Herzogenrath: Sechs Malerinnen und der „Elan, etwas Neues auszuprobieren”

Herzogenrath: Sechs Malerinnen und der „Elan, etwas Neues auszuprobieren”

Sechs Frauen, sechs unterschiedliche Malstile präsentieren sich derzeit den Besuchern des Herzogenrather Rathauses. Da gibt es zarte Aquarelle, stimmungsvolle Landschaften, ruhige Stilleben oder ausdrucksstarke Blumenbilder.

Bindeglied zwischen den verschiedenen Arbeiten und den Künstlerinnen ist Ingeburg Aigner. Alle sechs Damen besuchen einen ihrer Malkurse, die sie seit 1994 anbietet. Sie sind zum Teil erst durch sie und ihre Anregung überhaupt zum Malen gekommen.

„Wir treffen uns einmal pro Woche in drei kleinen Gruppen bei mir zuhause. Da wird dann Tee getrunken, geredet und natürlich gemalt”, sagt sie. Alle gemeinsam treffen sich zum gemeinsamen Essen oder im Sommer zur italienischen Nacht im Garten ihrer Lehrerin. Das sei immer besonders stimmungsvoll.

Hilfreiche Vorschläge

Diese ganz besondere Atmosphäre ist es auch, die den meisten so gut gefällt und die sie als ausgesprochen inspirierend empfinden. Das wiederum schlägt sich auch in den Bildern nieder, die, so unterschiedlich sie sind, den Betrachter auf ihre ganz eigene Weise ansprechen. Was die Gruppe ausmacht, ist jedoch in besonderem Maße Ingeburg Aigner.

„Sie gibt Ratschläge, macht hilfreiche Vorschläge, aber sie lässt jeder von uns die Freiheit und fordert uns geradezu zum Experimentieren auf”, beschreibt Petra Leitner, eine der Künstlerinnen. Experimentieren, eigene Wege und Ausdrucksmöglichkeiten zu finden - für Ingeburg Aigner, die selbst vor zwei Jahren im Rathausfoyer ausgestellt hat, ist das ganz wichtig, um ihre Leidenschaft, das Malen, fortführen zu können.

Durch eine immer stärker zunehmende Sehbehinderung kann sie viele Dinge nur noch schemenhaft erkennen. Dies führte sie zur Gestaltung von Bildern mit fühlbarer Oberfläche und dreidimensionalem Charakter. Ihre Fühlbilder sprechen Sehende wie Sehbehinderte gleichermaßen an. „Ihre Freude an der Kunst und ihr Elan, dabei immer wieder etwas Neues auszuprobieren, überträgt sich auch auf die Menschen, mit denen sie arbeitet”, würdigte die stellvertretende Bürgermeisterin Marie-Theres Sobczyk sie bei der Eröffnung der Gruppenausstellung.

Die trägt den Titel „Komplett”, weil die Künstlerinnenrunde zum ersten Mal komplett ausstellt, alle Arbeiten, Techniken und Herangehensweisen komplett anders sind und weil gerade das die Ausstellung rund und komplett macht.

Marianne Classen kam vom Töpfern zur Porzellanmalerei. Seit fünf Jahren entdeckt sie die Ölmalerei für sich. Maria Thevis fühlt sich seit ihrer Jugend der Malerei verbunden. Sie begann Ende der 70er Jahre mit Bauernmalerei, die sie weiterentwickelt hat zu Öl-, Porzellan- und Aquarellmalerei. Sigrid Becker ist erst vor drei Jahren zur Acrylmalerei gekommen und arbeitet seitdem sehr intensiv an ihrer Technik. Für sie ist es die erste Ausstellung überhaupt. Mechthild Lembke besucht bereits seit 14 Jahren Ingeburg Aigners Malkurse. Ihr künstlerischer Schwerpunkt liegt auf der Aquarellmalerei.

Bis zum 17. April

Für Petra Leitner ist das Malen Entspannung oder „die Herausforderung, mit Ruhe etwas auf diese großen Leinwände zu bringen”. Sie hat ihre Technik nach ersten Aquarellen in großformatigen Ölbildern weiterentwickelt. Auch Irene Pfeffer hat mit Aquarellen begonnen und favorisiert heute die Acryltechnik. In ihren Bildern greift sie immer wieder besondere Momente aus Geschichten, der Familie oder von Reisen auf.

„Malen ist Sehen lernen” - unter diesem Motto von Ingeburg Aigner sind die Besucher des Rathauses bis zum 17. April eingeladen, die sechs Künstlerinnen und ihre Sichtweisen näher kennenzulernen.