Würselen: Rüstige Rentner werkeln in eigener Werkstatt

Würselen: Rüstige Rentner werkeln in eigener Werkstatt

„Unsere Erwartungen sind noch übertroffen worden!“ Martin Reuls strahlte, als er das sagte. Das war am Samstag — als er mit sechs Herren und zwei Frauen die Türen zur Senioren-Werkstatt im Mauerfeldchen 29 geöffnet hatte. Schon morgens strömten die Besucher in den Keller und folgten dabei dem Maschinenlärm und dem Lachen der Senioren.

„Seit Oktober 1998 treffen wir uns jeden Dienstag von 15 bis 19 Uhr und werkeln gemeinsam“, erzählte der ehemalige Beamte, der mit den Mitgliedern der Senioren-Werkstatt eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung gefunden habe. Vorlauf in der Produktion gehört dazu. Schon im Sommer hatten die Senioren damit begonnen, Holz-Nikoläuse zu erarbeiten und Krippen und Vogelhäuser zu bauen. Um die Nachfrage vor dem Winter decken zu können.

Filigran sind diese Arbeiten, künstlerisch und exakt angefertigt. „Unser Ziel ist es, dass wir möglichst lange unsere Arbeit in der Werkstatt machen können, dass wir lange gesund bleiben und unsere Gemeinschaft erhalten können“, sprach Martin Reuls auch für die anderen Handwerker, die längst Freunde geworden sind.

Natürlich machte der Würselener gern ein wenig Werbung bei dem Tag der offenen Tür: „Seniorinnen und Senioren aus den unterschiedlichen handwerklichen Gebieten, die Freude daran haben, uns mit ihrem fachlichen Können zu unterstützen, sind dienstags herzlich willkommen.“ Um in die Senioren Werkstatt zu gelangen, müssen Besucher übrigens genau hinschauen, denn im Mauerfeldchen 29 sind die Werkräume im Keller untergebracht. Aber kaum ist der Besucher unten, sind die Senioren gut zu hören.

Seit der Gründung haben sich die Rentner immer wieder in den Dienst von öffentlichen Einrichtungen gestellt. „Ehrenamtlich, versteht sich“, sagte Reuls. Kindergärten, Schulen, die Würselener Tafel und die Waldjugend — sie alle und mehr waren die bisherigen Nutznießer. „Wir helfen zwar nicht finanziell, aber als wir von der Waldjugend hörten, dass sie Nistkästen aufhängen wollte, haben wir eben für die Nistkästen gemacht“, erinnerte sich Reuls. Stolz ist er besonders auf eine ganz pfiffige Produktion: Von außen ein schlichtes Vogelhäuschen, von innen aber eine Mini-Bar: Wenn der Deckel im Dachgeschoss des rund 50 Zentimeter hohen Vogelhäuschens aufgeklappt wird, stehen dort eine Flasche mit Hochprozentigem und zwei Gläser.

„Wir werkeln nicht nur alleine im Keller. Gerne besuchen uns Kinder aus Kindergärten und Grund-Schulen, um gemeinsam mit uns zu arbeiten“, sagte der Rentner. Der freute sich nicht nur über die vielen Besucher, sondern auch über die Einnahmen, die es der Senioren-Werkstatt wieder ermöglichen, neue Materialien zu kaufen, um an weiteren Gegenstände zu werkeln.