Sieben neue Straßen in Alsdorf bekommen Namen

Entscheidung gefallen : Namen für sieben neue Straßen

Sieben neue Straßen wird es in Alsdorf bald geben. Wie sollen sie heißen, wer darf seinen Namen einer davon leihen? Welchem Namensgeber gebührt die größte Ehre? Die Entscheidung darüber fiel nun im Rathaus.

Ehre, wem Ehre gebührt. Eine kleine Weisheit, die schnell gesprochen ist. Allerdings auch eine, die ruckzuck für erhöhten Blutdruck, Scharfzüngig- und Schmallippigkeit sorgen kann, wenn es um die Wahl zwischen Tiernamen, lokaler Persönlichkeit oder Anne Frank geht und die Frage, wessen Name denn nun auf dem Schild über einer asphaltierten Wegstrecke prangen darf.

Ja, die Anwendung im konkreten Fall – hier: die Benennung neuer Straßen – kann zuweilen hitzige Debatten auslösen. Wer Derartiges in der Auseinandersetzung um die Benennung von Alsdorfer Straßen erwartete, lag jedoch daneben.

Dass allen, die da jüngst im Rathaus diskutiert wurden, grundsätzlich Ehre gebührt – kein Thema. Wem aber gebührt die größte Ehre, wer darf seinen klingenden Namen einer der neuen Straßen leihen? Zu entscheiden hat darüber zumindest in Alsdorf der Ausschuss für Stadtentwicklung, der, wie üblich in einem politischen Gremium, mit gewählten Vertretern unterschiedlicher politischer Couleur besetzt ist. Ebenso unterschiedlich sind manchmal deren Ideen, zum Beispiel im Hinblick darauf, wie die ein oder andere Straße nun eigentlich heißen sollte.

Jeder darf Vorschläge machen

Grundsätzlich: Vorschläge für die Benennung von Straßen kann jeder Bürger machen, dafür sorgt § 24 der Gemeindeordnung für das Land NRW. Das gilt selbst dann, wenn aktuell überhaupt keine neue Straße da ist, der ein Name zu verpassen wäre. Die Vorschläge werden im Rathaus gesammelt und dem Stadtentwicklungsausschuss zur Entscheidung vorgelegt, wenn es nötig wird. Demnächst ist es soweit, wenn im Zusammenhang mit dem neuen Wohngebiet in Blumenrath Ost – an der Pestalozzistraße entstehen 70 Wohneinheiten – vier Straßen gebaut werden. Drei weitere werden das Wohnquartier „Am Weiher“ erschließen, auf dem Gelände, auf dem einst das mittlerweile abgerissene Gymnasium stand.

Vorschläge hatte die Stadt im Köcher. 2016, wenige Wochen nach dem Tod des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, hatte sich die „Helmut Schmidt Medien GmbH“ bei der Stadt gemeldet und vorgeschlagen, eine Straße in Alsdorf ob seiner Verdienste für die Bundesrepublik nach Schmidt zu benennen.

Im selben Jahr schlug der Verband der Karnevalsvereine Aachener Grenzlandkreise der Stadt gleich mehrere Namen vor: Toni Baumanns zum Beispiel, der 50 Jahre lang Präsident der KG Prinzengarde war und rund zwei Jahrzehnte lang Präsident des Festkomitees Alsdorfer Karneval. Oder Michael Büttgen, der sich in etlichen Alsdorfer Stadtteilen „um das Kulturgut Brauchtum Karneval verdient gemacht“ habe, wie es in einem Schreiben seinerzeit hieß.

Und Heinz Sauer stand auf der Vorschlagsliste, der über viele Jahre unter anderem als Beigeordneter in der Stadt tätig war. Den hatte der CDU-Ortsverband Hoengen ebenfalls bereits ein Jahr zuvor genannt. Die CDU-Fraktion schlug Ende vergangenen Jahres den Mariadorfer Mundartdichter und Heimatautor Toni André vor, der einst übrigens auch als Mitarbeiter unserer Zeitung unterwegs war. Franz Herbst, Gründungs- und Ehrenmitglied des Bürgervereins Mariadorf, war von dem Bürgerverein vorgeschlagen worden.

