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Kerkrade/Herzogenrath: Schule im Kindergarten auf Stundenplan

Kerkrade/Herzogenrath : Schule im Kindergarten auf Stundenplan

Was deutschen Kindergärten erst ab Beginn des Schuljahres 2005/06 bevorsteht, ist in den Niederlanden schon bereits Alltag: die Vereinigung mit der Grundschule.

Lernen, ihrem eigenen Tempo gemäß - das ist für die Mädchen und Jungen in Herzogenraths Eurode-Partnerstadt Kerkrade schon lange nichts Ungewohntes mehr.

„Basisschool” heißt diese Verbindung von Grundschule und Kindergarten. Die Aachener Zeitung informierte sich in der „Basisschool De Viering” an der grenznahen Rolduckerstraat, wie der Lern-Alltag bei den Kleinen verläuft.

Schon von einem Gesichtspunkt her arbeiten Pädagogen auf der anderen Seite der Grenze her anders als die in Herzogenrath, Alsdorf und anderswo: „De Viering” wird, wie 37 andere Schulen in Kerkrade, Landgraaf, Bocholtz und Simpelveld auch, von der gemeinnützigen Stiftung „Stichting Basisonderwijs Zuid-Limburg” (SBOZL) als eine Art von kommunalem Regiebetrieb geführt.

Die Kinder kommen mit vier Jahren in die Basisschool, nachdem sie - wenn die Eltern wollen - mit zwei schon im „Peuterspeelzaal” Früherziehung mitgemacht haben. Schulpflichtig, so SBOZL-Direktor Jos Feron, werden Mädchen und Jungen in den Niederlanden erst mit fünf.

„De Viering” wird übrigens auch von deutschen Kindern besucht. Allerdings wechseln sie meist mit sechs Jahren auf eine Grundschule jenseits der Grenze.

Sind die Meisjes und Jongens (an der Rolduckerstraat sind es derzeit 96) aber erst einmal im „Klaslokaal”, dem niederländischen Klassenzimmer, geht es im Gegensatz zu Deutschland ganz schulisch los. Und schon die Vierjährigen lernen - „ihren eigenen Möglichkeiten gemäß”, wie Monique van Dongen, Chefin von „De Viering”, ergänzt - Rechnen, Lesen und andere grundlegende Kulturtechniken.

Fremdsprachen gehören an der Rolduckerstraat nicht dazu. „Aber in anderen Schulen gleichen Typs sieht das anders aus”, weiß Jos Feron. Da gebe es auch Frühunterricht in Deutsch, mancherorts auch in Englisch.

Wie Monique van Dongen ergänzt, verwendet „De Viering” die Stunden, die anderswo für den Fremdsprachen-Unterricht verwendet werden, zur Besserung der muttersprachlichen und sozialen Fertigkeiten. „Uns geht es sehr darum, bei unseren Schülern den Respekt vor ihren Mitschülern und -menschen zu wecken”, kommentiert die Schulleiterin.

Eines lernen die Kleinen in der Kerkrader Schule übrigens schon mit vier Jahren: das Surfen im Internet. Dabei geht es zuerst einmal nicht darum, den Zöglinge alle Möglichkeiten des World Wide Web zu eröffnen. Zuerst einmal sollen sie ihre Feinmotorik entwickeln. Das geht mit der Computermaus am besten, finden die Leute von der Schul-Stiftung. Dass die Kids dann noch Informationen über den Rechner heranholen, gilt dem gegenüber als sekundär.

Der Alltag in „De Viering” beginnt übrigens montags bis freitags um 9 Uhr und endet gegen 15.30 Uhr. Gegessen wird in der Schule - eine Option, die von zwei Dritteln aller Eltern genutzt wird. Damit sind die Niederländer der deutschen „Offenen Ganztagsgrundschule” schon seit Jahren voraus - zumindest, was die gemeinsame Mahlzeit und die Gemeinschaft, die daraus erwächst, betrifft.