Herzogenrath: Schwimmkurs für Kinder mit und ohne Fluchterfahrung ist ein Erfolg

Herzogenrath: Schwimmkurs für Kinder mit und ohne Fluchterfahrung ist ein Erfolg

„Ja, es war toll“, sagt Mohammad und blickt scheu zu seiner Mutter hinüber. Die lächelt und bedeutet dem Siebenjährigen, doch noch mehr von dem zu erzählen, was er gerade erlebt hat. Von den bunten Schwimmnudeln, an denen man sich festhalten und sich treiben lassen kann. Oder dass er jetzt von der einen Seite des Beckens zur anderen schwimmen kann. Und dass das alles ganz einfach ist, wenn man nur weiß, wie man sich im Wasser bewegen muss.

„Wir selbst können auch nicht schwimmen“, erzählen Mohammads Eltern, Ajmli und Mamdoh Sattlouf. Es habe sich halt nie die Möglichkeit ergeben, das zu lernen, erläutern sie. Sie stammen aus Syrien. „Schwimmbäder gibt es bei uns nicht so viele.“

Schon wieder warm angezogen: Ajmli Sattlouf mit ihren Kindern. Die Töchter Nour und Rusha (v.l.) sowie Sohn Mohammad (r.) haben viel gelernt bei den Übungen im Lehrschwimmbecken an der Leonhardstraße. Foto: Oprée

Beide haben sie vor vielen Jahren in Braunschweig studiert, wurden in Fachgebieten der Agrarwissenschaften promoviert. An den Universitäten von Aleppo respektive Homs haben sie anschließend gearbeitet. Bis der Krieg kam und sie mit ihren Kindern fliehen mussten. Seit fünf Monaten leben sie nun in Herzogenrath.

Und sie waren sofort dabei, als das Angebot zu einem integrativen Schwimmkurs für heimische und Flüchtlingskinder publik gemacht wurde. So haben neben Mohammad dann auch noch die elfjährige Nour, Schülerin des städtischen Gymnasiums, und die sechsjährige Rusha erste Grundlagen des Schwimmens gelernt.

„Der Integrationsgedanke stand für uns im Vordergrund“, sagt Manfred Borgs, Geschäftsführer des Stadtsportverbands (SSV). Und natürlich das Wissen darum, dass zum einen immer weniger Kinder und zum anderen vor allem Flüchtlinge nicht schwimmen können.

Beim Kommunalen Integrationszentrum (KI) der Städteregion Aachen rannte der SSV mit seiner Schwimmkurs-Idee offene Türen ein. „Hier wird Integration spürbar“, stellt KI-Leiter Timur Bozkir denn auch beim Ortstermin am Lehrschwimmbecken in der Regenbogenschule an der Leonhardstraße zufrieden fest.

Schnelle Fortschritte

Unterstützung gab es auch von der Stadt, für die sich Vize-Bürgermeister Dr. Manfred Fleckenstein über den Erfolg freut. Er steht genauso im Anzug und barfuß am Beckenrand und spendet den Akteuren im Wasser Beifall wie der SSV-Vorsitzende Gerd Schwartz und Josef Poqué, Bereichsleiter Schule, Sport und Kultur im Rathaus.

Drollige Gummi-Enten mit Badehaube gibt es für die kleinen Schwimmer zur Belohnung, dazu gesponserte T-Shirts und natürlich Eintrittskarten fürs Schwimmbad, um das Erlernte auch vertiefen zu können. Und dann waten die Kinder auch schon wieder zu ihren Schwimmlehrerinnen ins kühle Nass zurück. Mitglieder des Herzogenrather Schwimmvereins sind als Honorarkräfte verpflichtet worden.

Lara und Luisa Feuser, Elke Hösel und Julia Knoben haben die kleinen Schützlinge jederzeit genau im Blick. Und die üben mit kleinen Schwimmbrettern den richtigen Beinschlag oder drehen sich über dicke Gummirollen supermutig kopfüber in die „Fluten“. „Es macht allen großen Spaß“, sagt Sportstudentin Lara Feuser (22), zufrieden darüber, dass die Kinder auf spielerischem Weg in kurzer Zeit so große Fortschritte gemacht haben.