination der verschiedenen Faktoren mache die Diagnose und Behandlung eines Herzinfarkts bei Frauen so schwierig.

Als wenn dies nicht schon genug wäre: In der medizinischen Forschung wurden in allen großen Herz-Studien überwiegend Männer untersucht. Frauen sind meistens nur zu einem geringeren Anteil vertreten.

„Entsprechend ist fraglich, ob die erhobenen Erkenntnisse wirklich 1:1 auch auf Frauen anwendbar sind“, sagt Becker. Er hat große Frauen-Studien im Bereich Kardiologie betrieben, Hunderte Frauen vor und nach Infarkten untersucht und gemeinsam mit anderen behandelt und die Ergebnisse ausgewertet.

Diese Erkenntnisse fließen nun in die praktische Arbeit — und damit auch bei der Frauen-Ambulanz — mit ein.

Was rät Herzinfarkt-Patientin Angelika Haack aufgrund ihrer Erfahrungen: „Frauen sollten regelmäßig zu Gesundheitschecks gehen, genauer in sich hineinhören und bei nicht eindeutigen Hinweisen gegenüber Ärzten auf eine Klärung drängen.“

(red)