Dann tauchte da noch der Name Anton Schleibach auf einem vermutlich mit Schreibmaschine zu Papier gebrachten Antrag auf. Inzwischen nicht mehr ganz so Junge Liberale hatten den verstorbenen Ehrenbürgermeister vor gut 30 Jahren (1988) als Namensgeber vorgeschlagen. Diesen Namen ohne entsprechende Beschlussvorlage zu diskutieren, dafür konnte sich außer der SPD, die den Namen – gemeinsam mit dem des ehemaligen Bürgermeisters Peter Küpper – gerne als erweiterten Beschluss schon bezogen auf den Bebauungsplan 316 (Alsdorf-Busch) abgenickt hätte, niemand so recht erwärmen.

Bienen und Käfer gehen leer aus

Der B-Plan 316 sei noch nicht soweit, über Straßennamen zu befinden, hieß es. Außerdem: „Seit 30 Jahren gibt es keinen Beschluss, aber heute müssen wir das unbedingt beschließen?“, fragte Franz Brandt (CDU). Einem zünftigen Wortwechsel folgte die Erklärung des Ausschussvorsitzenden Heinrich Plums (SPD), lediglich den Versuch unternommen zu haben, eine elegante Lösung für den alten Vorschlag herbeizuführen. Postwendend folgte eine Kommentierung von der FDP-Bank: „Ja, elegant würde ich jetzt nicht sagen ...“ Gekicher im Plenum. Klar war jedoch von Beginn an: In Blumenrath werden die Namen von Personen auf den Straßenschildern verewigt.

Anders in Ofden. Namen wie Libellenweg, Honigbienenweg oder Marienkäferweg seien doch mit Blick auf bereits vorhandene Blumen- und Tiernamen im Ortsteil eine gute Idee, fand die Verwaltung und schlug ebensolche vor. Oder: „In Bezug auf eine im Raum stehende Benennung nach heimischen Fischsorten aufgrund der Lage am Weiher/Broichbach kämen ggf. Barsch, Zander, Rotfeder, Schleie o.ä. in Frage.“ Argumente, denen die Grünen wohl folgen mochten und ihrerseits den so getauften „Wildblumenantrag“ zur Abstimmung stellten. Die Straßen am Weiher sollten die Namen Glockenblumenweg, Löwenzahnweg und Klatschmohnweg erhalten. Außer den Kollegen von der FDP konnten sie dafür aber niemanden begeistern. Zu wenig.

Die Mehrheit entschied sich für Toni Baumanns, Anne Frank und Elisabeth Selbert. Selbert war eine der Mütter des Grundgesetzes, die sich vor allem für Gleichberechtigung stark gemacht hatte. Das Rennen um die Blumenrather Straßen machten am Ende Helmut Schmidt, Toni André, Heinz Sauer und Franz Herbst.

Warum alle Vorschläge zur Benennung hiesiger Straßen Männernamen waren – schwer zu sagen. Gibt es etwa kaum Frauen in Alsdorfs Historie, die sich geeignet hätten? Möglicherweise war, neben ihrer historischen Bedeutung, ja auch der Mangel an Frauennamen Grund dafür, dass Anne Frank und Elisabeth Selbert es nach Ofden geschafft haben.

Auch wenn die Entscheidung über die Benennung der sieben neuen Straßen in Alsdorf gefallen ist, noch einmal die Erinnerung, dass jeder Bürger Vorschläge für künftige Straßennamen machen kann. Die passende Adresse: A 12, Amt für Rat und Verfassung, Hubertusstraße 17, 52477 Alsdorf; oder eine E-Mail an info@alsdorf.de.