Würselen: Sparta Bardenberg zeigt, wie Vereinsfusion geht

Würselen : Sparta Bardenberg zeigt, wie Vereinsfusion geht

Genaugenommen begann die sportliche Geschichte des SC Sparta Bardenberg nicht am 1. Juli des vergangenen Jahres, sondern schon vor über elf Jahren. Damals wurden ersten Kontakte zwischen der Birkenstraße in Morsbach und der Zechenstraße in Bardenberg geknüpft, die unverbindlich eine mögliche Fusion der beiden Traditionsvereine zum Thema haben sollten.

Ob aus dem FC Sparta Würselen und dem SC Bardenberg eines Tages wirklich ein gemeinsamer Club werden könnte, stand lange in den Sternen. Das Thema ist auf der Würselener Vereinskarte aktueller denn je. Während es die DJK Armada Euchen Würselen vor Jahren vorgemacht hat, gibt es vielerorts seit langem Überlegungen, die Kräfte zu bündeln.

Ob in Broichweiden, Linden-Neusen oder Würselen-Zentrum — die veränderten Gegebenheiten im Amateurfußball betreffen fast alle. Rückläufige Jugendspielerzahlen, steigende Kosten und Vorgaben seitens der Politik liefern nur einige Gründe. Der SC Sparta Bardenberg hat die ungewisse und nervenaufreibende Zeit der Fusion seit einem Jahr erfolgreich hinter sich gelassen. Die Erfahrungen könnten Vorbild sein für andere Vereine.

Nachdem der neue, gemeinsame Vorstand des SC Sparta — bestehend aus Mitgliedern beider Altvereine — Anfang 2017 einstimmig gewählt wurde, begann für die sportlich Leitung die Aufgabe der „Verschmelzung“. Drei Mannschaften stellt der SC in der laufenden Spielzeit. Während zwei Teams in der Kreisliga C gemeldet sind (es wurden die beiden C-Startplätze von Bardenberg und Sparta Würselen übernommen), tritt die dritte Mannschaft in der Kreisliga D an.

Die Platzanlagen an der Birken- und Zechenstraße sind weiterhin in Betrieb. Von Seiten der ehemaligen Sparta aus Würselen stieß die komplette zweite Mannschaft zum neuen Verein, während die erste Mannschaft sich verstreute.

103 aktive Fußballer tragen aktuell das Trikot des neuen Vereins. Die sportliche Leitung entschied sich bewusst für einen behutsamen Umgang bei der Zusammenstellung der Kader. Allen Spielern sowohl im Jugend- als auch im Seniorenbereich wurde ein sogenannter „Bestandsschutz“ gewährt. Um den Spielern beider Seiten etwaige Ängste zu nehmen, durfte jeder unter dem Trainer spielen, unter dem er in der Vergangenheit spielte.

Mittlerweile sind aus dem „unübersichtlichen Haufen“ drei Mannschaften gewachsen, bei denen der Teamgeist großgeschrieben wird. „Man kennt sich nun. Wenn irgendwo Not am Mann ist, helfen die Spieler auch sofort bei anderen Teams aus“, freut sich Jochen Gülpen, Co-Trainer der Zweiten Mannschaft. Auch die knapp 230 Jugendlichen, die das Trikot des SC Sparta tragen, sind zu einer Einheit gewachsen.

Die Erste Mannschaft möchte im kommenden Jahr so lange wie möglich ein Wort mitreden im Kampf um den Aufstieg in die Kreisliga B. Als Ziel für die „Zweite“ wird der Klassenerhalt ausgegeben, möglichst vor den Lokalrivalen von der SG Pley. Nachdem im vergangenen Jahr die A-Jugend aus Altersgründen fast gänzlich in den Herrenbereich integriert wurde, werden in diesem Sommer nur einige wenige Spieler zu den Senioren wechseln. Diese sind in Absprache mit allen Beteiligten bei anderen Vereinen „geparkt“ worden.

Externe Zugänge werde es laut Deutmann zwar geben, aktiv abwerben werde man aber nicht: „Bei uns läuft es über die Mund-zu-Mund-Propaganda, der Verein hat einen guten Ruf.“

Rückblickend sei die Fusion bemerkenswert ruhig angenommen worden — andere (Würselener) Vereine haben kaum eine Reaktion gezeigt, es aber sofort akzeptiert. Dafür wartet man umso vergeblicher auf eine Antwort der Stadt bezüglich eines möglichen Kunstrasenplatzes.

Der Zustand der beiden aktuellen Sportstätten sei „so gerade noch duldbar.“ Aufgrund der defekten Drainage an der Birkenstraße tummeln sich bei schlechtem Wetter unter der Woche zusätzlich zu den 17 Bardenberger Mannschaften noch das Team aus Pley und die Altherrenmannschaft. Hinzu kommt, dass der Rasenplatz an der Zechenstraße kein Flutlicht hat.

Auch der seit Jahren solide Haushalt beider Teams ließ keine Großinvestitionen in einen Kunstrasenplatz zu. Man sei hier auf die Stadt angewiesen. Äußerst stolz ist man beim SC Sparta, dass die immensen Kosten der Fusionsmodalitäten problemlos geschultert werden konnten. Notarkosten, Passumschreibungen und die Neu-Anmeldung des Vereins beim Fußballverband Mittelrhein schlugen mit ungefähr 10.000 Euro zu Buche. Auch für die Hilfe durch den Stadtsportverband ist man sehr dankbar.

Kurios wurde es in puncto Vereinsheim. Die Immobilie, die Eigentum des SC Bardenberg war, wurde auf den neuen Verein überschrieben. Hierfür fielen mehrere tausend Euro Grunderwerbssteuer an — nicht nur aus Sicht von Deutmann eine grobe Unverschämtheit. Letztendlich hat man diese bittere Pille geschluckt, der Blick ist nach vorne gerichtet.