Alsdorf - Sparkasse schließt: Buscher Kunden fühlen sich abgehängt

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Sparkasse schließt: Buscher Kunden fühlen sich abgehängt

Von: Verena Müller
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Was vom öffentlichen Leben in Busch übriggeblieben ist: Neben dem Kiosk, der Bank und einer Kneipe nicht mehr viel. Anwohner fühlen sich wie Menschen zweiter Klasse und protestieren gegen den Abzug der Bankberater. Foto: Verena Müller
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„Nicht die feine englische Art“: Vereinsvertreter aus Busch diskutieren lebhaft über das weitere Vorgehen in Sachen Bankberaterabzug aus dem Ortsteil Busch. Foto: Verena Müller

Alsdorf. Man kann nicht gerade behaupten, dass die Buscher undankbar wären oder das, was „ihre“ Sparkasse für sie über Jahrzehnte getan hat, nicht zu schätzen wüssten. Andererseits muss man auch festhalten, dass die Bewohner des kleinen Alsdorfer Ortsteils sehr lange „ihrer“ Sparkasse die Treue gehalten haben – trotz Kontoführungs- und Überweisungsgebühren, die sie bei einem anderen Kreditinstitut hätten sparen können.

Aber nun, meinen Vertreter der ortsansässigen Vereine, gibt es eigentlich keinen vernünftigen Grund mehr, bei der Sparkasse Aachen zu bleiben. Denn „ihre“ Filiale schließt Anfang Mai. Dann werden nur noch Automaten zur Verfügung stehen. Als Grund wird verändertes Nutzungsverhalten der Kunden genannt.

An einem Tisch sitzen Vertreter der Invaliden, der Kleingärtner, der Schützen, der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), der Bürger- und Mietergemeinschaft, des SPD-Ortsvereins und des Spielmannszugs Alsdorf-Busch.

„Alle Vereinsvertreter hängen am Tropf der Sparkasse“, sagt Simon Robert von den Christus-König-Schützen, einer der Lautesten in der Runde. Und alle seien Kunden. Was ihn aufbringt, ist die Tatsache, dass sich das Kreditinstitut dem Allgemeinwohl verpflichtet und ein Serviceversprechen gegeben hat. Er meint, dann müsse es auch etwaige Verluste in Kauf nehmen.

„Rückläufige Tendenz“

SPD-Stadtverordneter Jörg Willms untermauert das mit Zahlen: Im Jahr 2016 habe die Sparkasse 40 Millionen Euro Gewinn eingefahren. „Selbst wenn die Buscher Filiale 50.000 Euro kosten würde, müsste das doch angesichts von 40 Millionen zu verkraften sein“, findet er.

Die Sparkasse ihrerseits erklärt, warum sie den Schritt für unabdingbar hält: „Die Kundenfrequenz in unserer Filiale in Alsdorf-Busch ist in den zurückliegenden zehn Jahren um fast ein Drittel zurückgegangen, besonders deutlich in den letzten Jahren“, sagt Norbert Laufs, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Aachen, auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Filiale in Busch habe das geringste Kundenvolumen (das ist die Summe aus Einlagen und Krediten) aller Stellen der Sparkasse Aachen – „und das mit rückläufiger Tendenz“. Neben einer sinkenden Nachfrage nach Serviceleistungen liege auch die Anzahl der Beratungsgespräche unter dem Durchschnitt anderer Filialen. Und Steigerungspotenzial sei nicht zu erkennen.

Rückblick: Busch ist eine der Großsiedlungen der 20er Jahre, die für neue Arbeitskräfte, die aus dem Saarland und dem Ruhrgebiet für den Bergbau angeworben wurden, errichtet wurde. In den ersten Jahren entstanden 120 Wohnungen, in weiteren Bauabschnitten Ende der 20er, in den 50er und 60er Jahren weitere. Inzwischen zählt Busch rund 960 Haushalte. Über 60 Prozent der Buscher hätten das Seniorenalter erreicht – die rund 80 Bewohner des Altenheims eingeschlossen –, sagt Willms. Ein Blick in die aktuelle Statistik der Stadt zeigt, dass es zwar „nur“ rund 21 Prozent sind, aber 460 Menschen sind auch nicht gerade wenig.

Übergangsfrist eingefordert

„Manche schaffen es so gerade noch mit dem Rollator in die Filiale“, weiß Willms, bräuchten aber Hilfe bei der Bedienung des Geldautomaten. Aus seiner Sicht völlig ausgeschlossen, dass sich diese Kunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg zum Saint-Brieuc-Platz machen, an der Haltestelle Annapark umsteigen und vom Denkmalplatz aus das restliche Stück laufen. Von der Hemmschwelle, die Mitarbeiter der Filiale in Alsdorf-Mitte nicht zu kennen, einmal ganz abgesehen.

Dieser Verlust ist für die Buscher nur ein Glied in der Kette der Anonymisierung und der Reduzierung der „Institutionen des öffentlichen Lebens“, wie es Hans-Werner Theis (KAB) sagt. 1993 seien es noch knapp 30 gewesen, vom Metzger über drei Lebensmittelläden bis hin zum Hausarzt und dem Friseur. Geblieben sind eine kleine Gaststätte (von ehemals vier), ein Kindergarten, ein Zahnarzt, ein Kiosk und ein Spielplatz. Brötchen gibt‘s nur noch am Kiosk oder am Wochenende aus dem Bus.

Die Vereinsvertreter halten diesen Trend angesichts der Tatsache, dass Busch mittelfristig in drei Abschnitten wächst, für falsch. „Durch die neuen Baugebiete wird Busch jünger, das ist klar, und junge Leute bevorzugen Online-Banking“, sagt Willms. Aber für eine bestimmte Zeit, also die Übergangsfrist, sollten doch Berater vor Ort vorgehalten werden.

Was Simon Robert zusätzlich erzürnt, ist der Fakt, dass an der Filiale kein Aushang mit Informationen über die Reduzierung des Services zu finden ist. „Das ist nicht die feine englische Art“, findet er. Zum Jahreswechsel habe man den Kunden noch Weihnachtsgrüße gesandt und sich mit der Kundennähe gebrüstet – und nun das.

Die Vereine wollen nun Unterschriften sammeln, sich damit an den Sparkassen-Vorstand wenden und den Abzug der Berater in Busch besser publik machen. Sie glauben, wenn das erst einmal die Runde macht, werde es die wenigsten bei dieser Bank halten.

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