Luftqualität: Schadstoffmessung an der Bahnhofstraße

Luftqualität : Schadstoffmessung an der Bahnhofstraße

Schon beim Vorgespräch bekam man einen Eindruck von der Verkehrsbelastung, der die Bahnhofstraße ausgesetzt ist. Pünktlich zum anrollenden „Feierabendverkehr“ hatte sich Bundestagsabgeordneter Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) mit Parteikollegen aus dem Ortsverband Alsdorf um den Fraktionsvorsitzenden Horst-Dieter Heidenreich auf Höhe der hochfrequentierten Bushaltestelle „Anna I“ getroffen.

Auf einer der meist befahrenen Straßen Alsdorfs wollen die Grünen in einer etwa zweiwöchigen Studie feststellen, wie hoch die Schadstoffbelastung ist.

Mit MdB Oliver Krischer begutachtet er die Messampulle. Foto: Yannick Longerich

Das Gespräch mit den beiden Politikern gestaltete sich aus beinahe banalen Gründen schwierig. Der vorbeiziehende Verkehr verursachte einen durchweg hohen Geräuschpegel, der eine Konversation ohne Schreien nur auf engstem Raum möglich machte. Eine Alltagssituation auf der Bahnhofstraße — dennoch nimmt man sie beim wöchentlichen Einkaufsbummel oder beim Kaffee vor dem Lokal wahrscheinlich gar nicht mehr wirklich wahr. Die Belastung der Luft durch Stickstoffoxide (NOx) macht sich noch weniger bemerkbar.

Die Alsdorfer Grünen werben seit Jahren für eine deutliche Erhöhung der Aufenthaltsqualität in der Stadt. Gerade das hohe Verkehrsaufkommen im Zentrum (Bahnhofstraße/Denkmalplatz/Luisenstraße) führe unweigerlich zu einer schlechten Situation für Anwohner, Geschäfte und Kunden, besonders auf der Bahnhofstraße. „Das Europafest zeigt es. Das Zentrum ist für den Verkehr gesperrt und trotzdem rollt der Verkehr, ohne dass es zu nennenswerten Verkehrsbehinderungen kommt“, erläuterte Heidenreich. Die Bahnhofstraße als verkehrsberuhigter Bereich, der lediglich für den Bus-Verkehr geöffnet sei, mache aus seiner Sicht durchaus Sinn.

Drei Jahre sind mittlerweile seit dem Bekanntwerden des „Abgasskandals“ vergangen — nicht nur aus Sicht von Krischer hat sich seitdem viel zu wenig verändert. Die Grenzwerte für Stickoxide sind an vielen innerstädtischen Messstationen auch in 2017 wieder überschritten worden. Schon seit 2010 sind die Grenzwerte für Innenstädte (40mg/m³) verpflichtend. In der Städteregion ist Düren seit Jahren trauriger Spitzenreiter im Ranking der Überschreiter. Stickoxide lösen beispielsweise schwere Lungen- sowie Herz-Kreislauferkrankungen aus.

Mit eigenen Messgeräten wollen die Alsdorfer Grünen die „NOx-Belastung“ der Innenstadt exemplarisch ermitteln und damit auf die Problematik der Belastung durch Kraftfahrtemissionen aufmerksam machen. Mittels „Messröhrchen“, dessen chemischer Inhalt mit den Stickoxiden in der Luft reagiert, wird ein erster Wert innerhalb der nächsten zwei Wochen analog ermittelt. „Die Proben werden nach der abgelaufenen Zeit ins Labor gegeben. Anhand der fortgeschrittenen, chemischen Reaktion und der genauen Versuchsdauer kann ein Durchschnittswert der Belastung errechnet werden“, erklärte Krischer.

Die Methode habe sich im direkten Vergleich mit hochmodernen Messstationen der Bundesregierung als ebenfalls sehr zuverlässig erwiesen. Heidenreich und Krischer fürchten „leider einen sehr hohen Wert“. Die Tatsache, dass der Messpunkt in unmittelbarer Nähe zu einer Bushaltestelle liegt, führe laut Krischer zu keiner Verfälschung des Ergebnisses. Die Emissionen des Öffentlichen Nahverkehrs seien quantitativ weitaus geringer als die des Pkw-Verkehrs.

Während Heidenreich und Krischer die Messvorrichtung an einem Laternenpfahl in etwa zwei Metern Höhe befestigten, fiel den Umstehenden eine an der Bahnhofstraße leider sehr oft zu beobachtende Situation auf: Ein Autofahrer parkte in zweiter Reihe, blockierte den Radweg, es bildete sich ein kleiner Stau. Fahrradfahrer mussten auf den Bürgersteig ausweichen. Eine Verkehrsberuhigung würde sicherlich auch in diesem Punkt der Bahnhofstraße mehr Esprit verleihen.

Mehr von Aachener Zeitung