Alsdorf: Schulfrei für das Schlachtfest

Alsdorf: Schulfrei für das Schlachtfest

Für ihre Eltern hat Zeynep Fazli schon ein paar hübsche Dinge gebastelt. Die möchte die Neunjährige ihnen schenken, wenn die ganze Familie das islamische Opferfest feiert. Das kann für sie ausnahmsweise schon am Morgen beginnen, denn zur Schule geht das Mädchen an diesem Tag nicht.

Wie übrigens niemand ihrer Mitschüler. Die Schaufenberger Gemeinschaftsgrundschule nutzt erstmals einen von vier beweglichen Feiertagen, um jungen Muslimen mehr Zeit für deren höchsten Feiertag zu geben.

Wenn Christen hierzulande Weihnachten oder Ostern feiern, dann sind die Schulen ganz selbstverständlich geschlossen. „Warum also nicht auch einmal für eine andere Religion mehr Zeit schaffen?”, fragt Schulleiterin Heike Simons.

„Das ist einfach an der Zeit.” Einen beweglichen Feiertag - von Schulen sonst gern nach festen Feiertagen für verlängerte Wochenenden genutzt - so zu verwenden, sei an keiner Stelle auf Widerstand gestoßen. „Die Kollegen und alle Eltern finden das klasse.” Sie legt die Betonung auf: alle Eltern - „das sind nicht nur die muslimischen. Die kulturelle und religiöse Vielfalt und das Miteinander werden bei uns groß geschrieben”.

Eine Ausnahme

Etwa 35 Prozent der Grundschüler in Schaufenberg haben einen Migrationshintergrund, viele sind Muslime. Deren Feste gehören schon seit langem zum Lehrplan, wie an vielen anderen Schulen. So wie die türkischen Kinder das Weihnachtsfest kennenlernen, erzählen sie im Unterricht etwas über ihr Zuckerfest oder den Fastenmonat.

Dass eine Schule einen solchen Feiertag jedoch durch unterrichtsfreie Zeit würdigt, ist eine Ausnahme. Eine, die sich in Schaufenberg im kommenden Jahr wiederholen soll. Und nicht nur dort, wie es sich Heike Simons wünscht. „Das ist ein Beispiel, das durchaus einmal Schule machen sollte.”


Das Fleisch an Bedürftige verteilen

Das Opfer- oder Schlachtfest, das auf Türkisch „Kurban Bayrami” heißt, gilt als höchstes islamisches Fest.

Bei dem viertägigen Fest, das an die verhinderte Opferung Ismaels durch seinen Vater Abraham erinnert, steht traditionell die Opferung eines Schafes im Mittelpunkt. Das Fleisch wird an Bedürftige, Nachbarn und Freunde verteilt.

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