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Nordkreis: „Schönes Signal für Jungs, die unten geschuftet haben”

Nordkreis : „Schönes Signal für Jungs, die unten geschuftet haben”

„Das kommt richtig gut an. Eine Sache, für die wir sehr lange gekämpft haben!” Dieter Macko, Vorsitzender der Alsdorfer Ortsgruppe des Silikosebundes, ist zufrieden.

Zwar muss der Bundesrat Mitte Mai noch zustimmen, doch scheint die seit langem umstrittene Stichtagsregelung bei der Anerkennung der Bergmann-Bronchitis als Berufskrankheit zu kippen.

Die Regierung will die Regelung aufheben, nach der eine Staublunge, oder Chronisch obstruktive Bronchitis oder Emphysem nur dann anerkannt wurde, wenn sie nach dem 1. Januar 1993 diagnostiziert wurde.

Damit wäre der Weg frei für deutlich höhere Renten der betroffenen Bergleute oder deren Hinterbliebene sowie für die Zahlung von Heilmitteln.

„Es gibt immer noch viele, die davon profitieren können”, sagt Macko, wenngleich viele der alten Kumpel bereits gestorben seien. „Ich kannte einen, bei dem die Diagnose nur zwei Monate vor den Stichtag gefallen war. Sie können sich vorstellen, wie deprimierend das für ihn war.”

Um zu hohe Leistungsforderungen zu vermeiden, war der Stichtag für die erst 1997 als Berufskrankheit anerkannte Bergmann-Bronchitis eingeführt worden.

Nun, da die Zahl der Empfänger geringer sein dürfte, könnte bald „die zeitliche Begrenzung der rückwirkenden Anerkennung bereits bestehender Erkrankungsfälle bei dieser Berufskrankheit nicht sachgerecht” sein, wie Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) in einem Papier formuliert hat.

Ob es so kommt? Christian Wicke zögert mit der Euphorie. Als Jurist ist er berufshalber vorsichtig. Viele rufen dieser Tage bei dem Rechtsberater des Bundes Silikoseerkrankter Deutschland an.

„Die wollen wissen, was nun wird. Noch ist es nicht durch, aber ich hoffe sehr, dass es sich zum Positiven wendet. Es kann doch nicht sein, dass denen eine Entschädigung versagt bleibt, die zum Wohlstand der Republik beigetragen haben.” Denn vor allem während der 50er und 60er Jahre war die Staubbelastung beim Kohleabbau unter Tage besonders hoch.

„Es wäre wirklich ein schönes Signal für die Jungs, die da unten geschuftet haben”, sagt der Alsdorfer Peter Kohnen. Der ehemalige Bergmann und stellvertretende Knappschaftsälteste hatte für die Stichtagsregelung ebenso wenig Sympathie wie Arno Vogel.

Der Vorsitzende der Baesweiler Ortsgruppe des Silikosebundes erwartet die Abschaffung des Stichtages, „der für die Bergleute einfach ein unverantwortlicher Einschnitt war”.