1. Lokales
  2. Nordkreis

Bardenberg: Sehr eigene Bürgermeister-Handschriften

Bardenberg : Sehr eigene Bürgermeister-Handschriften

Nicht selten wird über das heute mehr denn je bestehende Erfordernis zu ehrenamtlicher Arbeit gesprochen. Dabei denkt man an wichtige sozialen Dienstleistungen und Unterstützungen sportlicher Aktivitäten.

Weniger wird an den kulturhistorischen Aspekt gedacht, der an dieser Stelle einmal eine besondere Würdigung erfahren soll.

Seit zweieinhalb Jahren trafen sich mit wenigen Ausnahmen wöchentlich Senioren des Heimatvereins Bardenberg, um die alte Chronik der früheren Bürgermeisterei Bardenberg aufzubereiten. Die in einer Mischung von altdeutscher Schrift und Sütterlin von den Bürgermeistern im Zeitraum 1830 bis 1933 in Bardenberg dokumentierten Gegebenheiten und Ereignisse legen interessante Aspekte dieser Vergangenheitsepoche frei.

Finanzielle Nöte

Von der Veränderung der Bevölkerungszahlen, den auch damals schon permanent vorhandenen finanziellen Nöten der Gemeinde, den Entwicklungen bei gemeindlichem Straßenbau, dem privaten Häuserbau über den Aufbau der Versorgungsnetze spannt sich der Bogen über die Kriege im 19. Jahrhundert und den Ersten Weltkrieg, Krankheitswellen, gravierende Unwetterschäden und Überschwemmungen, die es damals schon gab, häufige schwerwiegende Unfälle und insbesondere Brände an landwirtschaftlichen Gebäuden bis hin zum Vereins- und kirchlichen Leben.

Die Chronik hat nur einen Schönheitsfehler: Sie ist von den Generationen der Nach-Sütterlin-Ära praktisch nicht lesbar. Daher gebührt den Akteuren Annelise Rehwinkel, Fine Eschweiler und Eberhard Dümenil, die über einen derart großen Zeitraum ihre Freizeit zum Enträtseln der Dokumente geopfert haben, großer Dank und Anerkennung. Nicht nur die alte Schrift, sondern auch die - bisweilen eigenartigen - Handschriften der Bürgermeister stellten eine große Herausforderung dar.

Nicht selten benötigte man für die Übersetzung einer Seite - der Fachmann spricht von Transkription - ganze zwei Stunden. Nicht nur das Know-how der älteren Generation war gefragt; auch moderne Technik wurde eingesetzt: Alle Dokumente wurden von Franz-Josef Körfer mit der Fotokamera digitalisiert, um dann über einen Laptop-gesteuerten Projektor auf die Leinwand gebracht werden zu können, von der dann das große Schriftdeuten im Team ausging.

Auf einem zweiten tragbaren Computer wurden die entschlüsselten Texte dann von Fine Eschweiler in lateinischer Schrift erfasst, wobei im Bedarfsfall Edgar Schilde bereitwillig seine Schreibfähigkeiten einsetzte. Nun wäre natürlich der Sinn der aufwändigen Aktion nicht erfüllt, wenn die Übersetzungen in den Ordnern des Heimatarchivs verschwinden würden. Themenbezogen werden daher die Leser der Bardenberger Heimathefte in der Zukunft einen Blick in die Vergangenheit werfen können - Dank der Arbeit der aktiven Senioren des Heimatvereins Bardenberg.