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Herzogenrath: Roman führt über die Euregio nach Bagdad

Herzogenrath : Roman führt über die Euregio nach Bagdad

Sie ist eine Frau mit Bodenhaftung: Als „Fräuleinwunder” der deutschen Literatur hat ein Kritiker des „Spiegel” Silvia Szymanski einst gepriesen.

Und wer in einem Nachrichten-Magazin von nationalem Rang so gelobt wird, der ist versucht, in die großen Städte zu ziehen - nach Köln, Hamburg, Frankfurt oder Berlin, dahin, wo die großen Verlage sind.

Für die 1958 in Merkstein geborene Autorin und Rockmusikerin aber war das nie eine Alternative: „Das ist nicht in mich eingebaut”, erklärt sie dazu nur lapidar.

Herzogenrath, Merkstein und die Orte ringsum: Das alles findet der Leser in den Romanen und Erzählungen der 46-Jährigen wie „Kein Sex mit Mike”, „652 Kilometer bis Berlin” oder „Agnes Sobierajski” verschlüsselt oder offen benannt wieder.

Mit der Region geht es der Autorin dabei ein wenig so wie Herbert Grönemeyer in dem Hit „Bochum” mit seiner Heimatstadt: Sie dient ihr als Identifikationsmerkmal oder als Brennspiegel, in dem sich die große weite Welt einfängt. Vor ihrer Haustür am Rande von Herbach jedenfalls zeigt sich Herzogenrath von seiner schönen Seite. Sattes Grün auf Wiesen und Halden ringsum, dazu ein Garten mit allerlei Lilien und anderen reizvollen Blumen: Das macht einfach Laune.

In der Warteschleife

Wenn die geschilderten Verhältnisse auch klein sind - Silvia Szymanski denunziert sie nie und schildert sie auch nie (bei Wahrung einer gewissen Schnoddrigkeit) als provinziell. Sie liebt die Menschen und Städte des Nordkreises. Das spricht aus fast jeder Zeile. Und das respektieren auch die etablierten Verlage, die Szymanskis Bücher herausbringen, die Großen ihrer Branche wie Piper oder Hoffmann & Campe.

Bei den Verantwortlichen von Hoffmann & Campe an der Alster dümpelt derzeit auch noch - nicht unbedingt zur Freude der Verfasserin - Szymanskis momentan jüngster abgeschlossener Roman. Einen Titel trägt er noch nicht; die Autorin mag ihm auch keinen geben - „denn denen sind meine Titel oft nicht spektakulär genug”.

Was dem Buch aber zum zeitweiligen Verhängnis geworden ist: Mitten in den Vorbereitungen zur Veröffentlichungen gab es einen Wechsel der Lektoren. Aber der Nachfolger ist inzwischen bei der Hand und Silvia Szymanski wird bald in die Hansestadt reisen, um mit ihren Gesprächspartnern aus dem renommierten Verlagshaus endlich Nägel mit Köpfen zu machen.

Wenn das Buch derzeit ohne Namen in der Warteschleife festhängt - ein paar Details über den Inhalt verriet die Verfasserin dennoch. Ein „Pärchen-Roman” sei es, dessen erster Teil in der Karibik spielt. Dann geht es zurück nach Europa, „in eine Stadt, die grenznah ist und in der einiges von Aachen drinsteckt”.

Der letzte Teil der Handlung spielt dann erkennbar im Bagdad des jüngsten Golfkrieges, „mit Saddam Hussein und dem ganzen Figurenpersonal”. Und den Einstieg in einen zweiten, nagelneuen Roman hat Silvia Szymanski just in diesen Tagen auf ihrem Laptop abgespeichert.

Bücher sind übrigens nicht das einzige künstlerische Standbein im Leben der Schriftstellerin, deren Bekanntheitsgrad auch auf bundesweite Lesungen fußt. Selbst verweist sie darauf, „dass ich mit Literatur erst seit 1998 in der Öffentlichkeit präsent bin”.

„Striptease”

Ursprünglich ist Silvia Szymanski nämlich Rockmusikerin und war lange in den Bands „The Me-Janes” und „Tortuga Jazz” aktiv. Letzterer ist die Herzogenratherin im Prinzip noch immer treu - aber derzeit experimentiert sie mit ihrer neuen Formation „Striptease”. „Schräger Underground-Rock” ist angesagt. Und wenn die Mitglieder der neuen Band sich erst einmal eingespielt, gibt es sicher Konzerte auch in der „Region” - im „Klösterchen” oder anderswo.