Herzogenrath: Sommer 2020 für Schulerweiterung jetzt ganz fest im Visier

Herzogenrath : Sommer 2020 für Schulerweiterung jetzt ganz fest im Visier

Die Uhr tickt: Im Sommer 2020 läuft die Gesamtschule II in Kohlscheid voll, das heißt, die ersten Schüler rücken in den Jahrgang 13 auf. Bis dahin muss es ausreichend Platz zum Lernen geben, doch dass dies schwierig wird, war in einer Sondersitzung der Ausschüsse für Bildung, Sport und Kultur (BSK) respektive Bau und Verkehr im März bereits offensichtlich und entsprechend heftig diskutiert worden, bevor der Startschuss zum Um- und Ausbau der Schulimmobilie an der Kircheichstraße gegeben wurde.

Denn die seinerzeit vorgestellte Zeitschiene der externen Planer lief auf einen Fertigstellungstermin im August 2021 hinaus. Alles zu tun, um doch noch den Sommer 2020 zu halten, formulierte die Politik damals als klare Vorgabe. Zielgerichtet wird daran gearbeitet, diese einzuhalten.

Jede Menge Plastiktöpfchen mit Bodenproben: Beigeordneter Ragnar Migenda (r.) wirft einen ersten Blick auf die Ergebnisse der Bohrungen (oben). Foto: Beatrix Oprée

Größter zeitraubender Faktor: aufwendige Sondierungsbohrungen, die nötig sind, um eine Schulerweiterung sicher errichten zu können. Denn unter dem zur Verfügung stehenden Grundstück verlaufen die Flöze Großlangenberg, Großmeister und Geelarsch. Dass diese überhaupt da sind, weiß man aufgrund alter Karten und eines Lichtschachts, der im Bereich der Gründungssohle des abgerissenen Hallenbads Zellerstraße gefunden wurde.

Wie viel hier einst abgebaut wurde, und in welchem Zustand die Flöze sind, das heißt, wie viele Hohlräume sie noch aufweisen, darüber gibt es indes keine Auskunft. Das muss anhand von vielen Bohrungen in verschiedenen Winkeln und den entsprechend entnommenen Bodenproben erst noch herausgefunden werden.

Die Bohrungen selbst sind beendet, jetzt geht es an die Auswertung der sehr unterschiedlich ausgefallenen Bodenproben, die in genau gekennzeichneten Plastiktöpfchen verstaut zur Analyse bei der Aachener Ingenieurgesellschaft SST gegangen sind.

Die Schachtsicherungen erfolgen entsprechend der Ergebnisse über das Einpumpen einer speziellen, „sehr teuren“ Betonsuspension, wie der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda unserer Zeitung beim Ortstermin erläutert. „Wenn wir Glück haben, muss wenig eingepumpt werden, wenn wir Pech haben viel“, sagt er. Entsprechend länger dauert es im letzteren Fall, die Fläche baureif zu machen.

Vergabevorgaben gelockert

Parallel läuft zurzeit die Ausschreibung. Über ein Totalunternehmerverfahren, so Migenda, bestünden noch die besten Chancen, den Zeit- und Kostenrahmen einzuhalten, bei Sicherstellung der gewünschten Qualität. Potenzielle Bieter haben die Örtlichkeit bereits besichtigt, wie Migenda berichtet. Ihre Einwände: Im Rahmen der ursprünglichen planerischen Vorgaben sei ein Fertigstellungstermin 2020 nicht zu halten.

So habe man die Vergabevorgaben nun insofern gelockert, dass den Bewerbern bei der Konkretisierung der Pläne ein größerer Gestaltungsspielraum zugestanden werde. „Und wer darlegt, im Zeitrahmen bleiben zu können, wird entsprechend höher multipliziert“, sagt Migenda mit Blick auf das zugrunde gelegte Matrixsystem, in das die Bieter ihre Angebote eintragen können und das größtmögliche Transparenz gewährleisten soll, „damit jeder nachprüfbar nach dem gleichen Prinzip bewertet wird“.

So setzt der Technische Beigeordnete nun auf Kreativität und Erfahrungen der Fachfirmen: „Die Entwürfe und Angebote sind abzuwarten, es würde uns natürlich sehr freuen, wenn das Zeitlimit Sommer 2020 klappt.“

Zwei Varianten stehen derzeit noch in Rede: 1) ein dreigeschossiger Ergänzungsbau entlang der Zellerstraße, der vor dem KSV-Sportplatz abgewinkelt wird, oder 2) ein mit Blick auf den Flöz Großlangenberg verkürzter Anbau an der Zellerstraße und ein zweiter Neubau anstelle der abzureißenden Toiletten- und Umkleideanlage gegenüber. Ein Lehrschwimmbecken, das anfangs noch in die Überlegungen mit einbezogen war, hat sich aufgrund der Entscheidung für den Schwimmhallenneubau an der Roermonder Straße erledigt.

Wie das Umgesetzte letztlich aussehe, so Migenda, hänge neben Kosten, Zeit, Funktionsschemata und Qualitätsstandards auch von der städtebaulichen Komponente ab: „Schließlich soll der Neubau mindestens die kommenden 40 Jahre stehen und muss sich deswegen gut in die Umgebung einfügen.“

Weiterer zeitintensiver Aspekt neben der erschwerten Bodengründung sind die Bauarbeiten im Bestand, wie Migenda abschließend darlegt. Und außerdem im laufenden Schulbetrieb, was mit besonderen Sicherungsmaßnahmen verbunden ist, um Kinder und Jugendliche auf dem Schulgelände nicht etwa durch Baumaschinen oder -Materialien zu gefährden.

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