Würselen/Herzogenrath: Schilder-Wald im Wurmtal aufgeforstet

Würselen/Herzogenrath: Schilder-Wald im Wurmtal aufgeforstet

Schilder informieren — in der Regel. Manche geben aber auch Rätsel auf. Im Wurmtal sind solche zu finden, die zur letzteren Art zählen: Wer den Schilderwald mit den Tafeln in der Größe eines DIN-A-4-Blattes aufgeforstet hat, bleibt trotz zweier Bekenner zunächst undurchsichtig.

Unter dem NRW-Wappen zeichnet nämlich das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, und unter der EU-Flagge der Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums verantwortlich. Schwarz auf weiß wird in einem Vierzeiler verkündet: „Hier investiert Europa in ländliche Gebiete. Dieses Projekt wurde gefördert im Rahmen der Maßnahme ,Erhalt und Verbesserung des ländlichen Erbes‘ des ,NRW-Programms Ländlicher Raum 2007-2013‘. Aha?! Alles klar? Mitnichten. Denn wieso, warum, weshalb?

Da quasi nicht einmal eine Hundehütte ohne Baugenehmigung und bestimmt auch kein Schild mit Betonfundament in einem Naturschutzgebiet errichtet werden darf, liegt also der Schluss nahe, im Rathaus nachzufragen. Was die Schilder zu bedeuten haben, lässt sich allerdings auch dort nicht in Erfahrung bringen. Verweisen wird an die Städteregion als Untere Landschaftsbehörde. Und Sprecher Detlef Funken kann in der Tat Licht ins Dunkel bringen: „Die Schilder kennzeichnen Flächen, die unlängst für den Natur- und Artenschutz erworben worden sind.“

Aber nicht nur im Naturschutzgebiet „Wurmtal südlich Herzogenrath“ seien Flächen für die Optimierung des Biotopverbunds hinzugekommen, sondern auch Areale zur weiteren Umsetzung des Landschaftsplans I „Herzogenrath-Würselen“, des Landschaftsplans II „Baesweiler-Alsdorf-Merkstein“ sowie für die Biotopverbundplanung im Nordkreis.

Der Städteregionsausschuss habe bereits Ende 2012 den Weg dafür geebnet. Die Flächen auf dem Gebiet der Städte Herzogenrath und Würselen umfassten rund 101.500 Quadratmeter. Es handele sich um Dauergrünland, Wald-, Brach- und Wasserflächen.

In der Projektbeschreibung heißt es: „Das Wurmtal zeichnet sich durch seine Dauergrünlandflächen als Kaltluftentstehungsgebiet aus und trägt so dazu bei, die Talklimatik sowie die Verbesserung des Luftaustauschs im Stadtgebiet von Herzogenrath zu fördern. Zudem dienen Feuchtbiotope der Wasserretention und dem vorbeugenden Hochwasserschutz. Gleiches gilt für Weihholzauenwälder, die neben Staubbindung, Feuchtigkeitsspeicherung- und -abpufferung auch Sauerstoffanreicherung und Abbremsung des Hochwasserabflusses bewirken. Zudem profitieren unmittelbar die Naherholungssuchenden im Wurmtal davon. Das südliche Wurmtal sei als FFH-Gebiet (spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden) seit mehr als zehn Jahren besonders geschützt. Es zeichne sich aus durch den natürlichen Verlauf der Wurm mit wertvollen Weichholzauen-, Hainsimsen-Buchen- und Stieleichen-Hainbuchen-Wäldern.“

Rund 237 000 Euro seien insgesamt investiert worden, dazu seien EU- und Landesfördermittel in Höhe von etwa 182 000 Euro geflossen, informiert Detlef Funken. Weitere 50.000 Euro seien in den kommenden fünf Jahren für Naturschutzmaßnahmen auf den Grundstücken vorgesehen. Das Aufstellen der Schilder sei übrigens durch die Förderung vorgeschrieben. Funken: „Entfernt wurden bereits alte Stacheldrahtzaunreste aus dem Böschungen der Wurm, Sträuchern und Bäumen. Errichtet wurde eine neue Aufzäunung der Wurmufer und Quellsiefen gegen Viehtritt. Futtermieten einschließlich alter Reifen, Folien, Betonfundamente und Eisenteile sind obendrein beseitigt worden.“

Im Gange sei das Vermessen der Grundstücke und das Zusammenlegen von Kleinparzellen. Teilweise sei die ackerbauliche Nutzung bereits eingestellt worden, stattdessen soll eine Einsaat mit einer kräuterreichen Wiesenmischung aus heimischen Saatgutbeständen erfolgen. Im Herbst stünden Pflanzungen von Hecken (u.a. Weißdorn, Feldahorn, Hartriegel) auf dem Programm. Kopfbaumschnitt an alten Hainbuchen im Wurmtal seien ebenfalls ab Herbst vorgesehen, wie die Pflege und die Entwicklung der Brombeergebüsche als Lebensraum für die Haselmaus. „Wenn all diese Maßnahmen abgeschlossen sind, werden sicherlich noch Tafeln mit detaillierteren Informationen angebracht“, stellt Detlef Funken in Aussicht. Wurmtal-Besucher werden das bestimmt im Auge behalten.

Mehr von Aachener Zeitung