Würselen: Spargel dank riesiger Heizung in der Erde

Würselen: Spargel dank riesiger Heizung in der Erde

Spargel benötigt Wärme zum Wachsen. Umso größer ist die Verwunderung, wenn man entlang der B57 die Werbetafeln des Spargelhofs Lamberts entdeckt: Frischer Spargel! In Anbetracht der herrschenden Temperaturen wirft das Fragen auf.

Eigentlich beginnt die Spargel-Saison im Nordkreis in sechs Wochen. Doch die rumänischen Helfer sind auf dem rund ein Hektar großen Feld, gleich neben dem Hof der Familie Lamberts damit beschäftigt, die ersten Stangen zu ernten.

Möglich macht das eine riesige Bodenheizung. Warmes Wasser fließt durch rund 12.000 Meter Schlauch unter den Pflanzen hindurch und sorgt für spargelgerechte Temperaturen.

Gleich hinter dem Spargelfeld erhebt sich die Kuppel der Biogasanlage, die das Feld mit Wärme versorgt. Dort wird aus nachwachsenden Rohstoffen wie Zuckerrüben, Mais oder Gras Methangas produziert, woraus anschließend mit der Hilfe von Motoren Strom erzeugt wird, den der Landwirt ins öffentliche Netz einspeist. Rund 4,2 Millionen Kilowattstunden hat Lamberts 2008 mit der Anlage produziert. Das entspricht in etwa dem jährlichen Stromverbrauch von 1000 Haushalten.

Doch wohin mit der dabei entstehenden Wärme? „Wir haben uns dafür entschieden, das Spargelfeld und unseren Hof damit zu beheißen”, erklärt Walter Lamberts. Zwar räumt er ein, dass es zwar bessere Konzepte gebe, die Abwärme zu nutzen, etwa in einem Gewächshaus. „Doch hier gibt es keinen Gärtner in der Nähe, und ein Gewächshaus hätte wieder Investitionen und eine zusätzliche Bewirtschaftung erfordert.

Das wollten wir uns nicht antun”, sagt Lamberts. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Technik sich in schnellem Tempo weiter entwickelt und sich Gesetze und Förderrichtlinien laufend ändern.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Familie Lamberts ungewöhnliche Wege in der Landwirtschaft einschlägt. Als sie 1986/87 mit dem Spargelanbau begann, hielten dies viele in der hiesigen Region nicht für möglich. „Spargel braucht lockere sandige Böden, hier sind die Böden aber eher schwer”, erklärt Lamberts.

In der Schweiz entdeckte er damals grünen Spargel. „Bis dahin kannte ich nur weißen Spargel, doch der ist nur bei uns verbreitet. Weltweit dominiert eher der grüne Spargel”, weiß Lamberts. Anfangs hat man ihn ausgelacht, als er in der Nähe von Würselen grünen Spargel anbauen wollte, heute lacht niemand mehr. Mittlerweile wird dort weißer, roter, grün-weißer und eben grüner Spargel angebaut.

In diesem Jahr wird auf dem Feld mit der „Fußbodenheizung” zum ersten Mal voll geerntet. Das lohnt sich erst im dritten Jahr, denn die Pflanzen müssen erst Wurzeln schlagen. Als Lamberts im Jahr 2006 die Kultur anlegte, traf er gleichzeitig die Entscheidung das Feld zu beheizen - die Schläuche müssen beim Pflanzen mitverlegt werden. Und das scheint sich auszuzahlen:

„Für unsere Region sind wir sechs Wochen zu früh, normalerweise hatten wir den ersten Spargel gegen Ende April, dann waren die Preise aber meist schon im Keller, da die Bauern im Kreis Heinsberg aufgrund der dortigen Sandböden in der Regel schon Anfang April mit der Ernte beginnen können.”

Bis Ende Mai wird jetzt auf dem beheizten Feld geerntet. Dann ist das zweite - nicht beheizte - Feld an der Reihe. Ende Juni ist dann Schluss. Das Ende der Spargelsaison beschreibt die Bauernregel: „Kirschen rot, Spargel tot.” Ihr offizielles Ende ist der 24. Juni, der Johannistag.

Doch bis dahin gibt es noch viele Gelegenheiten, die Königin des Gemüses zu genießen. Angelika Lamberts empfiehlt die Spargelstangen roh in dünne Scheiben zu schneiden und in einer Marinade bestehend aus Weißwein, Weißwein-Essig, Olivenöl, Petersilie, Salz und Pfeffer einzulegen.

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