Herzogenrath/Kerkrade: Romantische und impressionistische Klänge in der Abtei

Herzogenrath/Kerkrade : Romantische und impressionistische Klänge in der Abtei

Es war ein herrlicher Frühlingstag, der eher für Familienausflüge als für Konzertbesuche geeignet war. Trotzdem fanden überraschend viele Zuhörer den Weg in die „Aula Minor“ der Abtei Rolduc, um den Darbietungen des vielfach preisgekrönten israelische Pianisten Almog Segal im Rahmen der Konzertreihe „Orpheo“ zu lauschen.

Und sie wurden nicht enttäuscht — auf sie wartete ein umfangreiches Programm, das hauptsächlich Komponisten aus der Zeit des neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhunderts gewidmet war.

Den Auftakt bildete jedoch die Sonate fis-moll von Muzio Clementi, einem Zeitgenossen von Haydn, Mozart und Beethoven. Bereits hier begeisterte Segal mit herrlich spritzigem und technisch hochversiertem Spiel und einer für sein jugendliches Alter von 23 Jahren erstaunlichen Reife des musikalischen Ausdrucks.

Überzeugende Wiedergabe

Zarte Pastellfarben beherrschten die „Oiseaux Tristes“ von Maurice Ravel, während in den „Bagatelles for piano“ aus der Feder des zeitgenössischen israelischen Komponisten Israel Sharon schroffe Akkordballungen und scharfe Klangreibungen dominierten. Sehr gegensätzlich präsentierten sich die „Two poems“ von Alexander Skrjabin: Entrückt und verhalten zog das erste Stück vorüber, leidenschaftlich-erregt dagegen das nächste — auch dies eine überzeugende Wiedergabe.

Der zweite Teil des Konzertes umfasste ausschließlich Werke des großen polnischen Meisters Chopin. Zunächst erklangen brillant und kraftvoll die Mazurken in f-moll aus op.7 und op, 63 sowie in b-moll op. 24. Den krönenden Abschluss des Konzertes bildete jedoch die großangelegte Sonate Nr. 2 in b-moll op 35. Hier zog Almog Segal noch einmal alle Register seines geradezu phänomenalen Könnens. Die rauschenden Arpeggien und wilden Akkordkaskaden des ersten Satzes wurden ebenso souverän gemeistert wie das nachfolgende Scherzo, dessen auftrumpfende Klänge Entspannung in einem lyrisch-tiefgründigen Trio-Teil fanden.

Das Herzstück des Werkes bildete zweifellos der berühmte Trauermarsch, dessen fahle und düstere Schwermut mit großartiger Intensität ausgedeutet wurde. Das kurze und rätselhafte, wie ein wirrer Alptraum vorüberjagende Finale mit seinen rasanten Läufen trug den Charakter eines Epiloges. Am Ende gab es stürmischen Applaus für diese eindrucksvolle künstlerische Leistung — und selbstverständlich noch eine Zugabe.