Aachen/Würselen: Shahid G.: Mordkomplott unbestätigt, aber Beamtenbestechung

Aachen/Würselen: Shahid G.: Mordkomplott unbestätigt, aber Beamtenbestechung

Der Häftling Shahid G. (36) hatte Glück und Pech zugleich. Aber eigentlich mehr Glück, möchte man rückblickend auf das Strafverfahren vor der 3. Großen Strafkammer (Vorsitz Richter Markus Vogt) sagen.

Es ging um einen handschriftlichen Zettel in der Kölner Haftzelle — er war gerade von Aachen dorthin verlegt worden — des Angeklagten, auf dem G. 500 Euro quasi öffentlich für die Beschaffung eines Handys anbot. Der Zettel habe einfach auf dem Tisch gelegen, berichtete am Montag ein JVA-Beamter als Zeuge, so offen, dass er nicht zu übersehen war, berichtete der Wärter der Kammer.

Das Gericht folgte bei diesem Anklagevorwurf nicht der Verteidigung. Anwalt Rainer Dietz (Aachen) hatte angeführt, dass es als völlig „unwahrscheinlich und dämlich“ zu bewerten wäre, falls sein Mandant dort wirklich diesen Zettel für die Beamten deponiert hätte. Der Zettel sei für jemand anderen gewesen, argumentiere er und forderte Freispruch. Das Gericht hielt Shahid D. aber für tatsächlich so dumm, sich auf diese Art und Weise ein Handy habe beschaffen zu wollen und verurteilte ihn zu weitern neun Monaten Haft.

In der anderen Sache war G. im Jahr 2013 wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen, es ging dabei um seine damals erst zwölfjährige Stieftochter und deren Freundin, zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Die Stieftochter zog damals im Prozess ihre Beschuldigungen zurück, ihre Freundin aber blieb bei ihrer Aussage, G. kam in den Knast. Aktuell wurde dem Sexualtäter von zwei Mitgefangen aus der JVA-Aachen vorgeworfen, gegen diese Zeugin im Juni 2014 ein Entführungs- und sogar ein Mordkomplott aus der Haft heraus geschmiedet zu haben.

Angezeigt hatten ihn zwei Knackis, die sich durch den Verrat aktuell Vergünstigungen erhofft hatten. Sie sollten die Entführung der einzigen Zeugin organisieren, die unter Drogen gesetzt und zur Prostitution gezwungen werden sollte, sie sollte sogar „ganz weggemacht werden“, wie es in dem Prozess zwischendurch geheißen hatte. Der Kammer allerdings waren die Anschuldigungen, die G. vehement bestritt, letztlich zu dünn. Richter Vogt und der Kammer waren die Androhungen für das Mädchen zu unkonkret. Es seien allenthalben „Vorbereitungshandlungen“ in einem ganz frühen Stadium gewesen, meinte Vogt, dies reiche nicht zu einer Verurteilung — also Freispruch.

Allerdings sei es schon so, dass der aufgefundene Zettel mit den Anweisungen für die potenziellen Entführer der Zeugin „ein sehr belastendes Indiz“ darstelle. Der Plan wurde nach der Verurteilung G.‘s und vor einem möglichen Revisionsprozess geschmiedet.