Würselen: Spannende Führung durchs Rhein-Maas-Klinikum Würselen

Würselen : Spannende Führung durchs Rhein-Maas-Klinikum Würselen

Die Augen glänzten wie in Kindertagen, als die Gruppe von 18 Lesern sogar auf das Dach des Rhein-Maas-Klinikums Würselen (RMK) am Standort Marienhöhe durfte. Nein, es war nicht der Blick bis nach Alsdorf oder Baesweiler. Es war der gelbe Hubschrauber, der sozusagen als Sahnehäubchen am Schluss der Führung durchs Haus zu inspizieren war.

Im Rahmen der Aktion „7 mal Sommer“ hatte das RMK zur Exklusiv-Führung eingeladen. Das Interesse der Besucher dieser speziellen Führung war so hoch, dass man glatt eine Stunde „dranhängte“. Denn der Fragenkatalog war äußerst umfangreich. Von Heike Vollert und Thomas Jansen begleitet, beide Mitarbeiter der Unternehmenskommunikation des RMK, startete die Gruppe gleich mit der Besichtigung eines überaus sensiblen Bereichs der Klinik.

Mit modernster Diagnostik begegnen Prof. Dr. Vincent Brandenburg (l. und sein Team der Herzinfarktgefahr. Wie das im Katheterraum funktioniert, vermittelte der Chefkardiologe unseren Lesern. Foto: Sigi Malinowski

Die Zentrale Notaufnahme war das Ziel. Über die sogenannte Liegendanfahrt erreichten die Interessierten — sie kamen aus Würselen, Alsdorf und Herzogenrath — den Bereich, der dem leitenden Oberarzt Dr. Friedrich Hölzl untersteht. 40.000 Patienten werden hier jährlich versorgt. Das geschieht durch Fachärzte mehrerer Disziplinen, erklärte der Hölzl. Die Abläufe haben sich in jüngerer Zeit doch sehr verändert, betonte der Mediziner beim Gang durch (freie) Schockräume oder bei der Besichtigung des CPU, des Chest Pain Units.

Der Leiter der Zentralen Notaufnahme, Oberarzt Dr. Friedrich Hölzl, erläutert, wie die Erstversorgung in den Schockräumen ablaufen kann — links Pflegeteamleiter Philipp Schönleber. Foto: Sigi Malinowski

60 bis 80 Patienten treffen täglich in der Notaufnahme ein. Ob das medizinisch immer so begründet ist, steht derzeit stark in der Diskussion. „Wir müssen sie aufnehmen. Das ist unsere Pflicht“, unterstrich Hölzl, denn hinter einer vermeintlich harmlosen Erkrankung könne ja auch etwas Schwerwiegendes der Fall sein. Also wird gründlich diagnostiziert. Die Verweildauer beträgt im Durchschnitt drei Stunden. Zehn Ärzte unterschiedlichster Fachdisziplinen sind dabei ständig im Einsatz.

Stanislav Mulik (r.), Mitarbeiter der Radiologischen Diagnostik in der Zentralen Notaufnahme, ist „stolz wie Oskar“ auf die neueste Technologie, über die das RMK verfügt. Foto: Sigi Malinowski

Großes Staunen beim Rundgang erweckten die mit High-Tech-Geräten ausgestatteten CT- oder auch MRT-Räume und der Angiographie-Raum, die allesamt vom Radiologen Stanislav Mulik in ihrer Funktion beschrieben wurden.„Dass man hier derart modern ausgestattet ist, hätte ich mir vorher nicht vorstellen können“, sagte der Alsdorfer Max Jeandree. Vor allem beeindruckte, dass die Röhren nicht mehr komplett geschlossen sind. „Wir können deshalb ja auch Rücksicht auf Patienten nehmen, die mit einer Phobie zu uns kommen“, stellte Mulik heraus und sagte, dass „Patienten auch ihre eigene Musik mitbringen könnten“.

„Wir sind schon stolz wie Oskar“, sagte Stanislav Mulik angesichts dieser neuesten Technik, die im Hause eingesetzt wird. Das kommt schließlich der mit zwei Standorten ausgestatteten Klinik (Marienhöhe und Bardenberg) und 654 Betten bzw. Patienten zugute. Schon bei der Inspizierung der Notaufnahme war mit Blick auf die vielen Fragen absehbar, dass für diesen „Spaziergang“ die geplante Zeit nicht ausreichen würde.

Hohe Investitionen in das Herzkatheterlabor

Bevor es aber aufs Dach der Klinik ging, übernahm der Kardiologe Prof. Dr. Vincent Brandenburg die Gruppe. Wie äußert sich der Verdacht eines Herzinfarktes (u. a. Schmerzen im linken Arm, Druck oder Schmerzen in der Brust) und was ist zu tun?, fragte der Chefarzt der Kardiologie. „Vor allem ist Schnelligkeit gefragt“, ist der Zeitfaktor zwischen den ersten Symptomen und der Behandlung sehr wichtig. Auch in das Herzkatheterlabor hat der Träger des RMK stark investiert. Die Arbeit des Katheteriseurs stellte Brandenburg heraus und nahm sich sehr viel Zeit, die vielen Fragen der Besucher zu beantworten.

In der modernen Diagnostik spielt auch die Telemedizin eine immer größere Rolle. So tauschen sich die Würselener (Lehrkrankenhaus der RWTH) auch bei speziellen Fällen mit den Kollegen der Aachener Uniklinik zunehmend aus. Nette Geste der beiden Hubschrauber-Piloten, die gerade keinen Einsatz hatten und deshalb noch auf die Gruppe warteten, um die Besichtigung des Helikopter-Typs „Christoph“ möglich zu machen. Zum Schluss übernahm Kardiologe und Notarzt Dr. Herbert Adams die Gruppe. Er ist Teil der Besatzung des Hubschraubers und ließ die Türen des Fliegers öffnen, so dass man einen sehr nahen Einblick bekam.

Dass vor diesem „Hintergrund“ ein Gruppenfoto schon zur Pflicht reifte, ergab sich von selbst. Doch damit hatten die Wissbegierigen wie beispielsweise Wolfgang und Monika Emde (Alsdorf) oder auch Inge und Wilhelm Bock (Würselen) oder Edgar Springob aus Herzogenrath immer noch nicht genug. Bei einer abschließenden Kaffeerunde war‘s auf einmal wie beim Fernsehknüller „Wetten, dass“. Eine Dreiviertel Stunde Verlängerung wurde wie selbstverständlich draufgepackt. Max Jeandree war begeistert: „Diese Führung war überaus informativ. Ich glaube, wenn ich mal ins Krankenhaus müsste, wäre das für mich die erste Wahl. Denn ich konnte mir bis heute nicht vorstellen, dass die hier so modern ausgestattet sind“.

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