Baesweiler: Rollen in der Zukunft die Züge?

Baesweiler : Rollen in der Zukunft die Züge?

Möglichkeiten sind vorhanden. Ausreichend Akzeptanz ebenfalls. Zudem gibt es eine favorisierte Lösung, Baesweiler ans Schienennetz der Euregiobahn anzuschließen. Der CDU-Stadtverband Baesweiler hatte nun hochkarätige Fachleute an einen Tisch gebracht. Um aufzuzeigen, ob und wie ein Anschluss Baesweilers realisiert werden kann.

In der Alten Scheune der Burg Baesweiler hatte Christoph Mohr, Sprecher des Verkehrsausschusses, die Moderation der Bürgerinformationsveranstaltung übernommen: „Die Stadt bemüht sich intensiv darum, Möglichkeiten zu erarbeiten, um an die derzeit im Aufbau befindliche Ringbahn im Aachener Nordraum angebunden zu werden“, konkretisierte er. Nun gelte es, zusammen mit den Baesweiler Bürgern „die Zukunftsperspektiven für Baesweiler zu diskutieren, Anregungen aufzugreifen, um die nächsten Schritte machen zu können“, betonte auch Baesweilers Bürgermeister Dr. Willi Linkens.

Infos zu den Euregiobahn-Plänen in der Burg: Geballte Kompetenz auf dem Podium, interessierte Bürger im Zuhörerraum. Foto: S. Malinowski

AVV-Geschäftsführer Hans-Joachim Sistenich ging in seinem Referat bis in die 90er Jahre zurück, „als 70 Kilometer Streckennetz aus der Zeit des Steinkohlebergbaues wegfielen. Wir als AVV haben damals gesagt, dass wir auf den Schienenverkehr setzen.“ Die Euregiobahn sei 2001 auf die Strecke gebracht worden — „und mit ihr kam das pünktlichste Produkt im Rheinland“. Mit den Jahren kamen die Erkenntnis und der Versuch, gemeinsam mit der EVS Baesweiler ans Netz anzubinden, betonte Sistenich. Zwar gebe es ungünstige finanzielle Rahmenbedingungen, man gehe jedoch davon aus, dass der Schienennahverkehr in den nächsten Jahren deutlich zunimmt. Sistenich: „Es macht Sinn, das Thema in Baesweiler weiter voranzubringen und zu planen.“ Burkhard Fahl vom Verband Nahverkehr Rheinland (NVR) stellte die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vor.

Unter der Rubrik „Nutzwerte“ ermittelte man, dass für alle drei vorgestellten Varianten „das tägliche Fahrgastaufkommen von 700 bis 1100 Fahrgästen in etwa gleich ist“. Fahl empfahl, sich für die Ost-Variante zu entscheiden. „Sie schneidet am besten ab, und für diese haben sich die Gutachter eindeutig ausgesprochen.“ Hierbei handelt es sich um die Trassenführung von Alsdorf-Annapark über Mariagrube, Hoengen, Gewerbegebiet Hoengen und Siersdorf bis zu einem Haltepunkt im Bereich zwischen Baesweiler und Setterich nahe der B 57. Eine Trasse aus Bergbauzeiten ist noch vorhanden, lediglich das letzte Stück in Richtung Setterich müsste neu angelegt werden. Diese könnte parallel zur geplanten Landstraße 50n verlaufen.

Christian Hartrampf, Geschäftsführer der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS), räumte ein, dass der Kostenfaktor für den Neubau einer Strecke von Siersdorf bis Baesweiler „enorm hoch ist“. Allerdings: Noch 2001 habe man „geglaubt, wir kriegen Baesweiler nicht angebunden“, aber mittlerweile hätten sich die Bedingungen verändert. Zum Wunsch Baesweilers, die Bahn so zu führen, dass sie übers Gewerbegebiet bis zum Carl-Alexander-Park läuft, bemerkte Hartrampf: „Lasst uns erstmal den ersten Streckenabschnitt bis Setterich in Angriff nehmen — und dann sehen wir weiter.“

Dieser Streckenabschnitt zwischen Siersdorf und Baesweiler-Setterich liegt ohnehin stark im Fokus der Stadt. Peter Strauch, Erster und Technischer Beigeordneter der Stadt Baesweiler, legte interessante neue Zahlen vor: Wenn die Trasse zwischen Siersdorf und Setterich neu gebaut werde, könne Baesweiler unter anderem Gebiete zwischen 47 und 100 Hektar zur Wohnbebauung und gewerblichen Nutzung bereitstellen. „Da ist einiges an Potenzial vorhanden. Zudem schlummern dort Reserven von geschätzten 2500 Arbeitsplätzen.“ Strauch formulierte abschließend: „Mit Blick auf die langfristigen Perspektiven sind das Argumente, die die Bahn sinnvoll machen.“

Christoph Mohr blickte nach einer angeregten Diskussion zurück und befand, „dass sich Verwaltung und CDU weiterhin vehement für eine Bahnanbindung einsetzen werden, die Verwirklichung aber leider noch einige Jahre dauern dürfte“.

Mehr von Aachener Zeitung