Würselen: Schwierige Bedingungen für Flüchtlinge in Deutschland

Würselen: Schwierige Bedingungen für Flüchtlinge in Deutschland

Groß war die Resonanz bei der Infoveranstaltung „Flucht! Migration! Heimat?“, zu der im Rahmen des 5. Ökumenischen Kirchengemeindetags der Arbeitskreis Asyl ins Pfarrheim St. Pius geladen hatte. Ein lebhaftes Gespräch entspann darüber, wie das Wort „Willkommenskultur“ im Alltag mit konkreten Inhalten gefüllt werden kann.

Wie ein Asylverfahren verläuft, schilderte Hildegard Hüring, seit Jahren die gute Seele vieler Asylsuchender. Vollkommen entwurzelt, hätten sie meist keine Ahnung, was an bürokratischem Aufwand auf sie zukomme. Jeder müsse in der Kommune so lange bleiben, bis sein Antrag auf Asyl entschieden sei. Sie würden zwar vom örtlichen Sozialamt betreut, die Entscheidung falle aber an übergeordneter Stelle. In dieser Zeit dürften sie nicht arbeiten.

Deutschkurse sind begehrt

Regen Zulauf haben die in der Einrichtung an der Kaiserstraße angebotenen Kurse, in denen Ehrenamtler erste Deutschkenntnisse vermitteln. Auch die Kurse der VHS seien gefragt. Hildegard Hüring: „Wir sind auf einem guten Weg, aber die Asylsuchenden brauchen nach wie vor Menschen, die sie an die Hand nehmen, damit sie ihre Alltagsprobleme meistern lernen.“ Etwa die allein stehende Mutter, die mit einem zweijährigen Kind und einem Baby in diesen Tagen zugewiesen und in einem Hotel untergebracht worden ist. Hüring ist voller Zuversicht, dass auch ihr engagierte Menschen weiter helfen.

„Die jungen Menschen, die in unserer Stadt untergekommen sind, haben eine traurige Vergangenheit — Verfolgung, Traumatisierung, Vergewaltigung“, stellte Hans-Peter Clahsen einen jungen Syrer vor, der wegen seiner Zugehörigkeit zu den Jeziden, einer religiösen Minderheit in Nordkurdistan, flüchten musste. Er spricht inzwischen so gut Deutsch, dass er sich selbst vorstellen konnte.

Wie Clahsen ausführte, befinden sich die meisten Würselener Asylsuchenden im Verfahren. Er sorge sich, dass es bis Abschluss viel zu lange dauere. „Die jungen Menschen können keine Zukunftsperspektiven entwickeln!“

Wie schwierig es sei, für Flüchtlinge eine Wohnung zu finden, davon wusste Hildegard Hüring ein trauriges Lied zu singen. Wenn die Vermieter erführen, dass es sich bei den Wohnungssuchenden um Asylanten handele, winkten sie meist ab. Wenn eine Wohnung gefunden sei, tue sich das nächste Problem auf, die Möblierung. Möbel zu finden, sei nicht das Problem, vielmehr ihr Transport. Doch Hüring verzagt nicht: „Wir haben noch immer helfende Hände und geeignete Fahrzeuge gefunden.“

Hans Peter Clahsen machte Mut, die Lösung des Problems positiv anzugehen. Sein Appell: „Wir müssen Menschen aus anderen Kulturkreisen gegenüber eine innere Haltung entwickeln.“

Den Asylbewerbern ihre Selbstbestimmung zurück zu geben, das mahnte er bei der Politik an. „Sie müssen von Montag bis Freitag beschäftigt werden. Das ist das, was sie wollen!“

Und Jürgen Hohlfeld, der Sprecher des Arbeitskreises: „Wir verändern die Verhältnisse nur, wenn wir nicht wegschauen!“

Zur musikalischen Gestaltung der Veranstaltung trug auch der in der Pfarrei St. Sebastian tätige Pater Barnabas (Gesang) aus Kenia mit seinen beiden nigerianischen Freunden Christian und Gabriel bei sowie Trommler Bahier aus Algerien. Das „Publikum“ ließ sich nicht lange bitten: Es sang und klatschte kräftig mit.

(ehg)
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